Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.9.2015

Ganzheitliche Stärkung des Immunsystems




Erkrankungen des Verdauungssystems können sich u.a. auch gravierend auf unser Immunsystem und damit auf unsere Gesundheit insgesamt auswirken. Und natürlich kann auch umgekehrt ein robustes Immunsystem günstige Auswirkungen auf das Verdauungssystem haben. Deshalb ist es wichtig, das Immunsystem kennenzulernen und uns diese Zusammenhänge klar zu machen. Gerade auch bei Problemen mit dem Verdauungssystem können wir selbst viel dafür tun, unser Immunsystem zu stärken und gute Abwehrkräfte gegen Krankheiten zu entwickeln und damit letztendlich dazu beitragen, dass die Verdauungsprobleme minimiert werden.
 

Was ist das überhaupt – das Immunsystem?
Das Immunsystem muss unseren Organismus gegen »Feinde« verteidigen. Es muss unterscheiden können zwischen »Freund« und »Feind« – also zwischen körpereigenen und körperfremden, gefährlichen Substanzen und letztere abwehren oder unschädlich machen. Feinde können hier Fremdkörper wie z.B. Staubpartikel sein, aber auch Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Körpereigene Zellen sollen als »Freunde« erkannt und somit nicht bekämpft werden.

Eigentlich gibt das nicht »das« Immunsystem, denn unser Immunsystem besteht aus drei voneinander abhängigen Systemen: das Haut- und Schleimhaut-bezogene Immunsystem, das Organ-bezogene Immunsystem und das Immunsystem im Darm.

Haut und Schleimhäute bilden eine erste Abwehrbarriere zur Außenwelt. Sowohl unsere Haut an Gesicht, Händen und Körper als auch die Schleimhäute in Nase, Rachen, Bronchien und Lunge, in Mund, Speiseröhre, Magen und Darm kommen mit der Außenwelt, mit Fremdkörpern, mit der Luft, mit Mikroorganismen und mit der aufgenommenen Nahrung in Berührung. Sie stellen eine erste und wichtige Barriere dar, die bei intakter Haut und gesunden Schleimhäuten schwer zu durchdringen ist. Allein schon die mechanische Barriere, aber auch Schleimschichten oder Flimmerhärchen (z.B. auf den Nasenschleimhäuten) und eine gesunde Säurebarriere hindern Fremdkörper, in unser Körperinneres zu gelangen. Erst, wenn Haut und Schleimhäute geschädigt sind, gelingt es den schädlichen Mikroorganismen, von der der Außenwelt zugewandten Seite ins Innere vorzudringen.

Hierbei ist es zum besseren Verständnis wichtig zu wissen, dass auch unser Atemsystem und unser Verdauungssystem zur Außenseite gezählt werden. Stellen Sie sich den Körper wie einen eingestülpten Handschuhfinger vor: Somit sind eben auch Lunge, Magen und Darm eigentlich »außen«. Erst unser Blut, unsere Muskeln, unsere Nerven und Organe sind wirklich »innen«.

Im Organ-bezogenen Immunsystem werden im Knochenmark und in der Milz Blutkörperchen gebildet, die zur Verteidigung unseres Organismus gegen Eindringlinge ausgebildet werden müssen. Diese Ausbildung der zuerst völlig unspezifischen Zellen geschieht in der Thymusdrüse, einer zum Zeitpunkt unserer Geburt etwa walnussgroßen, hinter dem Brustbein gelegenen Drüse. Sie wächst bis ins Jugendalter nur noch sehr wenig und bildet sich dann im Alter zurück, bis sie fast nicht mehr nachweisbar ist. Die Blutkörperchen wandern durch die Thymusdrüse und werden dort »geprägt«. Dabei werden sie zu für die Immunabwehr relevanten »Killerzellen«, »Fresszellen« oder auch zu den »Gedächtniszellen« herangebildet, die dann mit ihren ganz speziellen Funktionen Fremdkörper erkennen und unschädlich machen sollen. Zusätzlich werden im Lymphsystem mit den Lymphknoten Fremdkörper abgefangen und zerstört.

Der weitaus größte Teil unseres Immunsystems jedoch befindet sich im Darm – namentlich im Dickdarm. Hier lebt eine riesige Zahl von Darmbakterien, die sich aus »guten« (nützlichen) und »schlechten« (krankmachenden) Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen zusammensetzt. Es muss immer ein gesundes Gleichgewicht zwischen guten und schlechten Keimen vorhanden sein, wobei die vielen nützlichen Arten die (im günstigen Falle) wenigen schädlichen in Schach halten müssen. Hierbei besetzen die guten Arten die Darmschleimhaut und hindern so die schlechten daran, durch die Schleimhaut ins Körperinnere vordringen und ihr krankmachendes Potenzial entfalten zu können.

Zusätzlich gibt es absichtlich durchlässige Stellen in der Darmschleimhaut (die Peyer’schen Plaques), durch die eine begrenzte Menge an Keimen ins Innere eindringen können. Dort kann sich dann das Immunsystem mit diesen Keimen auseinandersetzen und quasi wie mit einem Sparringspartner trainieren, um geübt zu bleiben und im Krankheitsfalle größere Mengen von Krankheitskeimen abwehren zu können.

Diese drei Systeme greifen ineinander, sind von einander abhängig und nur zusammen voll funktionsfähig.

Bei der Geburt ist das Immunsystem nur sehr wenig ausgebildet. Das Neugeborene besitzt neben den Haut- und Schleimhautbarrieren ein »angeborenes Immunsystem«, dieses kann aber nur die für alle Bakterien typischen, groben Kennzeichen erkennen und diese Keime dann bekämpfen. Erreger schwererer Krankheiten, insbesondere von Viruserkrankungen, würden ein Problem für den Säugling darstellen. Er bekommt jedoch Immunkörper durch die Muttermilch, so dass er auch in solchen Fällen meist gesund bleiben kann. Erst im Laufe des Heranwachsens bildet sich nach und nach das »erworbene Immunsystem« aus, das dann ganz spezifische Krankheitserreger erkennen kann und im Krankheitsfalle gleich effektive und wirksame Waffen einsetzen kann. Einmal durchgemachte Kinderkrankheiten brechen im Normalfall kein zweites Mal aus, weil das erworbene Immunsystem in seinen Gedächtniszellen die speziellen Merkmale der Erreger gespeichert hat und sofort ein wirksames Abwehrprogramm starten kann, wenn die gleiche Keimart ein zweites Mal erkannt wird. So können sich die Keime gar nicht erst vermehren, so dass die Krankheit nicht mehr ausbrechen kann.

Auch bei Impfungen wird diese Fähigkeit des Immunsystems genutzt: Abgeschwächte oder abgetötete Erreger werden in den Körper gebracht, das Immunsystem lernt diese kennen und speichert diese Information in den Gedächtniszellen ab. Bei einem Kontakt mit den »richtigen« Erregern werden diese sofort erkannt und zunichte gemacht.

Übrigens ist das Immunsystem nicht nur gegen Erreger wie Fremdkörper, Bakterien, Viren oder Würmer im Einsatz. Auch Krebszellen, die entartete, körpereigene Zellen sind, werden von einem gesunden und funktionsfähigen Immunsystem erkannt und vernichtet. Durch zahlreiche Umweltbelastungen wie z.B. Gifte oder Strahlung entarten ständig einzelne Körperzellen, aber nur vergleichsweise selten bricht eine Krebserkrankung aus. Somit ist es auch eine gute Krebsprophylaxe, für ein gesundes Immunsystem zu sorgen.
 

Über- und Fehlregaktionen des Immunsystems
Leider arbeitet in manchen Fällen das Immunsystem nicht fehlerfrei. Manchmal werden auch an sich harmlose Stoffe wie Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel (Allergene) als »bekämpfenswert« angesehen, und das Immunsystem entwickelt Antikörper, um diese für gesunde Menschen völlig unbedenklichen Stoffe mit großem Abwehrprogramm zu vernichten. Dies sind die bekannten Allergien, bei denen nach einer Sensibilisierungsphase – also einer Phase des Kennenlernens – später bereits bei Aufnahme kleinster Mengen der »verdächtigen« Stoffe gleich das ganze Abwehrprogramm gestartet wird. Dies kann zu Hautjucken oder Ausschlägen über Atembeschwerden bis hin zu einem lebensbedrohlichen Zusammenbruch (anaphylaktischer Schock) führen.

Die Behandlung von Allergien besteht in strengster Meidung der Allergene und eventuell einer Hyposensibilisierung, in der durch Einbringen der Allergene in anfangs allergrößter Verdünnung das Immunsystem überlistet wird. Es soll lernen, diese Stoffe doch zu tolerieren. Nach und nach werden die Mengen gesteigert, bis das Immunsystem gelernt hat, normale Mengen ohne Probleme zu akzeptieren.

Weiterhin gibt es so genannte Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen richtet, also körpereigene Zellen als Feinde interpretiert. Hier sind z.B. Diabetes (Typ 1), Rheuma oder auch Multiple Sklerose (MS) zu nennen, bei denen Zellen der Bauchspeicheldrüse, Gelenke bzw. Nervengewebe angegriffen und zerstört werden. Solche Erkrankungen werden häufig mit so genannten Immunsuppressiva behandelt, also Substanzen, die die Funktion und Aktivität des Immunsystems unterdrücken. Dies führt natürlich in einen Teufelskreis, denn ein unterdrücktes Immunsystem arbeitet dann natürlich auch gegen Krankheitserreger mit gebremster Kraft.

Auch die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem bei Kontakt mit Gluten, dem Klebereiweiß in Weizen, Roggen und Gerste (und ihren Abkömmlingen) dahingehend reagiert, dass es die Zellen der Dünndarmschleimhaut zerstört. Wird keine strenge glutenfreie Kost eingehalten, lösen sich die Darmzotten auf, und die Nahrung kann nicht mehr richtig aufgenommen werden.
 

Warum ist es wichtig, das Immunsystem zu stärken?
Natürlich leuchtet sofort ein, dass wir mit einem gestärkten Immunsystem besser gegen Erkältungskrankheiten gewappnet sind. Auch viele andere Krankheiten brechen bei einem robusten Immunsystem erst gar nicht aus oder verlaufen zumindest wesentlich leichter.

Bösartige Erkrankungen treten seltener auf, wenn das Immunsystem die kleinen Entartungen gleich »im Keim erstickt«. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, können Krebserkrankungen ausbrechen und sich Tumore und ggf. auch Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Hinweis: Eine Besonderheit bilden die Allergien und die Autoimmunerkrankungen: Hier läuft das Immunsystem ohnehin schon auf Hochtouren. Natürlich sind moderate, natürliche Methoden, das Immunsystem zu stärken, immer richtig, aber bestimmte Mittel, die das Immunsystem stimulieren (z.B. Echinacea), sollten in solchen Fällen nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Da ein gestärktes Immunsystem immer auch zu einer robusteren Gesundheit und damit zu mehr Wohlbefinden führt, können meist auch Probleme des Verdauungssystems leichter ertragen werden oder treten auch abgeschwächter oder seltener auf. Somit hängen die Qualität des Immunsystems und die gesunde Verdauung auch eng zusammen. Beachtet werden muss jedoch bei Allergien und Unverträglichkeiten immer, dass die landläufig als »gesund« geltenden Lebensmittel teilweise auch zu den Auslösern zählen und in diesen Fällen gemieden werden müssen. Aber es gibt ja eine reichhaltige Palette an Alternativen, die ebenfalls das Immunsystem stärken können.

Auf jeden Fall müssen bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und -Allergien die Beschwerdeauslöser so weit wie möglich gemieden werden, um die Darmschleimhaut nicht zu reizen und das Immunsystem an Fronten »kämpfen« zu lassen, an denen es gar nicht erforderlich ist. Die Darmschleimhaut und damit auch die Darmflora müssen geschützt werden, damit das Immunsystem »sein Pulver nicht unnötig vergeudet«, sondern an Stellen zur Verfügung steht, an denen es besser gebraucht wird.
 

Was stärkt das Immunsystem?
Vor dem Hintergrund von Verdauungsproblemen muss ganz besonders aufmerksam geschaut werden, welche Methoden und Mittel geeignet sind, das Immunsystem zu stärken, um eine ganzheitliche Gesundheit zu gewährleisten.
 

Ernährung
Grundsätzlich ist eine gesunde Ernährung mit vielen frischen, vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln geeignet, das Immunsystem zu stärken. Die hier enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffen tragen zu einer besseren Gesundheit bei, denn sämtliche Stoffwechselvorgänge werden auch durch diese Vitalstoffe gesteuert. Fehlen sie oder stehen sie nur in zu geringer oder unausgeglichener Menge zur Verfügung, können diese Körperfunktionen nicht oder nicht richtig arbeiten.

Auch die Ballaststoffe üben eine ganz wichtige Funktion aus: Sie pflegen die Darmschleimhaut wie ein Peeling und tragen alte, abgestorbene Schleimhautzellen ab und geben den jungen Zellen die Möglichkeit, die Nahrung optimal zu verwerten. Die nützlichen Mikroorganismen der Darmflora können die Ballaststoffe verwerten, die eigentlich für unser Verdauungssystem unverdaulich sind und sich dadurch vermehren und zur gesunden Balance der Darmflora beitragen.

Kontraproduktiv wäre allerdings der Verzehr unverträglicher Lebensmittel, weil dann zum einen die Darmschleimhaut gereizt oder sogar geschädigt wird und zu anderen das gesunde Säuremilieu im Darm verändert und die Darmflora geschädigt würde. Somit ist im Falle von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und -Allergien immer auf eine adäquate und bekömmliche Auswahl zu achten.

Neben frischem Obst, Gemüse und Getreideprodukten sollte der Speisezettel Eiweißlieferanten in Form von viel frischem Fisch, wenigen Eiern (2-3 pro Woche) und 1-2 Fleischmahlzeiten enthalten. Süß- und Knabberwaren wie Gebäck, Süßigkeiten, Salzstangen, Chips etc. sind ebenfalls den Genussmitteln zuzurechnen und dürfen bei Bedarf im Rahmen von sehr begrenzten Mengen zum »Streicheln der Seele« verzehrt, ansonsten aber weitestgehend gemieden werden.
 

Trinken
Ganz wichtig ist ein richtiges Trinkverhalten mit einer ausreichenden Trinkmenge. Die Trinkmenge sollte mindestens 1,5-2 Liter pro Tag betragen. Bei Erkrankungen (insbesondere fiebrigen Erkrankungen), Durchfällen, bei hohen Außentemperaturen und bei sportlichen Aktivitäten muss diese Menge angemessen gesteigert werden, damit der Körper immer ausreichend mit Flüssigkeit versorgt ist. Alle Körperfunktionen arbeiten nur mit einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung. Unterbleibt der Nachschub, gibt es Fehlfunktionen, und gerade das Immunsystem erleidet Schaden. Die Darmschleimhautzellen schrumpfen, und die Zwischenräume zwischen den Schleimhautzellen vergrößern sich, wenn sie nicht mit ausreichend Flüssigkeit versorgt werden. Dies bewirkt eine größere Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, so dass Keime ins Körperinnere eindringen und Krankheiten ausbrechen können.

Die Auswahl der Getränke sollte vorrangig auf Wasser (Mineralwasser oder Leitungswasser) und Kräuter- und/oder Früchtetees und Fruchtsaftschorlen fallen. Kaffee und Schwarztee sind Genussmittel, die nur in begrenztem Rahmen genossen werden sollten.

Alle gesüßten Getränke und auch Milch sind zum Durstlöschen nicht geeignet. Gesüßte Getränke enthalten Zucker und damit »leere« Kalorien und sind als Genussmittel einzustufen und zu begrenzen. Milch ist ein Nahrungsmittel, das durchaus seine Berechtigung auf dem Speisezettel haben könnte, aber nicht zu den Getränken gezählt wird.
 

Pflege der Darmflora
Viele Tipps zum Thema »Pflege der Darmflora« haben Sie bereits bei der Ernährung gelesen. Es ist wichtig, durch den Verzehr möglichst vieler frischer pflanzlicher Lebensmittel auch für die Zufuhr von gesunden Mikroorganismen zu sorgen. Auch wenn man das Gemüse und Ost gut wäscht, haften doch immer noch Bakterien an. Dies sind auch nützliche Milchsäurebakterien,
Aber auch der Verzehr von milchsauer eingelegtem Gemüse und Obst (Sauerkraut, Mixed Pickles, Rote Beete, Kürbis) führt Milchsäurebakterien zu, darüber hinaus die für die gesunde Darmflora vorteilhaften Säuren wie Milch-, Essig- und Apfelsäure. Diese Bestandteile enthalten auch Brottrunk oder Kombucha, der mit dem so genannten Teepilz hergestellt wird.

In meinen Augen weniger sinnvoll sind die seit einiger Zeit für teures Geld angebotenen, mit Milchsäurebakterien angereicherten Milchprodukte (Probiotika), denn hier ist die Anzahl der zugesetzten Keime sehr gering. Da die Magensäure viele der Bakterien zerstört, kommen nur verschwindend geringe Mengen im Darm an – somit kann man sich dieses Geld auch sparen. Wenn man Milchprodukte verzehren will und verträgt, eignet sich hier eher ein guter Naturjoghurt, dessen Bakteriengehalt nicht durch Erhitzung zunichte gemacht wurde. Lesen Sie hierzu auch die Beiträge aus der Rubrik »Darmgesundheit«.
 

Gesundes Leben
Unter dem Überbegriff »gesunder Lebenswandel« möchte ich alle weiteren Maßnahmen wie ausreichend Bewegung an der frischen Luft und unter Sonnenlicht zusammenfassen. Es ist für das Immunsystem sehr wichtig, sich ausreichend zu bewegen, denn Trägheit wirkt sich nicht nur nachteilig auf eine gesunde Verdauung aus, auch insgesamt wird die Gesundheit geschädigt, wenn man sich nicht genügend bewegt. Wählen Sie Bewegungs- oder Sportarten, die Ihnen Spaß machen – Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, (Nordic) Walking oder Joggen, ganz wie Sie Ihre Prioritäten setzen. Wenn Sie einen »Antreiber« brauchen, wählen Sie den Sport in der Gruppe, sind Sie ein Individualist, können Sie alles alleine machen. Hauptsache, Sie bewegen sich ausreichend – im Idealfall dreimal ca. 30 Minuten pro Woche – anfangs aber ist jeder Schritt, den Sie mehr als vorher gehen, auch schon vorteilhaft. Vermeiden Sie Leistungssport, denn hier setzen Sie sich unter Druck, und das Immunsystem wird bei Überanstrengung eher geschädigt als gestärkt.

Nach Möglichkeit bewegen Sie sich draußen an der frischen Luft, dies führt zu einer tieferen Atmung und Sauerstoffzufuhr. Das Sonnen- oder zumindest Tageslicht sorgt ebenfalls für eine Stimulation des Immunsystems. Vermeiden sollten Sie jedoch sportliche Betätigung mitten im Straßenverkehr oder in Industriegebieten, da Sie sich hier einer erhöhten Belastung mit Schadstoffen aussetzen würden. Bevorzugen Sie deshalb ländliche Gegenden oder Vorstadtgebiete.
 

Immunsystem und Psyche
Ganz eng verbunden mit der körperlichen Gesundheit und einem stabilen Immunsystem ist das psychische Wohlergehen. Wenn Sie sich seelisch schlecht fühlen, leidet auch das Immunsystem. Sorgen Sie deshalb nicht nur für ein möglichst stressfreies Leben – hierbei ist natürlich nur der negative »Disstress« gemeint. Sollten sich stressige Zeiten nicht vermeiden lassen, so versuchen Sie, diese auszugleichen, indem Sie Entspannungszeiten einlegen. Es bieten sich hier nicht nur Ihre entspannenden Hobbys an, sondern ganz bewusst auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder auch Chi Gong. Diese Techniken können Sie u.a. in der Volkshochschule erlernen und zu Hause immer dann ausüben, wenn Sie Stress kompensieren wollen.

Günstig hingegen ist der gute »Eustress«, der entsteht, wenn Sie etwas gerne tun, sich anregen lassen. Nur im immer gleichen Trott vor sich hin zu leben, ist ebenso wenig gesund wie das Gegenteil. Sorgen Sie deshalb für eine vernünftige Ausgeglichenheit. Darüber hinaus bringt ein nettes soziales Umfeld zusätzlich positive Impulse, die auch mit zu einem starken Immunsystem beitragen.

Und natürlich, last but not least, ist ein ausreichender und gesunder Schlaf ein Garant dafür, dass Sie ganzheitlich gesund und mit einem starken Immunsystem ausgestattet sind.
 

Abhärtung
Abhärtung leistet einen großen Beitrag für ein starkes Immunsystem. Es muss nicht gleich das Bad im Eisloch sein, auch sich bei Wind und Wetter draußen zu bewegen, ist eine gute Maßnahme zur Abhärtung. Weiterhin können Sie in die Sauna gehen, sich Kneipp’sche Anwendungen zunutze machen, Haut, Bindegewebe und Immunsystem mit Bürstenmassagen stärken oder auch einfach nur unter der Dusche mal Füße, Beine und Arme kalt abbrausen.

Vermeiden Sie grundsätzlich Auskühlung und wenden Sie kaltes Wasser nur bei warmen Gliedern an. Generell wirkt Auskühlung schwächend auf das Immunsystem, vermeiden Sie deshalb Zug oder unangemessene Kleidung, damit Ihr Körper und Hände und Füße immer warm bleiben. Wenn Sie merken, dass Ihnen kalt ist, ziehen Sie sich wärmer an, überprüfen Sie die Luftverhältnisse im Raum und bewegen Sie sich, denn Bewegungslosigkeit lässt den Blutdruck und damit die wärmende Durchblutung sinken.

Sobald Sie sich durch geeignete Maßnahmen abgehärtet haben, steigt die Toleranz gegenüber Kälte, so dass Sie hier in Zukunft besser gewappnet sind. Vielleicht ist dann tatsächlich irgendwann das Eisbad möglich – muss es aber nicht. Ich habe vor einigen Jahren bei -40°C in Finnland zwischen zwei Saunagängen im Eisloch gebadet und kann nur sagen: »Ja, es war kalt, sehr kalt, aber hinterher herrlich!«
 

Auch bei Krankheiten ans Immunsystem denken
Auch wenn Sie krank sind, können Sie durch ein richtiges Verhalten viel für Ihr Immunsystem tun. Grundsätzlich wäre es natürlich das Beste, gar nicht erst zu erkranken und durch Vorbeugung das Krankwerden vermeiden. Leider erwischt es uns ab und an aber auch mit dem robustesten Immunsystem.

In diesem Fall geben Sie Ihrem Körper die Ruhe, nach der er verlangt und kurieren Sie diese Krankheit richtig aus. Jede Krankheit mit Medikamenten niederzuknüppeln, ist sehr schädlich: Oftmals rächt sich der Körper, und Sie erleiden einen Rückfall, der nur noch schwerer ausfällt als die Ersterkrankung.

Wenden Sie ggf. Naturheilmittel an. Beispielsweise hilft bei Erkältungen ein Kamillendampfbad oder das Einatmen von Salzwasserdampf. Das Spülen der Nase mit Salzwasser kann helfen, die Nasenschleimhäute zu reinigen und zu befeuchten (siehe auch Lexikon der Naturheilmethoden/Nasenspülung). Warme Fußbäder oder auch ansteigende Wechselbäder und ätherische Öle (Pfefferminze, Lavendel, Thymian) helfen ebenfalls, die Erkältungen zu vertreiben. Wenn es Sie so richtig erwischt hat, und Sie Fieber haben, ist dies ein gutes Mittel, mit dem sich der Körper selbst hilft: Viren, die meistens die Verursacher von Erkältungen oder Grippe sind, sind sehr hitzeempfindlich und werden durch das Fieber abgetötet. Sollte das Fieber zu hoch ansteigen, helfen kalte Wadenwickel.

Es gibt auch sehr wirksame homöopathische Mittel, die man möglichst bereits im Anfangsstadium von Erkältungs- oder Grippeerkrankungen einnehmen kann. Als erweisenermaßen günstig haben sich folgende Mittel erwiesen: Bryonia D6, Eupatorium perfoliatum D6, Luffa operculata D6 und Phytolacca D6. Beachten Sie, dass diese Mittel nur bei der entsprechenden Zuordnung zu bestimmten Leitsymptomen wirken können: Diese sind bei Bryonia Reiz- und Krampfhusten oder Bronchitis ohne Sekret, bei Eupatorium perfoliatum Grippe mit Gliederschmerzen und Übelkeit, bei Luffa operculata Kopfschmerzen bei Entzündung der oberen Luftwege, Rachenentzündung, Entzündung der Nasenschleimhaut und/oder der Nasennebenhöhlen und/oder der Mundschleimhaut, bei Phytolacca Halsschmerzen, Mandelentzündung und/oder geschwollene Lymphknoten. Bei der Auswahl und richtigen Zuordnung der Mittel passend zu Ihren Symptomen hilft Ihnen ein versierter Heilpraktiker oder auch ein spezialisierter Apotheker.

Gegen Husten hilft ein Sirup aus Zwiebeln und Kandiszucker oder, wenn Sie die Möglichkeit haben, ungedüngte Wiesen zu finden, auch Sirup von Spitzwegerich. Auch ein Heublumensack, auf die Brust gelegt, kann bei Husten gute Dienste leisten, und bei Halsschmerzen sind warme oder kalte Wickel wirksam.

Sie sehen, es ist in den meisten Fällen möglich, sich auch mit »harmlosen« Mitteln selbst zu helfen. Sollten wegen einer bakteriellen Infektion tatsächlich Antibiotika erforderlich sein, dann bedenken Sie, dass diese leider auch immer die Darmflora schädigen oder sogar zerstören. Im Anschluss ist es immer erforderlich, diese mit geeigneten Mitteln wieder zu sanieren, denn – wie oben erwähnt – befindet sich ein Großteil Ihres Immunsystems im Darm, und eine optimale Darmflora ist der beste Garant für ein robustes Immunsystem. Lesen Sie hier bitte auch den Beitrag »Darmsanierung«.
 

Starkes Immunsystem für eine Gesunde Verdauung
Gerade bei der Stärkung des Immunsystems ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise unabdingbar. Das Immunsystem ist an so vielen Stellen unseres Organismus lokalisiert, es arbeitet mit so vielen größeren und kleineren Einzelsystemen zusammen, dass hier eine punktuelle Betrachtung zu nichts führt.

Und insbesondere bei Verdauungsproblemen ist es wichtig, mit einem starken Immunsystem die Gesundheit und damit auch das Wohlbefinden zu stabilisieren. Verdauungsprobleme verstärken sich auch immer, wenn man sich nicht so richtig wohl fühlt. Umso wichtiger ist es, alles dafür zu tun, dass man nicht oder zumindest nicht so häufig und nicht so schwer krank wird, um sich so weit wie möglich wohl zu fühlen und Verdauungsbeschwerden und/oder deren Intensität zu minimieren.

Wenn Sie sich diese Ganzheitlichkeit in Bezug auf Ihre Verdauung bewusst machen und bei allen Ihren Einzelschritten immer das Ganze im Auge behalten, können Sie eine robuste, ganzheitliche Gesundheit mit einem starken Immunsystem und einer gesunden Verdauung für sich, für Ihren Körper, Ihren Geist und Ihre Seele erreichen.


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