Letzte Aktualisierung: 22.5.2020

Verdauung in der Corona-Krise

Sie fragen sich vielleicht: »Was hat denn die Verdauung mit der Corona-Krise zu tun?« Gerade ein so empfindliches und störanfälliges System wie die Verdauung kann mehr oder weniger stark beeinträchtigt werden durch die Umstände, die mit einer Krise, mit heftigen und vor allem ungewohnten Ge- und Verboten für die gesamte Gesellschaft und mit dem damit verbundenen Stress einhergehen. Insbesondere Menschen, die ohnehin schon Probleme mit der Verdauung haben – sei es durch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder -Allergien, durch eine Zöliakie oder eine Chronisch entzündliche Darmerkrankung, durch ein Reizdarm-Syndrom oder eine Dünndarmfehlbesiedelung oder durch sonstige Verdauungsbeschwerden – können besonders betroffen sein, denn die Beschwerden können sich unter den derzeitigen Voraussetzungen verschlimmern. Diese Zusammenhänge möchte ich an dieser Stelle herausarbeiten.

Der Sinn dieses Beitrags soll deshalb nicht darin bestehen, Sie über das Virus an sich zu informieren oder Sie von der Gefährlichkeit der Fake-News zu überzeugen – wobei ich Sie trotzdem inständig bitten möchte, jede in den Medien kursierende Information genau anzuschauen und die Plausibilität zu hinterfragen. Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen aber umfassend und korrekt die Zusammenhänge und Hintergründe in Sachen »Verdauung in der Corona-Krise« erklären. Aus diesem Grunde bitte ich Sie – unabhängig davon, welche Meinung Sie zu dieser Situation vertreten – den Beitrag bis zum Schluss zu lesen, denn in Bezug auf die Auswirkungen auf Ihre Verdauung ist es tatsächlich relativ unerheblich, ob Sie seriösen Quellen oder dubiosen Informationen Glauben schenken.

Trotzdem ist es keineswegs unerheblich, zu wissen, auf welcher Basis mein Wissen fußt, denn für jeden – unabhängig davon, in welchem Zusammenhang man die Corona-Krise sieht und wie man den Wahrheitsgehalt der Informationen bewertet – ergeben sich für alle ähnliche Änderungen, Ängste und Stresssitiationen, die sich auf die Verdauung auswirken können.

Ich bitte Sie herzlich, den Abschnitt »Meine Informationsquellen» am Schluss dieses Beitrag zu lesen.


Änderungen der Lebensgewohnheiten

Einige der am deutlichsten zutage tretenden Probleme sind die zum Teil gravierenden Änderungen der Lebensgewohnheiten. Dies sind keine selbst gewählten Änderungen, sondern »von oben« verordnete Änderungen. Zusätzlich zu den Ängsten um die unkalkulierbare Gefahr der Erkrankung an sich kommen die ebenfalls beängstigenden Umstände, die der Lockdown mit sich bringt, der unser aller Leben aus den Angeln hob und hebt.

Für einige sind dies berufliche Änderungen, sei es, dass Sie nicht mehr an ihre Arbeitsstätten gehen dürfen, sondern stattdessen im Homeoffice arbeiten müssen, auf Kurzarbeit (mit den entsprechenden Gehaltseinbußen) gesetzt sind oder – schlimmer noch – dass sie als Selbstständige kaum noch ein Einkommen mehr erzielen können.

Wenn Sie Kinder haben, dürfen diese nicht in die Kita oder zur Schule gehen, sondern sollen von Ihnen als Eltern entweder beschäftigt oder beschult werden – Aufgaben, die Sie weder gewohnt sind, noch neben einer eventuellen Tätigkeit im Homeoffice befriedigend erledigen können.

Hinzu kommen die gesellschaftlichen Einschnitte, nach denen wir – die wir ja alle soziale Wesen sind – nun großen Abstand voneinander halten sollen: kein Händeschütteln und keine Umarmungen sind mehr erlaubt, ja zum Teil sind sogar die Besuche bei den Lieben untersagt, keine Restaurantbesuche, keine kulturellen Veranstaltungen und auch keine Sportereignisse mehr möglich.

Wir empfinden dies als Beschneidung unserer Rechte – was es ja de facto auch ist, aber unter den gegebenen Umständen nicht zu vermeiden ist. Niemand ist an einer Eskalation der Krankheitswelle und dem Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems interessiert – oder sollte es zumindest sein. Trotzdem sind all dies Brüche, die seelisch extrem belasten.

Zum derzeitigen Stand werden zwar die allerstrengsten Bestimmungen nach und nach gelockert, in welchem Tempo und mit welchem Erfolg dies aber geschieht, ist für keinen von uns zuverlässig berechenbar.


Angst und Unsicherheit

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich die vorsichtige Vorgehensweise unserer Regierung bei den Entscheidungen befürworte und unterstütze, aber ich erlebe es selbst, wie belastend nicht nur die Vorschriften an sich, sondern auch die Unsicherheit über die Zukunft sind. Durch diese Situation entstehen zwangsläufig Ängste und Unsicherheiten – und dies erzeugt Stress, großen Stress.

Selbst wenn man zur Anhängerschaft der diversen »Verschwörungstheorien« gehört oder glaubt, was die selbsterklärten »Heilsbringer« für »einfache« Gegenmittel erklären und deshalb mit den aufoktroyierten Maßnahmen hadert, bleibt auch hier der Stress. Wenn man nicht bereit ist, diese nicht einsichtigen Schritte zu akzeptieren, ist der Stress u.U. sogar noch viel größer als bei denjenigen, die diese Einschränkungen als leider notwendig erachten.

Unter Stress kann die Verdauung nicht korrekt arbeiten. Das Verdauungssystem funktioniert leider noch genauso, wie bei unseren Vorfahren. Wenn die Urmenschen mit einem Stresserlebnis konfrontiert wurden – beispielsweise der Begegnung mit einem Säbelzahntiger – wurden durch die Stresshormone augenblich Körperfunktionen hochgefahren, um das nackte Leben zu retten, sprich: um entweder weglaufen oder angreifen zu können. Die Leber schüttet Energiereserven aus, um die Leistungsfähigkeit der Bein- und Armmuskulatur zu optimieren. Weniger wichtige Funktionen – wie u.a. die Verdauung – werden heruntergefahren, so dass die Ressourcen nur noch für das Überleben bereitgestellt werden. Damals konnten die Stresshormone noch durch die Bewegung während der Flucht oder dem Kampf abgebaut werden, und als die Gefahr vorüber war, kam der Urmensch wieder zur Ruhe und konnte sich entspannen.

Allein schon durch unsere derzeitigen »normalen« Lebensgewohnheiten ist die notwendige Entspannung heutzutage kaum noch in ausreichendem Maße gewährleistet. Wenn dann noch eine als besonders bedrohlich empfundene Krise hinzukommt, ist dies oftmals der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bitte lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Entspannung«.


Verdauung unter Stress

Eine lang andauernde Krise – wie die Corona-Krise – bedeutet Dauerstress und wir stehen ständig unter Druck. Dies heißt, dass die Stresshormone nicht in ausreichendem Maße abgebaut werden können. Unser Verdauungssystem steht damit ebenfalls unter Dauerstress und arbeitet nicht korrekt. Der Darm, dessen – von unserem archaischen Organismus derzeit als »unwichtig« erachteten (siehe oben) – Funktionalität durch die Stresshormone nur noch eingeschränkt arbeitet, transportiert den Speisebrei unzureichend vom Magen zum Ausgang, so dass diverse Probleme wie Verstopfung, aber auch Durchfälle, Blähungen und Bauchschmerzen vermehrt auftreten bzw. verstärkt werden können.


Körperhaltung

Angst, Unsicherheit und Stress erzeugen oftmals eine andere Körperhaltung, als wenn wir entspannt sind. Wir ziehen den Bauch ein, und die Bauchdecke verkrampft sich.

Für eine gute Verdauung ist aber eine entspannte Haltung und eine aktive Bewegung der Bauchdecke (mit) entscheidend. Erst durch die Anregung des Bauches wird die Darmmuskulatur (Peristaltik) angeregt, um den Speisebrei im Darm weiter zu transportieren. Unterbleibt diese Anregung, wird oder bleibt der Darm »faul«, und die Nährstoffe können nicht optimal verdaut werden. Es bilden sich durch die zu lange Verweildauer vermehrt Gase, die den Darm schmerzhaft aufblähen und ungesunde Säuren, die Darmschleimhaut reizen können.


Atmung

Durch die Ängste und den Stress atmen wir auch falsch: wir füllen unsere Lungen nicht mehr in Ruhe vollständig mit Luft, sondern atmen viel zu flach und hektisch.

Da auch die Atmung unser Verdauungssystem beeinflusst, leidet die Verdauungsleistung zusätzlich. Bei einer tiefen und entspannten Atmung in Richtung Bauch regt der große Zwerchfellmuskel, der den Brustbereich vom Bauch trennt, die Verdauungsdrüsen Magen, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse ebenso an wie den Darm selbst. Eine flache und verkrampfte Atmung behindert die Verdauung, so dass sich bereits bestehende Probleme vergrößern oder neue Beschwerden einstellen. Bitte lesen Sie auch den Beitrag »Atem und Verdauung«.

Abgesehen davon kann sich durch eine über einen längeren Zeitraum angewöhnte flachere Atmung die Lungenleistung verschlechtern, was sich im (hoffentlich nicht eintretenden) Fall einer Covid-19-Erkrankung, die ja vor allem (aber nicht nur) eine Lungenkrankheit ist, negativ auswirken könnte.


Atemschutzmasken

Was im asiatischen Raum schon seit Jahren gang und gäbe ist, ist nun auch bei uns Vorschrift: das Tragen einer Atemschutzmaske. Gemeint sind hier nicht die FFP-Masken mit eingebauten Filtern (Filtering Face Piece), die dem Personal in Krankenhäusern oder den Rettungsdiensten vorbehalten sein sollten, die mit möglichen oder sogar nachgewiesen infizierten Personen engen Kontakt haben müssen, sondern ein Mund-Nasen-Schutz. Diese Maßnahme schützt nicht den Träger selbst vor einer Ansteckung – zumindest nicht primär – sondern vor allem die anderen, denen wir dann nicht mehr beim Husten, Niesen, Sprechen oder einfach nur beim Atmen unsere im Erkrankungsfalle mit Viren beladenen Speicheltröpfchen ins Gesicht schleudern. Wenn jedoch jeder eine solche Maske trägt, die durchaus auch selbstgenäht sein kann, jedoch korrekt vor Mund und Nase getragen werden muss, dann bin auch ich selbst durch diese Fürsorge der anderen geschützt.

Weiterhin schützt eine solche Maske auch davor, sich unbewusst ins Gesicht zu fassen. Erst, wenn Sie die Maske angelegt haben, merken Sie, wie oft Sie sich mit den Händen im Gesicht berühren. Da Sie bei vielen Gelegenheiten mit den Händen Gegenstände oder Griffe und Türklinken anfassen, können Ihre Finger mit Viren belastet sein, die Sie dann auf Mund und Nase oder auch in die Augen übertragen. Auf diese Weise können die Masken dann tatsächlich auch vor einer Eigenansteckung schützen.

Bemängelt wird immer wieder, dass der Atem durch eine solche Maske und somit eine optimale Belüftung der Lungen erschwert ist. Das ist tatsächlich richtig. Zwischen Mund und Nase und dem davor befindlichen Stoff oder Vlies befindet sich ein sogenanntes »Tot-Volumen«, also eine sauerstoffarme Luftmenge aus der ausgeatmeten Luft, die beim Einatmen gleich wieder in die Lunge gezogen wird. Auf Dauer ist dies anstrengend, denn um den Organismus mit der ausreichenden Sauerstoffmenge zu versorgen, muss man in schnellerem Rhythmus atmen. Auch ist es schwerer, durch die Stoff- oder Vlieslagen die Frischluft aus der Umgebung einzuziehen, als ohne eine solche Bedeckung.

Vor allem Brillenträger haben ein besonderes Problem, das Stress erzeugt: die Brille beschlägt, weil die feuchte Atemluft durch eine nicht vollständig abschließende Maske auch nach oben steigt und auf den Gläsern kondensiert. Im Sommer bei wärmeren Temperaturen ist dieses Phänomen weniger ausgeprägt, im Winter jedoch dürfte es sich verstärken. Somit ist es ratsam, die obere Kante des Mund-Nasenschutzes mit einem Draht oder Metallbügel zu versehen, den man so biegt, dass er der Gesichtskontur folgt und so die Maske nach oben gut abschließt.

Das »Totschlagargument«, das von den Menschen, die die Fremdbestimmungen ablehnen, benutzt wird, ist die schlechtere Belüftung der Lunge und damit eine Beeinträchtigung des Immunsystems, wenn die Atemschutzmaske ununterbrochen und zu jeder Gelegenheit getragen werden müsse. Dies ist aber keineswegs der Fall! Die Masken sollen in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Geschäften, in Arztpraxen und bei den Gelegenheiten getragen werden, wo es sich nicht vermeiden lässt, dass sich Menschen nahekommen. Ob es sinnvoll ist, die Masken auch auf der Straße zu tragen, hängt davon ab, wie viele Menschen dort unterwegs sind.

Der sicherste Schutz – für mich selbst und für die anderen – ist es immer noch, 1,50 bis 2 Meter Abstand einzuhalten.

Völlig unsinnig ist es, eine Atemschutzmaske zu tragen, wenn man zu Hause ist, wo man entweder alleine ist oder sich in seiner häuslichen Gemeinschaft befindet. Auch im Auto eine Schutzmaske zu tragen, ist eher gefährlich, solange man alleine oder mit der Familie unterwegs ist, denn die Maske kann das Gesichtsfeld und damit die Verkehrssicherheit einschränken.

Und wenn man in der Natur unterwegs ist, wo einem kaum jemand anderes begegnet oder wo zumindest im Normalfall immer der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann, wäre es völlig kontraproduktiv, eine Schutzmaske zu tragen, denn während der aktiven Bewegung kann man gerade hier den Organismus mit frischem Sauerstoff versorgen und die Lungen entlasten und kräftigen. Bitte lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Bewegung und Sport«.

Es ist also nicht das generelle Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorgeschrieben, sondern das Tragen an bestimmten Orten und zu bestimmten Gelegenheiten zum größtmöglichen Schutz vor einer Verbreitung des Virus und vor einer Ansteckung.

Auch wenn es zum Teil mühsamer ist, mit einer Schutzmaske zu atmen als ohne, sollte jede, aber auch wirklich jede Möglichkeit genutzt werden, eine exponentielle Verbreitung des Virus und damit eine Überlastung des Gesundheitssystems, viele schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu verhindern. Das Tragen der Masken, wenn man allein unterwegs ist, ist weder vorgeschrieben noch sinnvoll. Wenn Sie nicht zu jeder möglichen Gelegenheit ohne Maske atmen – und dies auch wie weiter unten beschrieben in der richtigen Weise – bedeutet dies zusätzlichen Stress. Sie erweisen damit Ihrer Verdauung einen Bärendienst und schaden Ihrer Gesundheit.


Bewertung der Situation

Versuchen Sie bitte vor allem, Wege zu finden, Ihren Stress zu minimieren. Ich kann hier an dieser Stelle wenig konkrete Vorschläge dazu beitragen, denn Ihre eigenen Gegebenheiten sind immer ganz individuell. Hilfreich ist vielleicht jedoch der Tipp, dass Sie versuchen sollten, nicht allzu sehr mit der Situation zu hadern: Fremdbestimmung – insbesondere solche, die man nicht einsieht – wird immer sehr viel einschneidender empfunden, als wenn man sein Leben zumindest zum großen Teil selbst in die Hand nehmen kann.

Vielleicht können Sie sich die Zeit nehmen, einmal Ihren persönlichen Ist-Zustand zu analysieren und zu schauen, welche Alternativen es gibt. Unter Umständen ergeben sich ja durch die derzeit erforderlichen Umstände ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven.

Vor allem aber versuchen Sie zu erkennen, ob es nicht auch positive Aspekte in dieser Krise für Sie gibt. Evtl. können Sie durch die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, Ihre Mahlzeiten besser organisieren. Vielleicht können Sie entspannter auf die Toilette gehen, weil es Ihre eigene ist und Sie (und Ihr Darm) über die Entleerungszeiten besser bestimmen können. Ich bin überzeugt, dass auch für Sie etwas Positives dabei ist: ein halb leeres Glas ist immer auch halb voll!


Atem- und Dehnungsübungen

Es gibt Übungen, die Sie durchführen können, um all diesen Gefahren begegnen oder sogar vorbeugen zu können. Gemeint sind an dieser Stelle nicht die allgemein empfohlenen Verhaltensweisen, um eine Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden – deren Befolgung ich Ihnen aber bitte in Ihrem eigenen Interesse trotzdem zusätzlich ganz dringend ans Herz legen möchte.

Ein Tipp: Diese Übungen eigen sich auch unabhängig von einer Krisensituation zur Optimierung der Verdauung. Jeder, der Probleme in dieser Richtung hat, sollte diese kleinen Trainingseinheiten in seine tägliche Routine einbauen, sie eigenen sich aber genauso gut auch »einfach nur« zur Steigerung des Wohlbefindens.
Atemübung 1
Atemübung 1:
Bei diesen Übungen achten Sie bitte auf Ihre Körperhaltung und Ihre Atmung: richten Sie Ihren Körper auf und lassen Sie die Bauchdecke locker. Strecken Sie die Arme nach oben und atmen Sie tief durch die Nase ein (Abb. 1a), so dass sich die Bauchdecke sichtbar wölbt. Nach einer kleinen Atempause von ein bis zwei Sekunden atmen Sie gegen die Lippenbremse (so, als wollten Sie pfeifen) langsam wieder aus – der Bauch wird wieder flach. Senken Sie dabei langsam die Arme wieder nach unten (Abb. 1b). Sie können die Übung verstärken, indem Sie den Körper in der Taille abknicken, den Oberkörper nach unten hängen lassen und mit den Armen und Händen möglichst weit in Richtung Boden kommen (Abb. 1c). Führen Sie diese Übung einige Atemzüge lang durch.
Atemübung 2


Atemübung 2:
Für die zweite Übung breiten Sie beim Einatmen die Arme ganz weit nach rechts und links aus (Abb. 2a) und führen Sie beim Ausatmen wieder vorne vor dem Körper zusammen (Abb. 2b). Auch diese Übung wiederholen Sie für mehrere Atemzüge.

Wirkung der Atemübungen:
Bei diesen Atemübungen bewegt sich das Zwerchfell kräftig nach unten. Dabei werden die Verdauungsdrüsen (Magen, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse) angeregt und der Darm massiert, wodurch die Verdauungsleistung und die Darmtätigkeit optimiert werden. Durch die tiefe Atmung in den Bauch, die Öffnung der Rippen, die damit verbundene Vergrößerung des Atemraumes und die anschließende gründliche Ausatmung wird die Lunge gut durchlüftet und gestärkt. Die verlangsamte, ruhige Atemfrequenz beruhigt und entspannt wohltuend. Die Bewegung hilft, Stresshormone abzubauen und auf diese Weise die Situation besser und gelassener zu überstehen.

Am wirkungsvollsten ist es, diese Übungen an der frischen Luft durchzuführen. Sie können dies auf einem Spaziergang machen oder ggf. auch »nur« am offenen Fenster.


Dehnung der großen Lendenmuskel:
Die obere Teile der beiden großen Lendenwirbel (Musculus psoas major) sind jeweils seitlich am untersten Brustwirbel und den ersten vier Lendenwirbeln befestigt. Die kräftigen Muskelteiln verlaufen vor den beiden Hüftknochen und enden jeweils am oberen Teil des rechten bzw. linken Oberschenkelknochens. Die Funktionen sind die Beugung und die Auswärtsdrehungen der Hüfte.

Die meisten Menschen sitzen (zu) viel. Bei dieser Haltung ist der Körper in der Hüfte abgeknickt, der Lendenmuskel also angespannt. Eine rotierende Bewegung in der Hüfte findet in dieser starren Postition kaum statt. Erst wenn wir aufstehen, uns recken und unseren Oberkörper nach links und rechts drehen, werden die beiden großen Lendenwirbel wieder entspannt.

Wenn wir unter Stress stehen, ziehen wir den Oberkörper noch weiter zu den Knien. Da beim Urmenschen Stress und Bedrohungen meist von Feinden ausgingen, die den Menschen rein körperlich bedrohten, konnte er mit dieser Haltung seine empfindlichen Bauchorgane vor Verletzungen schützen – sich die Gefahr »vom Leib halten«. Wie oben erklärt, funktionieren unsere Reflexe noch genauso wie bei unseren Vorfahren, nur dass wir meist anderen Stress haben als vor Jahrtausenden. Aber unsere Angst- und Stresshaltung ist unbewusst die gleiche: wir ziehen die Knie vor den Bauch und »schützen unsere Organe«.

Entlastung bringt die Dehnung der großen Lendenmuskel, damit wir den Körper aufrichten und uns entspannen können. Dazu gut geeignet ist für «Anfänger« eine Übung im Stehen bzw. im Liegen und für »Fortgeschrittene« eine Übung, die einige von Ihnen vielleicht aus dem Yoga kennen.
Übung 3

Dehnungsübung 3:
Stellen Sie sich mit schulterbreit geöffneten Beinen aufrecht hin und verschränken Sie die Hände hinter dem Kopf. Die Knie sind nicht steif, sondern leicht und locker gebeugt, so dass Sie in den Gelenken federnd stehen. Nun dehnen Sie sich von der Hüfte an aufwärts mit dem Rumpf so weit wie möglich nach hinten. Die Arme unterstützen diese Dehnung, so dass die großen Lendenmuskeln gedehnt werden (Abb. 3a). Sie merken dies, wenn Sie einen leichten (anfangs vielleicht sogar etwas unangenehmen) Zug an dieser Stelle verspüren. Zum anderen wird durch die Armdehnung auch der Atemraum bestmöglich vergrößert. Atmen Sie in dieser Stellung mehrere Male tief in den Bauch ein und wieder aus. Diese Atemunterstützung verstärkt und unterstützt die Dehnung des Psoas-Muskels.

Wenn Sie diese Übung einige Tage durchgeführt haben und Ihre Lendenmuskeln an die Dehnung gewöhnt sind, können Sie eine weitere Stufe hinzufügen: Lagern Sie sich bequem auf einer nicht zu weichen Unterlage und schieben Sie sich eine weiche Rolle (z.B. ein gerolltes Handtuch) unter die Lendenwirbelsäule (Abb. 3b). Führen Sie auch in dieser Lage die Atemübungen durch. Wählen Sie die Stärke der Rolle nicht zu dick, denn Sie sollen zwar den Zug im Lendenmuskel, aber keinen Schmerz im Rücken verspüren.
Übung 4

Dehnungsübung 4:
Zum Schluss kommt nun noch eine Übung für Fortgeschrittene: Knien Sie sich dazu auf den Boden und stellen den rechten Fuß nach vorne. Stützen Sie sich mit den Händen schulterbreit ab. Nun strecken Sie das linke Bein möglichst weit nach hinten (Abb. 4a). Richten Sie jetzt den Rumpf von der Hüfte an auf und stützen Sie sich mit den Händen auf das aufgestellte Knie (Abb. 4b). Je weiter Sie sich aufrichten, desto intensiver wird die Dehnung des linken Lendenmuskels. Ggf. können Sie sich mit den Händen am Knie abstoßen und den Körper noch ein wenig weiter nach hinten drücken (wer Probleme mit dem Gleichgewicht hat, darf sich gerne seitlich beispielsweise an einer Wand absichern). Atmen Sie mehrere Male möglichst tief durch die Nase ein und langsam und gründlich gegen die Lippenbremse wieder aus. Wiederholen Sie diese Übung, wobei Sie den linken Fuß aufstellen und das rechte Bein nach hinten strecken, um auch den rechten Lendenwirbel zu dehnen.

Wirkung der Dehnungsübungen:
Erst durch eine gründliche Dehnung können sich die beiden großen Lendenwirbel entspannen. So wird Ihr Körper aufgerichtet und der verkrümmten Haltung entgegengewirkt. Ein aufgerichteter Körper kann sich entspannen und Ihre Verdauungsorgane haben Platz und können reibungsloser funktionieren. Darüber hinaus Sie können Gefahren, Ängsten und Stress – auch in dieser Krise – im wahrsten Sinne aufrecht und gelassener entgegensehen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!


 
Beratung

Gerne biete ich Ihnen eine individuelle Beratung an – in der derzeitigen Situation immer und später auf Wunsch auch telefonisch oder per Skype.
Bitte informieren Sie sich auf meiner Praxis-Website »www.Ganzheitliche-Gesundheitsberatung.de«


Meine Informationsquellen

Am Anfang der Corona-Pandemie dachten noch viele – wie auch ich – dass die Covid-19-Erkrankung weniger gravierend als eine »normale« Grippe verlaufen würde. Im Laufe der Zeit kristallisierten sich jedoch auch für die Wissenschaftler – für die ja diese Erkrankung ebenfalls Neuland bedeutet – mehr und mehr die verschiedenen Facetten und damit auch die Brisanz dieser Lungenerkrankung heraus, und ich bin dankbar für die zahlreichen seriösen und laufend aktualisierten Informationen, die mittlerweile in den Medien zur Verfügung gestellt werden.

Um diesen Beitrag schreiben zu können, beziehe ich mich auf zahlreiche Quellen, und ich höre, lese und verfolge täglich für mehrere Stunden die Angebote. Insbesondere sind dies die Artikel in seriösen Tages- und Wochenzeitschriften, aber auch Beiträge, Sendungen, Interviews und Diskussionsrunden im Fernsehen, Podcasts von Wissenschaftlern wie u.a. Virologen oder auch Wirtschaftswissenschaftlern. Insbesondere möchte ich Ihnen hier die Namen Christian Drosten mit seinem »Corona-Virus Update« im NDR , aber auch andere Virologen wie u.a. Jonas Schmidt-Chanasit, Alexander Kekulé, (bedingt) Hendrick Streek, das Robert Koch Institut und viele andere nennen, die auf den verschiedenen Kanälen oder als geladene Fachleute in Fernsehsendungen sehr genaue Hintergrundinformationen liefern. Diese Wissenschaftler und Organisationen sind sich durchaus nicht immer bzw. in jedem Detail einig, aber gerade darum bekommt man ein sehr differenziertes Bild von der Materie.

Auch Beiträge von Pflegepersonal auf Intensiv- und Coronastationen, Rettungssanitätern oder Feuerwehrleuten verfolge ich mit großem Interesse, denn diese liefern Eindrücke der Vorgänge an »vorderster Front«. Hier möchte ich Ihnen u.a. die Sendung »Fighting Corona« mit Tobi Schlegl ans Herz legen.

Da ich mich auch in den sozialen Netzwerken bewege, sichte ich auch hier die Informationen. Leider tummeln sich aber gerade hier in erschreckend hohem Maße die Anhänger der diversesten Verschwörungstheorien in ihren Blasen. Es vermischen sich hier die verschiedensten Interessengruppen zu einer fatalen Gemengelage – angefangen von den Verleugnern, über die Impfgegner, Antisemiten und Fremdenhasser bis hin zu rechts- oder linksextremen Gruppierungen, die diese für alle neue Situation mit nicht belegbaren »Informationen«, teils sogar (lebens-)gefährlichen Heilsversprechen oder schlichten Fake-News für sich instrumentalisieren wollen.

Aber um mir auch in diesem Bereich ein eigenes Bild machen zu können, sehe ich mir auch einige dieser Beiträge an. Beispielhaft sind hier Menschen wie der freie Journalist und Antisemit Ken Jebsen, der Fernsehkoch Attila Hildmann aber auch viele andere nennen, deren »fachliche« Äußerungen zum Thema Corona zumindest nicht auf einer einschlägigen Ausbildung fußen. Es erstaunt mich, mit welchem Aufwand zum großen Teil auch blutige Laien ihr »Wissen« zum Besten geben und scheinbar Erfolg damit haben, andere von »Tatsachen« zu überzeugen, obwohl man hier eigentlich auf den ersten Blick erkennen müsste, welcher Unsinn dort verzapft wird. Unglücklicherweise melden sich aber auch Menschen wie u.a. Wolfgang Wodarg zu Worte, der zumindest kein ausgewiesener Fachmann in Sachen Vorologie ist, sich aber trotzdem anmaßt, sein Arztsein dazu zu benutzen, dem unkritischen Zuschauer als Fachmann in der Sache gegenüberzutreten. Und last, but not least, kommen noch all die Menschen in weißen Kitteln ohne belegbare Vita hinzu, die es in Youtube-Videos vor einem »wissenschaftlich angehauchten«, mit Mikroskopen und Reagenzgläsern bestückten Ambiente schaffen, ihre »wissenschaftlichen Erkenntnisse« leider sehr überzeugend zu vermitteln – wenn man nicht aufpasst und sich umfassender informiert.

Immer wieder werden in solchen Internetbeiträgen auch Interviews, Dokumentationen und Fernsehfilme zitiert, die zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt und Entwicklungsstand der Pandemie oder sogar auf ähnliche Pandemien mit einem ganz anderen Virus beziehen. Hier muss man schon sehr genau hinschauen, dass manche Äußerungen eben auf einem anderen Erkenntnisstand basieren und von den Interviewten teilweise nachträglich geändert und zurückgenommen wurden – was keineswegs eine Schwäche ist, als die sie die Zweifler und Verleugner gerne hinstellen möchten. Im Gegenteil: es zeugt von Stärke und Sorgfalt, wenn ein Wissenschaftler bei seinen Erkenntnissen den aktuellen Wissensstand mit berücksichtigt. Trotzdem ist es interessant, sich auch diese teils jahre- oder jahrzehntealten Beiträge anzuschauen, denn bestimmte Fakten – wie die Verflechtung der Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf Entscheidungen der Politik – sind auch heute noch aktuell. Z.B. der inzwischen auf Youtube zur Verfügung gestellte Beitrag »Profiteure der Angst« des Fernsehsenders Arte stammt zwar aus dem Jahr 2009, ist aber bestimmt auch heute noch genauso aktuell. (Hier kommt übrigens auch der oben erwähnte Wolfgang Wodarg zu Worte, der im damaligen Zusammenhang und seiner damaligen Funktion sicherlich etwas beizutragen hatte. Aber so, wie er sich aktuell in Sachen Corona-Virus äußert, kann ich dies nur noch als »verbiestert« bezeichnen.) In der Sache der Gefährlichkeit mit dem SARS-CoV-2 werden diese Beiträge aber nach meinen (derzeitigen) Erkenntnissen instrumentalisiert und haben nichts damit zu tun. Man muss also immer sehr genau hinschauen, wer in welchem Zusammenhang und zu welchem Zeitpunkt etwas sagt.

Jeder, der sich zum Thema »Corona« äußert, sollte seine Quellen nennen – allein schon auch, um wenigsten ein wenig abschätzen zu können, wie einseitig oder wie umfassend sich der- oder diejenige informiert hat. Die Hintergründe zu diesem Virus, seiner Herkunft, seiner Verbreitung, seinem Ansteckungspotenzial, seiner Auswirkung im Krankheitsfalle und Heilungsmöglichkeiten sind selbst bei den ausgewiesenen Fachleuten – das sind in meinen Augen ausschließlich die Virologen und in dieser Fachrichtung ausgebildeten Ärzte – noch keineswegs abschließend erforscht. Schon gar nicht kann man sich (allein und überhaupt) auf die Äußerungen von Laien – und das sind in meinen Augen alle, die keine Virologen bzw. Fachärzte sind – belastbar stützen.

Wie Sie unschwer feststellen können, habe ich eine klare Meinung zu den selbsternannten »Fachleuten«, informiere mich aber trotz allem sehr breit gefächert, um zu wissen, welche Theorien auch in dieser Richtung kursieren, und ich möchte Sie ausdrücklich ermuntern, sich ebenfalls in alle Richtungen zu informieren. Erst, wer sich wirklich umfassend informiert und seine Quellen nachvollziehbar nennt, kann und darf für sich in Anspruch nehmen, eine begründete Meinung zu haben.

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