Letzte Aktualisierung dieser Seite: 8.11.2013

Medizin aus dem Kochtopf


In jeder traditionellen Küche gibt es Gerichte oder Zutaten, die nicht nur zur Gesunderhaltung sondern tatsächlich auch zur Heilung von Krankheiten eingesetzt werden. Wir brauchen hier auch gar nicht nach China mit der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) oder nach Indien mit der althergebrachten Lebensweisheit des Ayurveda zu schauen. Auch bei uns gibt es überlieferte Rezepte und Zubereitungsarten von Lebensmitteln, die schon immer bei Krankheiten verabreicht wurden und die eine hohe Wirksamkeit hatten und haben.

Leider ist gerade hier in Europa dieser wertvolle Wissensschatz mehr und mehr in Vergessenheit geraten oder wird als rückständig angesehen – er hat der »modernen« Medizin Platz gemacht. Diese betrachtet leider zum einen jede Erkrankung meist nur noch auf ein einzelnes Organ bezogen und stellt zum anderen die natürlichen Heilmethoden als überholt dar und verabreicht lieber chemische Substanzen. Diese haben jedoch über eine eventuelle Wirkung oftmals auch noch mehr oder weniger starke Nebenwirkungen.

Auch in anderen Ländern verdrängt die moderne Medizin mittlerweile fast gänzlich die über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende erprobten Methoden und Rezepte. Aber seit einiger Zeit ist erfreulicherweise eine zaghafte Rückbesinnung zu beobachten. Gerade die TCM findet erstaunlicherweise hier bei uns mehr »Anhänger« – mehr sogar als in China selbst, wo der unersetzliche Wissensschatz von 2000 Jahren zu verschwinden droht. Und die ayurvedische Ernährung nach den Prinzipien der »fünf Elemente« findet auch bei uns immer mehr begeisterte »Mittäter« – wobei es in der TCM und im Ayurveda einige Ähnlichkeiten gibt.

Schauen wir jedoch zuerst einmal, was die »typisch deutsche Küche« so alles an Geheimnissen zu bieten hat – und vergleichen dies ggf. mit den Erkenntnissen der TCM. Es ist nämlich erstaunlich, dass es auch hier eine Menge Überschneidungen und Gemeinsamkeiten gibt.

Wer kennt nicht folgendes Rezept: Bei schweren Erschöfpungszuständen beispielsweise gab es schon immer eine lang und liebevoll gekochte Hühnersuppe – früher und vielleicht (von der Oma) auch heute noch. Ein Huhn wurde über mehrere Stunden im Topf gekocht, etwas Suppengrün hinzugegeben und auch Reis. Zum Schluss wurde alles durch ein Sieb gegossen, und die »Kraft«, die aus den Zutaten in die Brühe übergegangen war, gab auch dem Erschöpften wieder Kraft. Hier spielen und spielten keine Nährstoffe wie Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate oder gar Vitamine eine Rolle. Nein, es war die Kraft (bei den Chinesen Qi (sprich Tschi = Lebensenergie) genannt), die dem Kranken seine Energie zurückgab und -gibt.

Ein anderes Beispiel: Früher wurde jedes deftige Gericht, insbesondere fette Braten, noch mit Wachholderbeeren gewürzt. Die Bitterstoffe dieser Beeren machten den Braten besser verdaulich. Heute ist dieses Gewürz kaum noch gebräuchlich oder bekannt, dafür sehen wir alljährlich – insbesondere vor Weihnachten – wieder verstärkt die Fernsehwerbung für Magenbitter, der schweres Essen bekömmlicher machen soll. Auch die Chinesen wissen, dass Bitterstoffe im Essen dieses besser verdaulich macht: Nach der Lehre der TCM sollte mit den entsprechenden Zutaten jede der 5 Geschmachsrichtungen (süß, sauer, salzig, scharf und bitter) in jedem Gericht enthalten sein.

Und was essen wir bevorzugt zu Weihnachten? Der Bratapfel mit Zimt zum Beispiel erwärmt nicht nur unser Herz, sondern auch den Körper nach einem Spaziergang in der winterlich-kalten Luft, und auf keinem Weihnachtsteller fehlen die Zimtplätzchen. Zimt erwärmt – und viele andere typisch winterliche Gewürze wie Ingwer, Kardamom, Nelken oder Sternanis ebenso. Für die meisten von uns sind diese Gewürze und ihr Duft untrennbar mit Weihnachten und der kalten Jahreszeit verbunden – nicht ohne Grund, denn diese Gewürze erwärmen.

Die TCM kennt für jedes Lebensmittel und auch jedes Gewürz ein Temperaturverhalten: manche erwärmen, manche kühlen aber auch. Dies hängt nicht von der Verzehrtemperatur ab, sondern das Temperaturverhalten steckt im Lebensmittel bzw. Gewürz selbst. In den arabischen Ländern wird kaum jemand (zumindest keiner von den Menschen, die wohlweislich ihre traditionellen Gepflogenheiten einhalten) bei Hitze eiskalte Getränke zu sich nehmen. Nein, hier wird heißer oder zumindest warmer Pfefferminztee getrunken, denn die Pfefferminze hat eine kühlende Wirkung. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen und nicht versuchen, im Winter mit dem Trinken von heißem Pfefferminztee die kalten Füße loswerden zu wollen.

Es ließen sich hier noch tausende von Beispielen nennen, welche Wirkungen Lebensmittel und/oder Gewürze auf den menschlichen Organismus haben (können), und es ist ein weites Feld, unsere traditionellen Gerichte und die anderer Kulturkreise zu analysieren und gesundheitsförderliche oder sogar heilende Wirkungen von Lebensmitteln (wieder) zu entdecken. Und es ist auch nicht erforderlich, in ferne Länder zu schauen und für uns teilweise etwas fremde Gebräuche auf unsere Küche zu übertragen. Es gibt ein paar Grundsätze, die es ganz leicht machen, sich zumindest gesundheitsförderlich zu ernähren:

Zutaten möglichst frisch verarbeiten
Zutaten sollten möglichst nach biologischen Grundsätzen erzeugt worden sein
Zutaten möglichst aus regionaler Herkunft bevorzugen
Zutaten möglichst aus jahreszeitlicher Ernte bevorzugen
so abwechslungsreich wie möglich kochen
möglichst viele verschiedene Zutaten verarbeiten
freigiebig und schmackhaft würzen
sparsam salzen

Wenn Sie diese einfachen Regeln beherzigen, wird Ihre Nahrung ihnen Kraft und Energie liefern, und Sie werden weitestgehend gesund bleiben. Sollten Sie erkranken oder bereits erkrankt sein, kann Sie insbesondere ein in der TCM erfahrener Arzt anleiten, mit der Auswahl der richtigen Lebensmittel, Gewürze und Zubereitungsarten in den überwiegenden Fällen tatsächlich ohne chemische Arzneimittel wieder und vor allem dauerhaft gesund zu werden. Optimal wäre es, wenn dieser Arzt es schafft, die aus der TCM überlieferten Erkenntnisse auch auf die westliche Lebensweise zu übertragen.

Bei Interesse lege ich Ihnen hier die Website von Dr. Uwe Siedentopp ans Herz, der als Ernährungswissenschaftler, Arzt für Naturheilverfahren und TCM-Experte eine Fülle von Publikationen zur Verfügung stellt, die einen faszinierenden Wissensschatz bieten.





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