Fragen und Antworten zum Thema Fruktose
An dieser Stelle beantwortet der Facharzt Priv.-Doz.
Dr. med.
Hans-Joachim Thon Fragen zum Thema Fruktose und Fruchtzuckerunverträglichkeit.
Er ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie
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PD Dr. med. Hans-Joachim Thon
Facharzt für Innere Medizin
und Gastroenterologie
Poppelsdorfer Allee 19
53115 Bonn
Telefon 0228-92689344
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Die Fragen stellte Wolfgang Bornemann, Bonn, Journalist.
Was ist Fruktose / Fruchtzucker?
Fruktose ist ein Einfachzucker (Monosacharid). Er kommt in den meisten Obst- und
Gemüsesorten sowie im Honig vor. Fruktose hat eine deutlich höhere Süßkraft
als Haushaltszucker (Saccharose). Aus diesem Grund wird Fruktose in Lebensmitteln
zum »Kalorien sparen« verwendet. Fruktose beeinflusst zudem den Zuckerstoffwechsel
weniger stark als Haushaltszucker. Deswegen findet man Fruktose als Süßungsmittel
in vielen »für Diabetiker geeigneten« Lebensmitteln.
Was versteht man unter dem Begriff Fruktosemalabsorption (FMA)?
Nach dem Genuss von üblichen Mengen wird Fruktose normalerweise im Dünndarm
so gut wie komplett aufgenommen (absorbiert). Das Transportprotein GLUT-5 schleust
dabei die Fruktose durch die Wand des Dünndarms zum Weitertransport in die
Blutbahn. Bei einer Malabsorption wird Fruktose nur in begrenzter Menge vom Dünndarm
aufgenommen. Die nicht absorbierte Fruktose wird weiter in den Dickdarm transportiert
und dort durch Bakterien vergoren. Dadurch entstehen Gase und Abbauprodukte, die
den Darm reizen und Bauchschmerzen, Blähungen und auch Durchfälle auslösen
können.
Was führt zu einer FMA?
Eine FMA kann verschiedene Ursachen haben: so kann die zugeführte Fruktosemenge
in der Nahrung die Kapazität des Transportproteins GLUT-5 übersteigen,
oder das Transportprotein wird durch andere Nährstoffe blockiert. Es kann aber
auch ein Mangel an Transportprotein GLUT-5 im Dünndarm vorliegen.
Was führt zu einem Mangel an Transportprotein GLUT-5?
Erkrankungen des Dünndarmes wie z.B. Infektionen oder die Zöliakie/Sprue
können zu einer Schädigung des Transportproteins führen. Ob auch
genetische bedingte Ursachen dafür verantwortlich sein können, ist bislang
nicht bekannt.
Wie kann man eine FMA diagnostizieren?
Der H
2-Atemtest mit Fruktose gilt als sog. »Goldstandard« für
die Diagnosestellung einer FMA. Der Test ist einfach durchzuführen und für
den Betroffenen wenig belastend. Dieser Test sollte zur generellen Basisdiagnostik bei
der Abklärung »funktioneller Darmprobleme« wie z.B. bei Verdacht auf
Reizdarmsyndrom (RDS) gehören. Mit dem H
2-Atemtest können mit
weiteren Testlösungen auch eine Laktose-, eine Sorbit- und/oder eine Saccharoseintoleranz
abgeklärt werden, die ebenfalls Ursache von Verdauungsstörungen sein können.
Wie häufig findet sich eine FMA?
Nach bisher vorliegenden Forschungsergebnissen ist davon auszugehen, dass bei ca.
1/3 der Bevölkerung eine FMA in mehr oder weniger starker Ausprägung besteht.
Ist die FMA eine Krankheit?
Nein. Zumindest ist die FMA keine Erkrankung im klassischen Sinne. Die Toleranz
für Fruktose ist auch bei Gesunden sehr unterschiedlich. Untersuchungen, bei
denen gesunde Probanden mit unterschiedlichen Fruktosemengen belastet wurden, zeigten
eine Verträglichkeitsspanne von 5 bis über 50 g. Bei ca. 50% konnte man
im H
2-Atemtest bei einer Belastung mit 25 g Fruktose bereits eine FMA
nachweisen. Soviel Fruchtzucker ist in ca. 250 ml Apfelsaft enthalten.
Wie kann sich eine FMA bei einem Betroffenen äußern?
In Abhängigkeit von der Belastung mit Fruktose klagen Betroffene typischerweise
über Bauchbeschwerden im Sinne eines Reizdarmsyndroms, welches meist gekennzeichnet
ist durch das Auftreten von Bauchschmerzen, verstärkten Blähungen und Durchfall.
Aber auch atypische Beschwerden, wie das Vorhandensein von depressiven Verstimmungen,
wurden in Zusammenhang mit dem Vorhandensein einer FMA beschrieben.
Welche Verbindungen sehen Sie zwischen einem Betroffenen
mit Reizdarmsyndrom (RDS) und einer FMA?
Es gibt bislang keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür, dass
bei Betroffenen mit RDS häufiger als bei sog. »Gesunden« eine FMA
vorliegt. Die FMA hat somit wohl keine Bedeutung als Krankheitsursache für ein RDS.
Es ist aber davon auszugehen, dass Betroffene mit RDS und FMA auf Fruktosebelastung
mit erheblich stärkeren Beschwerden als sog. »Gesunde« mit FMA reagieren.
Die Beschwerden werden in ihrer Ausprägung bei den Betroffenen mit RDS als
krankheitsbedeutsam wahrgenommen.
Führt eine Ernährungsumstellung bei Betroffenen
mit RDS und FMA zu einen Beschwerdebesserung?
Aktuelle Studien zeigen, dass RDS-Patienten, bei denen eine FMA nachgewiesen wurde,
von einer Ernährungsumstellung in besonderer Weise profitieren können.
Berücksichtigt werden sollte jedoch, dass bei den Betroffenen noch weitere
Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z. B. eine Laktose-, oder auch eine
Histaminintoleranz bestehen können. Bei 80% der FMA-Patienten besteht darüber
hinaus eine zusätzliche Sorbitintoleranz. Das ist auf dem Weg zu einer erfolgreichen
Ernährungstherapie zu berücksichtigen.
Gilt die FMA als Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Ja, Fruktose ist vielen Früchten, in Honig sowie in einer zunehmenden Zahl
von industriell gefertigten Nahrungsmitteln enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie
verwendet heute bevorzugt Fruktose als süßendes Kohlenhydrat in ihren
Produkten. Wenn Betroffene nach Einnahme solcher fruktosehaltiger Nahrungsmittel
über Bauchprobleme klagen und zudem andere Ursachen ausgeschlossen sind, muss
man von einer Unverträglichkeit ausgehen.
Welche Heilungschancen gibt es bei der FMA?
Im Prinzip keine, da es sich ja nicht um eine Erkrankung im klassischen Sinne handelt.
Therapie der ersten Wahl ist die Umstellung auf eine fruktosereduzierte Ernährung.
Wegen der komplexen Faktoren, die bei einer solchen Umstellung zu berücksichtigen
sind, sollte diese sinnvollerweise von Ernährungsspezialisten (Diätassistenten/innen,
Ökotrophologen) begleitet werden.
Ist aber z.B. die FMA Folge einer behandelbaren Dünndarmerkrankung, so können
sich mit Besserung der Erkrankung auch die durch die FMA bedingten Beschwerden bessern,
wie z.B. bei einer Zöliakie/Sprue oder einer Darminfektion.
Hat die Fruktosemalabsorption heute die gleiche
medizinische Bedeutung wie die Intoleranz gegen Laktose (Milchzucker) und Sorbit?
Generell ja. Leider ist heutzutage das Wissen über das Problem Fruktosemalabsorption
sowohl bei Ärzten als auch in der Bevölkerung noch gering, so dass es an
»Problembewusstsein« fehlt. Fruchtzucker gilt immer noch nahezu unwidersprochen
als der so genannte »gesunde Zucker« unter anderem »da aus Früchten
hergestellt«.
In Deutschland finden wir bei ca. 15-20% der Bevölkerung eine Laktoseintoleranz.
Eine Laktoseintoleranz ist relativ leicht festzustellen, unter anderem, weil dieses
Problem nicht nur im Wissen der Ärzte, sondern auch im Bewusstsein der Bevölkerung
inzwischen recht gut verankert ist.
Sorbit kann ebenfalls, in größeren Mengen zugeführt, zu Bauchproblemen
führen. Sorbit hemmt zudem im Dünndarm die Absorption von Fruktose und
kann somit das Problem einer Fruktosemalabsorption verstärken. Sorbit findet
sich nicht nur in Obst, wie Äpfeln und Birnen, sondern auch als bevorzugtes
Süßungsmittel in Kaugummi, zuckerfreien Bonbons und als Zusatz in diätetischen
Lebensmitteln.