Letzte Aktualisierung dieser Seite: 31.10.2017

Pflege der Darmflora


Für eine optimale Gesundheitsvorsorge ist es wichtig, den Darm zu pflegen. Besonders aber bei einem schlecht funktionierenden Immunsystem, nach Antibiotikatherapien oder auch nach besonderen Stresssituationen ist es erforderlich, sich um die Pflege der Darmflora zu kümmern, da dieses empfindliche Organ durch viele ungünstige Einflüsse beeinträchtigt werden kann.

Im Darm sitzt ein Großteil unseres Immunsystems – teils durch die Barrierefunktion einer dichten Schleimhaut mit einem Schleimüberzug, wodurch Krankheitserregern in Form einer Barriere der Eintritt in das Gewebe verwehrt wird. Anderenteils aber bilden Millionen von Darmbakterien einen Schutzwall gegen unerwünschte »Eindringlinge«. Diese Darmbakterien – die Darmflora oder Mikrobiota – sollte aus überwiegend nützlichen Bakterienstämmen bestehen. Natürlich enthält sie auch immer weniger nützliche, teils sogar schädliche Keime, letztere werden aber in einer intakten Darmflora immer durch die guten Arten in Schach gehalten, so dass sie sich nicht übermäßig vermehren und ihr krankmachendes Potenzial entfalten können.

Durch eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora können sich jedoch verstärkt Krankheitserreger vermehren und die Gesundheit des Menschen gefährden. So können sich z.B. Pilze wie Candida albicans einnisten und in der Schleimhaut verankern. Von hier aus können sie bis in andere Körperregionen wuchern und beispielsweise Nagel- oder Scheidenpilz-Erkrankungen verursachen. Sind vom Arzt oder Heilpraktiker Darmpilze festgestellt worden, so ist eine konsequent zucker- und weißmehlfreie Diät einzuhalten, um die Schädlinge auszuhungern. Eine systematische Ansiedelung von Lacto- und Bifidobacillen unterstützt diesen Prozess, denn sie verarbeiten bereits in den oberen Darmabschnitten eventuell vorhandene Glukose, die dann den Pilzen in den unteren Darmbereichen nicht mehr zur Verfügung steht. Darüber hinaus erzeugen die Milchsäurebakterien ein günstiges, leicht saures Milieu, in dem die Pilze nicht überleben können. Übermäßiger Zuckergenuss lockt zudem die eigentlich im Dickdarm ansässigen Bewohner nach oben in den Dünndarm, wo sie mit ihren unangepassten Stoffwechselvorgängen Abfallprodukte wie z.B. kurzkettige Fettsäuren erzeugen, die die Darmschleimhaut schädigen.

Neben der Pflege der Darmschleimhaut wird der Aufbau der Darmflora idealerweise unterstützt mit probiotischen (enthalten lebende Bakterienkulturen) oder präbiotischen Nahrungsmitteln (enthalten unverdauliche Oligosaccharide, also Kohlenhydrate, die von der menschlichen Verdauung nicht verwertet werden können, jedoch den Darmbakterien als »Futter« dienen). Die meisten pro- und präbiotischen Nahrungsmittel sind auf Milchbasis hergestellt, meist (Frucht-)Joghurtprodukte – hier hat die Nahrungsmittelindustrie einen riesigen Markt entdeckt, und die entsprechenden Produkte (»funktionelle Lebensmittel«) werden von vielen Verbrauchern gekauft, die meinen, ihrer Gesundheit damit etwas Gutes tun zu können. Beachtet werden muss jedoch, dass die (wenigen) Bakterien, die diesen Nahrungsmitteln zugesetzt wurden, größtenteils bereits im Magen durch die Magensäure abgetötet werden und den Dickdarm, wo sie eigentlich wirken sollten, gar nicht erst erreichen. Für Menschen mit Laktose-Intoleranz und auch für Menschen mit Fruktose-Intoleranz sind sie wegen des Milchzucker- und Fruchtzuckergehalts nicht geeignet – und kosten darüber hinaus auch eine schöne Stange Geld.

Gut geeignet hingegen ist milchsauer eingelegtes Gemüse, das Sie am besten im Bioladen oder aus dem Reformhaus besorgen. Dort bieten sich Sauerkraut, saure Gurken, Rote Beete oder Mixed Pickles an. Auch in Brottrunk, den Sie dort bekommen, sind Milchsäurebakterien enthalten. Darüber hinaus enthält auch der mit dem so genannten »Teepilz« angesetzte Kombucha-Trunk (sprich: Kombuhtscha) verschiedene nützliche Bakterien- und Hefepilzarten und ist zur Darmpflege bestens geeignet (siehe Link unten). Vor allem aber enthalten diese Lebensmittel viele Enzyme und einen hohen Anteil an Milch- und/oder Essigsäure und weitere Bestandteile, die die Verdauung unterstützen und helfen, dass sich nützliche Darmbakterien optimal entwickeln können, die Vermehrung von schädlichen Mikroorganismen dabei jedoch eher hemmen.

Die in diesen Lebensmitteln enthaltenen Inhaltsstoffe – vor allem aber ihre für unseren Organismus optimale Kombination – sind wesentlich bekömmlicher als die in den industriellen Produkten enthaltenen. Natürlich kann auch ein Teil der hier enthaltenen Bakterien die Magensäureschranke nicht überwinden, jedoch kommt es hier eben auf die Reichhaltigkeit der Inhaltsstoffe an. Auch die natürlichen Lebensmittel können Durchfälle erzeugen, besonders beim Verzehr größerer Mengen. Es ist deshalb sehr wichtig, die Verzehrmengen dieser Lebensmittel, vor allem von Sauerkraut, grundsätzlich langsam einzuschleichen, d.h. Sie müssen behutsam die Verzehrmengen steigern, um das Verdauungssystem an die neuen, nützlichen »Mitbewohner« und die weiteren wertvollen Inhaltsstoffe zu gewöhnen.

In Apotheken und Reformhäusern gibt es zusätzlich Präparate mit getrockneten Milchsäure- und/oder Bifidobakterien, die die Zusammensetzung der Darmflora günstig beeinflussen. Meist enthalten sie zusätzlich Präbiotika wie Inulin oder Oligofruktose, die die Vermehrung der Bakterien begünstigen. Darüber hinaus können Sie, falls sich die Beschwerden nicht nach einigen Wochen bessern, in der Apotheke Präparate mit »entschärften« Escherichia coli- oder Enterococcus faecialis-Bakterien erwerben.

Auch Vitalpilze sind eine ganz hervorragende Möglichkeit, Darmschleimhaut, Darmflora und die Verdauung gesund zu erhalten. Sie enthalten einen hohen Anteil an Polysacchariden, die ausgleichend und regulierend wirken.

Sprechen Sie diese Maßnahme jedoch immer mit Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Gesundheitsberater ab – das Herumdoktern mit diesen Präparaten ist oftmals eher schädlich als nützlich. Auch wenn früher und auch heute noch die Präbiotika einen großen Stellenwert bei den Gesundheitssuchenden (und natürlich erst recht bei den Herstellern) einnehmen, sind diese Präparate mittlerweile nicht mehr unumstritten. Es wird diskutiert, ob die enthaltenen Bakterienarten, die als so genannte »passagere Keime« ja nur vorübergehend in den Darm geschleust werden, die obligate Darmflora, also die dauerhaft dem Darm angesiedelten Bakterienarten verdrängen, die für die Gesunderhaltung des Organismus eine unersetzliche Rolle spielen. Wenn dann nach Absetzen der Präparate die passageren Keime zurück gehen, kann sich die dezimierte eigentliche Darmflora nicht – oder zumindest nicht ausreichend und nicht schnell genug – regenerieren. Somit möchte ich vor allzu leichtfertigem Einnehmen von Präbiotika unbedingt warnen.

Lesen Sie hierzu bitte auch den Beitrag Sanierung der Darmflora. Nach dem erfolgreichen Umstieg auf vollwertige Kost kann sich die Darmflora dann von allein erhalten und muss nicht lebenslang mit künstlich zugeführten Mitteln unterstützt werden (siehe Link unten).

Lassen Sie sich für den Aufbau der Gesundheit Ihres Darmes viel Zeit: Rechnen Sie mit mehreren Monaten für die Regeneration, je nach dem, in welchen Zustand sich Ihr Darm zuvor befunden hat. Mit Sicherheit werden sich mit der Sanierung Ihr körperliches und auch Ihr seelisches Befinden verbessern, Ihre Beschwerden werden zurückgehen, und Sie werden sich leistungsfähig und gesund fühlen.

 
Empfehlenswerte Links:
Um den Kombucha-Trunk herzustellen, benötigen Sie einen Teepilz aus einer zuverlässigen Quelle. Hier möchte ich Ihnen folgenden Lieferanten empfehlen: www.kombucha-shop.de

Wenn Sie sich über die Inhaltsstoffe von Kombucha informieren möchten, empfehle ich Ihnen die Lektüre der Website von Günter W. Frank: http://www.kombu.de/inhstoff.htm

Zur Unterstützung des Aufbaus der Darmflora gibt es diverse Präparate im Handel, aber nicht jedes ist für jeden geeignet oder verträglich. Auf der Website www.libase.de, einem Forum für Laktose-Intoleranz gibt es einen sehr empfehlenswerten Beitrag, der eine Fülle von Präparaten zusammenfasst und diskutiert. Eigentlich werden die Präparate vor dem Hintergrund einer Histamin-Intoleranz bewertet, die Zusammenfassung eignet sich jedoch auch, um sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Bitte klicken Sie hier.





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