Letzte Aktualisierung dieser Seite: 4.3.2012


Fragen und Antworten zum Thema Fruktose


An dieser Stelle beantwortet der Facharzt Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Joachim Thon Fragen zum Thema Fruktose und Fruchtzuckerunverträglichkeit. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

PD Dr. med. Hans-Joachim Thon
Facharzt für Innere Medizin
und Gastroenterologie
Poppelsdorfer Allee 19
53115 Bonn
Telefon 0228-92689344


Die Fragen stellte Wolfgang Bornemann, Bonn, Journalist.

Was ist Fruktose / Fruchtzucker?
Fruktose ist ein Einfachzucker (Monosacharid). Er kommt in den meisten Obst- und Gemüsesorten sowie im Honig vor. Fruktose hat eine deutlich höhere Süßkraft als Haushaltszucker (Saccharose). Aus diesem Grund wird Fruktose in Lebensmitteln zum »Kalorien sparen« verwendet. Fruktose beeinflusst zudem den Zuckerstoffwechsel weniger stark als Haushaltszucker. Deswegen findet man Fruktose als Süßungsmittel in vielen »für Diabetiker geeigneten« Lebensmitteln.

Was versteht man unter dem Begriff Fruktosemalabsorption (FMA)?
Nach dem Genuss von üblichen Mengen wird Fruktose normalerweise im Dünndarm so gut wie komplett aufgenommen (absorbiert). Das Transportprotein GLUT-5 schleust dabei die Fruktose durch die Wand des Dünndarms zum Weitertransport in die Blutbahn. Bei einer Malabsorption wird Fruktose nur in begrenzter Menge vom Dünndarm aufgenommen. Die nicht absorbierte Fruktose wird weiter in den Dickdarm transportiert und dort durch Bakterien vergoren. Dadurch entstehen Gase und Abbauprodukte, die den Darm reizen und Bauchschmerzen, Blähungen und auch Durchfälle auslösen können.

Was führt zu einer FMA?
Eine FMA kann verschiedene Ursachen haben: so kann die zugeführte Fruktosemenge in der Nahrung die Kapazität des Transportproteins GLUT-5 übersteigen, oder das Transportprotein wird durch andere Nährstoffe blockiert. Es kann aber auch ein Mangel an Transportprotein GLUT-5 im Dünndarm vorliegen.

Was führt zu einem Mangel an Transportprotein GLUT-5?
Erkrankungen des Dünndarmes wie z.B. Infektionen oder die Zöliakie/Sprue können zu einer Schädigung des Transportproteins führen. Ob auch genetische bedingte Ursachen dafür verantwortlich sein können, ist bislang nicht bekannt.

Wie kann man eine FMA diagnostizieren?
Der H2-Atemtest mit Fruktose gilt als sog. »Goldstandard« für die Diagnosestellung einer FMA. Der Test ist einfach durchzuführen und für den Betroffenen wenig belastend. Dieser Test sollte zur generellen Basisdiagnostik bei der Abklärung »funktioneller Darmprobleme« wie z.B. bei Verdacht auf Reizdarmsyndrom (RDS) gehören. Mit dem H2-Atemtest können mit weiteren Testlösungen auch eine Laktose-, eine Sorbit- und/oder eine Saccharoseintoleranz abgeklärt werden, die ebenfalls Ursache von Verdauungsstörungen sein können.

Wie häufig findet sich eine FMA?
Nach bisher vorliegenden Forschungsergebnissen ist davon auszugehen, dass bei ca. 1/3 der Bevölkerung eine FMA in mehr oder weniger starker Ausprägung besteht.

Ist die FMA eine Krankheit?
Nein. Zumindest ist die FMA keine Erkrankung im klassischen Sinne. Die Toleranz für Fruktose ist auch bei Gesunden sehr unterschiedlich. Untersuchungen, bei denen gesunde Probanden mit unterschiedlichen Fruktosemengen belastet wurden, zeigten eine Verträglichkeitsspanne von 5 bis über 50 g. Bei ca. 50% konnte man im H2-Atemtest bei einer Belastung mit 25 g Fruktose bereits eine FMA nachweisen. Soviel Fruchtzucker ist in ca. 250 ml Apfelsaft enthalten.

Wie kann sich eine FMA bei einem Betroffenen äußern?
In Abhängigkeit von der Belastung mit Fruktose klagen Betroffene typischerweise über Bauchbeschwerden im Sinne eines Reizdarmsyndroms, welches meist gekennzeichnet ist durch das Auftreten von Bauchschmerzen, verstärkten Blähungen und Durchfall. Aber auch atypische Beschwerden, wie das Vorhandensein von depressiven Verstimmungen, wurden in Zusammenhang mit dem Vorhandensein einer FMA beschrieben.

Welche Verbindungen sehen Sie zwischen einem Betroffenen mit Reizdarmsyndrom (RDS) und einer FMA?
Es gibt bislang keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür, dass bei Betroffenen mit RDS häufiger als bei sog. »Gesunden« eine FMA vorliegt. Die FMA hat somit wohl keine Bedeutung als Krankheitsursache für ein RDS.
Es ist aber davon auszugehen, dass Betroffene mit RDS und FMA auf Fruktosebelastung mit erheblich stärkeren Beschwerden als sog. »Gesunde« mit FMA reagieren. Die Beschwerden werden in ihrer Ausprägung bei den Betroffenen mit RDS als krankheitsbedeutsam wahrgenommen.

Führt eine Ernährungsumstellung bei Betroffenen mit RDS und FMA zu einen Beschwerdebesserung?
Aktuelle Studien zeigen, dass RDS-Patienten, bei denen eine FMA nachgewiesen wurde, von einer Ernährungsumstellung in besonderer Weise profitieren können.
Berücksichtigt werden sollte jedoch, dass bei den Betroffenen noch weitere Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z. B. eine Laktose-, oder auch eine Histaminintoleranz bestehen können. Bei 80% der FMA-Patienten besteht darüber hinaus eine zusätzliche Sorbitintoleranz. Das ist auf dem Weg zu einer erfolgreichen Ernährungstherapie zu berücksichtigen.

Gilt die FMA als Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Ja, Fruktose ist vielen Früchten, in Honig sowie in einer zunehmenden Zahl von industriell gefertigten Nahrungsmitteln enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie verwendet heute bevorzugt Fruktose als süßendes Kohlenhydrat in ihren Produkten. Wenn Betroffene nach Einnahme solcher fruktosehaltiger Nahrungsmittel über Bauchprobleme klagen und zudem andere Ursachen ausgeschlossen sind, muss man von einer Unverträglichkeit ausgehen.

Welche Heilungschancen gibt es bei der FMA?
Im Prinzip keine, da es sich ja nicht um eine Erkrankung im klassischen Sinne handelt. Therapie der ersten Wahl ist die Umstellung auf eine fruktosereduzierte Ernährung. Wegen der komplexen Faktoren, die bei einer solchen Umstellung zu berücksichtigen sind, sollte diese sinnvollerweise von Ernährungsspezialisten (Diätassistenten/innen, Ökotrophologen) begleitet werden. Ist aber z.B. die FMA Folge einer behandelbaren Dünndarmerkrankung, so können sich mit Besserung der Erkrankung auch die durch die FMA bedingten Beschwerden bessern, wie z.B. bei einer Zöliakie/Sprue oder einer Darminfektion.

Hat die Fruktosemalabsorption heute die gleiche medizinische Bedeutung wie die Intoleranz gegen Laktose (Milchzucker) und Sorbit?
Generell ja. Leider ist heutzutage das Wissen über das Problem Fruktosemalabsorption sowohl bei Ärzten als auch in der Bevölkerung noch gering, so dass es an »Problembewusstsein« fehlt. Fruchtzucker gilt immer noch nahezu unwidersprochen als der so genannte »gesunde Zucker« unter anderem »da aus Früchten hergestellt«.
In Deutschland finden wir bei ca. 15-20% der Bevölkerung eine Laktoseintoleranz. Eine Laktoseintoleranz ist relativ leicht festzustellen, unter anderem, weil dieses Problem nicht nur im Wissen der Ärzte, sondern auch im Bewusstsein der Bevölkerung inzwischen recht gut verankert ist.
Sorbit kann ebenfalls, in größeren Mengen zugeführt, zu Bauchproblemen führen. Sorbit hemmt zudem im Dünndarm die Absorption von Fruktose und kann somit das Problem einer Fruktosemalabsorption verstärken. Sorbit findet sich nicht nur in Obst, wie Äpfeln und Birnen, sondern auch als bevorzugtes Süßungsmittel in Kaugummi, zuckerfreien Bonbons und als Zusatz in diätetischen Lebensmitteln.

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