INFORMATIONEN ZU LAKTASE-PRÄPARATEN
Was ist ein Laktase-Präparat?
Laktase-Präparate enthalten das Laktase-Enzym, das bei laktoseintoleranten
Menschen nicht mehr oder nicht mehr in ausreichender Menge im Dünndarm produziert wird.
Sie können bei Bedarf zu einer laktosehaltigen Mahlzeit verzehrt werden.
Diese Präparate enthalten künstlich hergestellte Laktase, die bei gleichzeitigem
Verzehr mit milchzuckerhaltigen Speisen die Laktose aufspalten kann. Hierbei muss
die Wirkmenge der eingenommenen Enzyme (mindestens) der Menge des verzehrten Milchzuckers entsprechen.
Darreichungsformen
Es gibt verschiedene Darreichungsformen für Laktase-Präparate: Tabletten,
Kautabletten, Kapseln oder Pulver, letzteres teils auch in praktischen »Sticks«,
um das Pulver unterwegs dosieren zu können.
Herstellung von künstlicher Laktase
Es gibt verschiedene Produktionswege, um Laktase herzustellen: zum einen mit dem
Schimmelpilz Aspergillus oryzae und zum anderen mit Kluyveromyces fragilis oder
auch Kluyveromyces lactis, zwei verwandten Hefepilzarten. Diese werden in der Retorte
zur Laktase-Bildung angeregt. Die neutrale Laktase wird mithilfe der Hefe
Kluyveromyces lactis gewonnen, die saure so gut wie immer mit Aspergillus oryzae.
Nach der Herstellung verbleiben nur verschwindend geringe Mengen von Pilzproteinen
im Laktase-Präparat zurück, trotzdem sollten Schimmelpilz-Allergiker
insbesondere solche, die bereits anaphylaktische Reaktionen hatten,
ggf. zu Präparaten mit neutraler Laktase greifen (z.B. Lactosolv, siehe unten).
Die Herstellerfirma eines Mittels, das mit der Eigenschaft »Laktase in
Arzneimittelqualität« wirbt, bezeichnet die enthaltene Laktase als »natürliche Laktase«.
Das in diesem Präparat enthaltene Enzym ist allerdings genauso natürlich
oder unnatürlich wie das in jedem anderen Präparat enthaltene Enzym auch.
Es wird mit den Pilzen Aspergillus oryzae hergestellt.
Zusatzstoffe
Laktase-Präparate enthalten grundsätzlich nicht nur das Enzym, sondern
auch noch verschiedene Hilfs- oder Zusatzstoffe. Hierbei kann es sich um Hilfsstoffe
handeln, die das Verklumpen des Wirkstoffes verhindern, um sich somit gut mit der
Nahrung zu vermischen. Weiterhin muss erreicht werden, dass das Enzym nicht im sauren
Milieu des Magensaftes zerstört wird. Auch Überzugsstoffe bei Tabletten
können sinnvoll sein, beispielsweise um sie gleitfähig und somit besser
einnehmbar zu machen.
Aber es gibt noch weitere Zusatzstoffe, die in meinen Augen eher entbehrlich sind:
Hier sind die Farbstoffe (Titandioxyd) und vor allem Süßstoffe zu nennen, deren
Sinn mir sich nun überhaupt nicht erschließt.
Süßstoffe wie Sorbit oder Xylit können gerade Menschen mit verschiedenen
Intoleranzen Probleme machen, was bedeutet, dass sie sich mit den Laktase-Präparaten
zusätzliche Probleme einhandeln, die sie doch gerade vermeiden wollten.
Leider sind gerade in billigeren Präparaten sehr häufig viele Zusatzstoffe
enthalten, was zu einem sehr aufmerksamen Studium der Zutatenlisten (Waschzettel)
veranlassen sollte. Präparate, die Süßstoffe enthalten, sollten Sie meiden.
Wie kann man den Wirkstoffgehalt in den Präparaten vergleichen?
Die Menge des Laktase-Wirkstoffes wird auf den meisten Präparaten in der Einheit
»FCC-Units« angegeben. FCC steht für Food Chemical Codex, einer
Messgröße, die als Standard festgelegt wurde und als FCC-Unit oder FCC-Einheit
für die Mengenangabe des Laktase-Wirkstoffs benutzt wird. Nach älteren
(und falschen) Angaben sind 1.000 FCC-Untits erforderlich, um 5g Milchzucker aufzuspalten.
Heute jedoch geht man richtiger davon aus, dass man mindestens die 3- bis 5-fache Menge
also 3.000 bis 5.000 FCC-Units pro 5g Milchzucker einnehmen sollte*. Wenn Sie also
ein Glas mit 200ml Milch trinken, so werden 6.000 10.000 FCC-Units benötigt.
* Im Journal of Applied Biochemistry erschien im Jahr 2006 zu diesem Thema ein
Beitrag von S. O'Connell und G. Walsh mit dem Titel
»Physicochemical
characteristics of commercial lactases relevant to their application in the alleviation
of lactose intolerance«. Hier wird beschrieben,
dass von den untersuchten kommerziellen Laktasetabletten bzw. -kapseln nur das
beste Präparat unter simulierten Magenbedingungen also außerhalb
der Laborbedingungen im Reagenzglas maximal ein Drittel seiner
Aktivität behielt, alle anderen weniger. Somit sind in den allermeisten Fällen
nicht nur wesentlich mehr als 1000 FCC-Einheiten, sondern sogar auch mehr als 3000
FCC-Einheiten zur Spaltung von 5g Milchzucker erforderlich.
Saure und neutrale Laktase
Die »herkömmliche« Laktase wird auch als »saure« Laktase bezeichnet,
weil sie ihr Wirkoptimum im sauren Milieu des Magens hat. Dabei ist die saure Laktase
ist so aufbereitet, dass der dort vorherrschende ph-Wert von 2-3 dem Enzym nicht schadet.
Seit Januar 2011 gibt es neben der herkömmlichen Laktase auch von einem
österreichischen Hersteller Laktase, die als »neutral« bezeichnet wird.
Diese ist nach Angaben der Herstellerfirma in säurefesten Pellets verpackt
und kann ihr optimales Wirkspektrum bei etwa ph 6,5 im Dünndarm entfalten. Als
Begründung für die angeblich bessere Wirkung der neutralen Laktase wird
angeführt, dass die Verweildauer der Nahrung im Magen sehr viel
kürzer ist, als im Dünndarm. Dies ist korrekt, jedoch arbeitet die saure
Laktase zwar optimal im sauren Magenmilieu, die Wirkung setzt sich aber (auf einem
niedrigeren Niveau) durchaus auch noch im Dünndarm fort.
Die Kapseln mit der neutralen Laktase lösen sich im Magen auf,
wodurch die Pellets gut mit der Nahrung vermischt werden und die Verarbeitung
der Laktase dann im Dünndarm im gesamten Speisebrei stattfinden kann.
Ob dadurch aber wie angegeben die
neutrale Laktase besser wirken kann als die saure, kann ich nicht beurteilen.
Der Wirkstoffgehalt der neutralen Laktase wird in LAU-Units (LActase-Units) statt
in FCC-Units angegeben, wobei 3500 LAU-Units
etwa 4600 FCC-Units entsprechen sollen, was sich aus der längeren Verweildauer
der Laktase bei der Nahrung begründen würde.
Ich bin derzeit dabei zu recherchieren, ob es sich bei der sauren und der neutralen
Laktase tatsächlich um zwei vollkommen unterschiedliche Substanzen handelt. Bereits
von früher sind zwei Messverfahren für die Aktivität von Laktase bekannt,
einmal ein Messverfahren im sauren (pH = 4,5) und eines im neutralen Milieu (pH = 6,5).
Das führte zu den beiden unterschiedlichen FCC-Aktivitätskennzahlen:
»Acid Lactase Unit (FCC-ALU)« und »Neutral Lactase Unit (FCC-NLU)«,
ohne dass an dem untersuchten Laktase-Präparat ein chemischer oder physikalischer
Unterschied wäre. Die Begriffe FCC-ALU bzw. FCC-NLU sind jedoch in den Beipackzetteln
der verschiedenen Präparate nicht gebräuchlich wir kennen nur die
Bezeichnung FCC-Unit (für Food chemical codex) für die Menge des Laktase-Wirkstoffes.
Weil mir bisher nur ein einziges Präparat auf Basis von neutraler Laktase bekannt
ist (Lactosolv), verfüge ich derzeit nur über sehr wenig Erfahrungswerte mit
neutraler Laktase meine eigenen Erfahrungen mit diesem Präparat sind jedoch sehr gut.
Was kosten Laktase-Präparate?
Es reicht nicht aus, die Preise von einzelnen Präparaten zu vergleichen.
Um eine wirklich vergleichbare Größe zu erhalten, müssen Sie den
Wirkstoffgehalt beachten.
Kosten beispielsweise 100 Tabletten des Mittels A mit je 2.000 FCC-Units 20 Euro
und 100 Kapseln des Mittels B mit je 1.000 FCC-Units 16 Euro, so ist zumindest vom
Preis her dem Mittel A der Vorzug zu geben, denn hier ist der Preis je 1.000 FCC-Units
mit 10 Cent niedriger als für Mittel B mit 16 Cent. Ist kein FCC-Wert angegeben,
so sollten Sie vom Kauf dieser Präparate Abstand nehmen, wenn Sie sich nicht
bei der Herstellerfirma über den Wirkstoffgehalt informieren wollen. Bei
manchen Präparaten ist nach meinen Recherchen aus rechtlichen Gründen
von einer Angabe abgesehen worden, weil es hier Unklarheiten zwischen den
Begrifflichkeiten »Medikament« bzw. »Nahrungsergänzungsmittel«
oder auch »diätetisches Lebensmittel« gibt.
Unseriöse Firmen könnten aber durchaus einen niedrigen Wirkstoffgehalt zu verbergen suchen.
Werden die Kosten für Laktase-Präparate von den Krankenkassen erstattet?
Nein, die Kosten für Laktase-Präparate werden als Nahrungs-Ergänzungsmittel
nicht von den Krankenkassen erstattet.
Seit einiger Zeit versuchen Pharmafirmen, ihren
Produkten einen wissenschaftlichen Touch zu geben, indem sie die Enzympräparate beispielsweise
als »Arzneimittel« bewerben. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken:
ein Nahrungs-Ergänzungsmittel bleibt ein Nahrungs-Ergänzungsmittel, auch
wenn es als »Arzneimittel« angepriesen wird. Auch für die sogenannten
»Arzneimittel« erstatten die Krankenkassen genauso wenig die Kosten wie
für die »normalen« Präparate.
Wo erhalte ich Laktase-Präparate?
Laktase-Präparate sind Nahrungs-Ergänzungsmittel und damit rezeptfrei in
Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich.
Auch über das Internet können Sie Laktase-Präparate bestellen es
kann auch eine gute Möglichkeit sein, ausländische Präparate zu erwerben.
Achten Sie bei diesem Vertriebsweg aber ganz besonders auf Seriosität und
vergleichen Sie den Wirkstoffgehalt, die Inhaltsstoffe, die Preise und die Bezugsquelle.
Bei Bezug aus dem Ausland müssen Sie auch die Lieferbedingungn (u.a. Zölle) beachten.
Wie häufig sollten Laktase-Präparate eingenommen werden?
Grundsätzlich stellen Laktase-Präparate eine gute Möglichkeit dar,
laktosehaltige Nahrungsmittel auch bei Laktose-Intoleranz verträglich zu machen.
Allerdings sind sie kein vollständiger Ersatz für die bei laktosetoleranten
Menschen im Vergleich zum hohen Laktosegehalt unserer Nahrung ausreichende
Laktase-Produktion im Dünndarm.
Laktase-Präparate können ein gutes Mittel für den Notfall darstellen,
wenn es sich nicht vermeiden lässt, laktosehaltige Nahrungsmittel zu verzehren
beispielsweise auf Reisen oder beim Besuch der älteren Tante, die liebevoll einen
Kuchen gebacken hat. Ansonsten sollte immer der Vermeidung von laktosehaltigen
Nahrungsmitteln der Vorzug gegeben werden, um beschwerdefrei zu bleiben.
Als Dauerlösung zur Abfederung einer laktose-unkontrollierten Ernährung
sind Laktase-Präparate nicht geeignet! Auch das beste Präparat verarbeitet
den in der Nahrung enthaltenen Milchzucker nicht vollständig es bleiben
immer unaufgespaltene Laktosereste im Darm, die die bei laktoseintoleranten Menschen
besonders empfindlichen Schleimhäute reizen und so auf Dauer zu Schäden
führen können.
Wann und wie müssen Laktase-Präparate eingenommen werden?
Laktase wirkt nur, wenn Sie mit der Laktose in Berührung kommt. Es nützt
also überhaupt nichts, morgens vorbeugend eine Laktase-Tablette einzunehmen,
wenn man befürchtet, eine laktosehaltige Mittagsmahlzeit zu verzehren.
Laktase-Präparate sind grundsätzlich immer gleichzeitig mit der laktosehaltigen
Mahlzeit einzunehmen, am besten vor dem ersten Bissen. Zieht sich die Mahlzeit über
einen längeren Zeitraum hin, so darf auch zwischendurch noch eine weitere Dosis eingenommen werden.
Tabletten sind dabei unzerkaut zu schlucken, Kautabletten zu kauen, Kapseln können
eingenommen werden oder geöffnet und der Inhalt über die Speisen verteilt werden.
Pulver wird ebenfalls am besten über die Speisen verteilt. Zu beachten ist dabei,
dass Laktase hitzeempfindlich ist und die Speisen nicht heißer als 40°C sein dürfen!
Anderenfalls leidet die Wirksamkeit des Enzyms.
Nach der Mahlzeit vielleicht sogar lange nach der Mahlzeit nützen
die Präparate genauso wenig, wie wenn sie längere Zeit vorher eingenommen werden.
Lesen Sie hierzu auch die Antwort auf die Frage »Ist
es sinnvoll, wenn ich zum Essen eingeladen bin und nicht weiß, was es geben wird,
vorbeugend ein Laktase-Präparat einzunehmen?
Dosierung
Früher wurde angegeben, dass 1.000 FCC-Units erforderlich seien, um 5g Milchzucker
aufspalten zu können dies entspricht einem kleinen Glas Milch mit 100ml.
Diese Dosierungsempfehlung ergab sich aus Laborversuchen, bei denen für die
FCC-Messverfahren wässrige Lösungen benutzt wurden. Hierbei haben
die Moleküle der Laktose und Laktase große Bewegungsfreiheit, so dass
sie sich leicht finden können und die Laktosespaltung vollständig stattfinden kann.
Die Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass diese empfohlene Menge in der Realität bei Weitem nicht
ausreicht, um beschwerdefrei Laktose verdauen zu können. Dies wird mit Sicherheit
daran liegen, dass im Magen und erst recht im Darm der Speisebrei sehr viel dickflüssiger
ist als in der Petrischale, so dass sich eben nicht alle Moleküle finden können
und mehr Laktase eingenommen werden muss, als eigentlich zur Aufspaltung der verzehrten
Laktose benötigt würde.
Es wäre
natürlich optimal, den genauen Laktosegehalt einer Mahlzeit zu kennen dies
wird aber in den seltensten Fällen gegeben sein. Auch wären die Dosierungen
abhängig von der Konsistenz der verzehrten Nahrungsmittel dünnflüssige
erfordern weniger Laktase als dickflüssige wobei natürlich zu
berücksichtigen ist, wie sich die Nahrungsmittel im Magen verhalten. Milch
beispielsweise flockt unter Einwirkung der Magensäure aus und wird fest. Somit
wäre eine wirklich »korrekte« Dosierung schon eine Wissenschaft für sich.
Deshalb ist es ratsam, eher zuviel als zuwenig Laktase zu einer laktosehaltigen Mahlzeit einzunehmen. Waren
früher aus den oben beschriebenen Gründen Präparate mit 1.000 FCC-Units
gängig, so sind es heute eher diejenigen, die 4.500 oder sogar 12.000 FCC-Einheiten
enthalten. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass diese Präparate so wenig
Zusatzstoffe wie möglich enthalten.
Ich empfehle Ihnen, sich für unterwegs ein gutes Präparat mit 4.500 und eines mit 12.000 FCC-Einheiten
zu besorgen. Wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, laktosehaltige Nahrungsmittel
zu verzehren, sollten Sie zu Beginn der Mahlzeit eine Dosis mit 12.000 FCC-Einheiten
einnehmen. Wenn sich die Mahlzeit länger ausdehnt, ergänzen Sie nach etwa
einer Stunde eine Dosis mit 4.500 Einheiten bei einen hochgeschätzen Laktosegehalt
statt dessen eine 12.000-FCC-Dosis. Für zu Hause eigent sich auch ein Pulver-Präpatat
mit 25.000 FCC-Units (siehe unten).
Als Orientierung für die Dosierung gilt also eher ein Zuviel als ein Zuwenig als sinnvoll.
Unter der Voraussetzung, dass die Mittel keine beschwerdeverursachenden Zusatzstoffe (insbesondere Süßstoffe)
enthalten, ist eine »Überdosierung« von Laktase nicht schädlich.
Das Enzym selbst verursacht auch bei Überdosierung keine Beschwerden. Wurde
jedoch zuwenig Enzym eingenommen, so folgen mit Sicherheit Beschwerden und ein
»Aufstocken« der Dosis, also eine zusätzliche, ergänzende
Einnahme nach der Mahlzeit, ggf. sogar erst, wenn die Beschwerden bereits eingetreten
sind, ist absolut wirkungslos. Lesen Sie hierzu auch die Antwort auf die Frage
Können Laktase-Präparate Verstopfung erzeugen?«
Rechtliches
Nicht nur bei den Laktase-Präparaten gibt es rechtliche Unklarheiten, die es
auf der einen Seite den Herstellern erlauben, sich Schlupflöcher zu suchen
und so dem Verbraucher zu suggerieren könnten, welch tolle, wirksame Produkte er kauft und
es dadurch auf der anderen Seite dem Verbraucher so schwer macht, zu entscheiden,
ob er ein für seine Befürfnisse wirksames Präparat erworben hat oder eher auf die Werbung hereingefallen
ist. So sehr, wie sich der Gesetzgeber auch bemühen mag, diese Unklarheiten
zu bereinigen (wenn ich denn mal voraussetze, dass der sich Gesetzgeber tatsächlich
ausschließlich am Verbraucherwohl orientiert und sich nicht etwa auch durch
die Belange wer Wirtschaftsunternehmen leiten lässt), so viele Möglichkeiten
werden gefunden, sie zu umgehen.
Die Folge davon ist das schier undurschaubare Wirrwarr von Begrifflichkeiten wie
»Nahrungsergänzungsmittel«, »diätetisches Lebensmittel«,
»... zur besonderen Ernährung bei ...«, »Lebensmittelzusatz«
oder sogar »apothekenpflichtiges Arzneimittel«. Solange es Präparat
Laktase enthält zur Kompensierung eines Laktase-Defizits, sehe ich persönlich
keine Unterschiede außer natürlich in der Dosierung und eventuellen
Zusatzsstoffen.
Fazit
Es ist gut, dass es für den Notfall Laktase-Präparate gibt. Grundsätzlich
sollten Sie jedoch versuchen, sich laktosefrei zu ernähren das ist die
beste Garantie für Beschwerdefreiheit. Wenn Sie jedoch meinen, ein Laktase-Präparat
zu benötigen, so nehmen Sie ein gutes, hochdosiertes Präparat gleichzeitig
mit der Mahlzeit. Auf Reisen sollten Sie immer Laktase-Präparate bei sich haben,
auch wenn Sie immer versuchen sollten, den Koch vor einer Bestellung über Ihre Probleme zu informieren.
Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass ich wirklich nur in sehr seltenen Fällen
ein Laktase-Präparat einnehmen muss. Über längere Zeit angewendet, führen
auch die besten Präparate zumindest bei mir zu Beschwerden.
Bewertung einiger verbreiteter Präparate
Das am weitesten verbreitete Laktase-Präparat ist »Lactrase« der Firma
Pro Natura. Dieses Präparat gibt es als Kapseln mit 1.500, 3.300, 4.500 und 12.000
FCC-Units. Es enthält lt. Herstellerangabe weder Süßstoffe
noch Zuckeraustauschstoffe, jedoch den Füllstoff Dicalciumphosphat und den
Farbstoff Titanoxid (E 171). Die Kapselhülle besteht aus tierischer Gelatine.
Für Veganer steht hier die Alternative »Lactrase vegetarisch« mit
Cellulose-Kaseln in einer Dosierung von 3.300 FCC-Units zur Verfügung.
Über »Lactrase« gibt es ganz überweigend gute Bewertungen,
ich würde hier jedoch die Mittel mit den höheren Dosierungen (4.500 und
12.000 FCC-Units) empfehlen.
Der Preis für 60 Lactrase Kapseln mit je 4.500 FCC beträgt rund 8 Euro, das
entspricht etwa 13 Cent je Kapsel bzw. 3 Cent pro 1.000 FCC-Units.
60 Lactrase Kapseln mit je 12.000 FCC-Units kosten etwa 17,50 Euro, das entspricht
20 Cent je Kapsel bzw. 2,4 Cent je 1.000 FCC-Units.
Website des Herstellers: http://www.lactrase.de/
Das bereits oben im Abschnitt »Herstellung von künstlicher Laktase«
erwähnte Präparat, das mit dem Slogan »Das erste Arzneimittel bei
Milchzucker-Unverträglichkeit« wirbt, ist das Präparat »TilactaMed«
von der Firma Strathmann. Es ist seit 2009 im Handel erhältlich.
Die Darreichungsform ist eine Kautablette mit je 2000 FCC-Units Wirkstoff.
Wie ich den Begriff »Arzneimittelqualität« beurteile,
konnten Sie bereits oben lesen. Die Dosierung von nur 2.000 FCC-Units ist in
meinen Augen nicht mehr zeitgemäß und viel zu niedrig. Vorteil dieses Präparates stellt lediglich die
Tatsache dar, dass es lt. Herstellerangabe weder Sorbit, Xylit noch Gluten
enthält ein erwähnenswerter Vorteil gegenüber vielen anderen Mitteln.
Der Preis für 100 Kautabletten TilactaMed mit je 2.000 FCC-Units beträgt
etwa 12 Euro, das entspricht 12 Cent je Kautablette bzw. 6 Cent pro 1.000 FCC-Units.
Website des Herstellers: http://www.tilactamed.de/
Aus zwei Gründen möchte ich Ihnen hier ein Präparat in Pulverform vorstellen:
das Laktase-Pulver der Firma »Laktasekampagne«.
Besonders daran sind zum einen die Reinheit: Außer Maltodextrin enthält
das Laktase-Pulver wirklich nur Laktase und sonst nichts. Damit setzt es
sich deutlich von den anderen Produkten ab, in denen teilweise relativ viele
Zusatzstoffe enthalten sind. Und weiterhin ist es der unschlagbare Preis, der absolut überzeugt:
Das Präparat wird in 50g-Dosen zu je 50,00 Euro (inkl. Versand) verkauft,
ein Vorrat, der bei »normalem« Verbrauch etwa ein Jahr reicht. Zum Vergleich:
1.000 FCC-Einheiten des Laktase-Pulvers kosten genau 1 Cent.
Das Pulver wird mit einem kleinen mitgelieferten Messlöffel dosiert, der
5.000 FCC-Einheiten fasst. Es kann so sehr individuell dosiert werden.
Zur besseren Verteilung der Laktase im Essen wird bei Kapsel-Präparaten
empfohlen, diese zu öffnen und den Inhalt über die Speisen zu streuen.
Diese umständliche Prozedur entfällt bei dem Pulver der Laktasekampagne.
Website des Herstellers: http://www.laktasekampagne.de/
Derzeit nur in Österreich erhältlich sind die Milimed Lactase-Sticks
von ECA-Aponova. Ich führe dieses Präparat hier auf, weil diese Darreichungsform
die Vorteile eines Pulvers mit der leichten Benutzung außer Haus durch die
Verpackung in praktischen Sticks vereint. Jeder Stick enthält 9.000 FCC-Units
Laktase. Es wird ein Stick pro laktosehaltiger Mahlzeit empfohlen, wobei
das Pulver einfach direkt auf die (nicht zu heiße) Speisen gestreut wird.
Der Hersteller empfiehlt auch, das Pulver direkt auf die Zunge geben zu können.
Hierzu möchte darauf hinweisen, dass hierbei leicht Pulverstaub eingeatmet
werden kann, was u.U. zu allergischen Reaktionen führen kann (Laktase ist
ein Protein, und Proteine können wenn sie unverdaut in den Körper
gelangen Allergien auslösen.) Von einer direkten Einnahme würde
ich deshalb abraten.
Der Hersteller führt aus, dass eine Dosis »etwa 3050 g Milchzucker
(entspricht ca. 1 l Milch bzw. dem durchschnittlichen Tagesbedarf bei vollwertiger
Ernährung) spalten« könne. Die Dosierung sei »individuell sehr
unterschiedlich und richte sich nach der körpereigenen Laktaseproduktion/-aktivität
und dem Milchzuckergehalt des Lebensmittels«. Ich persönlich würde
allerdings empfehlen, die Dosierung beim tatsächlichen Verzehr von einem
Liter Milch mindestens zu verdoppeln bzw. den Verzehr einer solchen Milchmenge
bei Laktose-Intoleranz eher zu vermeiden. Für unkalkulierbare Mahlzeiten,
die Laktose enthalten können, ist eine Dosis von 9.000 FCC-Units angebracht
(siehe oben).
Neben der sauren Laktase (Herstellung mit Aspergillus oryzae) enthält das
Präparat folgende weitere Stoffe: Inulin, Maltodextrin, Glucose, Zitronensäure,
Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat und als Trennmittel Magnesiumstearat und
Siliciumdioxid. Die Hersteller teilten mit, dass in den Chargen ab Dezember
2010 kein Inulin mehr enthalten sein wird.
Lt. Hersteller sollten Milimed Lactase-Sticks ab Mitte 2011 auch in Deutschland
in Apotheken zur Verfügung stehen was aber bisher (Stand September
2011) noch nicht der Fall ist.
Österreichische Verwender berichten, dass sie mit diesem Präparat
laktosefreie Milch selber herstellen, wenn z.B. laktosefreie Milch im Supermarkt
ausverkauft ist. Dazu wird der Inhalt des Sticks einfach in die Milch geschüttet,
kräftig geschüttelt und im Kühlschrank aufbewahrt. Laut Berichten
funktioniere das tadellos. Ich selber habe damit noch keine Erfahrungen gesammelt
und weiß auch nicht, für welche Dauer die Milch im Kühlschrank
verweilen muss, bis die Laktose weitestgehend aufgespalten ist.
Der Verkaufspreis beträgt derzeit in Österreich für 30 Lactase-Sticks
14,95 Euro das entspricht 0,50 Euro pro Stick mit je 9.000 FCC-Units bzw.
5,5 Cent je 1.000 FCC-Units.
Es gibt derzeit noch keine Website mit allen Informationen zu Milimed Lactase-Sticks
des Herstellers, der eigentlich versichert hatte, dass eine solche in Arbeit sei und
voraussichtlich bis spätestens Anfang 2011 online gehen sollte (was aber ebenfalls
noch nicht geschehen ist). Derzeit können Sie unter www.milimed.at
einige (sehr wenige) Informationen aufrufen (den Link »Produkte« aufrufen und
dann »ECA Med« anklicken).
Hier können Sie den Beipackzettel für Milimed Lactase-Sticks anschauen.
Interessenten, die in Deutschland Laktase-Sticks verwenden möchten, erhalten
diese Darreichungsform u.a. in Form des Präparates »Lactase Direkt«
im Reformhaus allerdings enthält hier jeder Stick nur 6.000 FCC-Einheiten.
Website des Herstellers: http://www.naturawerk.de/
Als letztes Präparat möchte ich »Lactosolv«
der Firma SCIOTEC Diagnostic Technologies GmbH anführen, das
in Deutschland und Österreich in Apotheken erhältlich ist.
Obwohl mir bisher noch keine umfangreichen Erfahrungsberichte über dieses
Präparat vorliegen, halte ich den Ansatz für interessant.
Ich selber hatte Gelegenheit, Lactosolv zu testen und es
ist mir wirklich sehr gut bekommen. Damit habe ich
selbstverständlich keine repräsentativen Ergebnisse, berichte jedoch gerne
über diese Erfahrung.
Das Präparat enthält weder Süßstoffe noch Zuckeraustauschstoffe.
Die Inhaltsstoffe werden wie folgt angegeben: mikrokristalline Zellulose, Hypromellose,
Maltose, Schellack, Hydroxypropylcellulose, Enzym, Glycerol, Polyvinylpyrrolidon,
Talkum, Acetylierte Stärke, Carboxymethylcellulose, Titandioxid (in der Kapselhülle),
Natriumcarbonat, Magnesiumchlorid. Bei den Kapseln handelt es sich um vegetarische
Kapseln (veggie caps), sie enthalten also keine tierische Gelatine. Lactosolv-Kapseln enthalten
je 3.500 LAU (entspricht 4.600 FCC-Units).
Wenn man GAU in FCC umrechnen möchte, ergeben sich ungefähr folgende
Umrechnungsfaktoren:
GAU --> FCC: ca. 1,3
FCC --> GAU: ca. 0,8
Der Verkaufspreis in Deutschland beträgt für 30 (60) Kapseln
9,90 (17,90) Euro das entspricht 0,33 (0,30) Euro pro Kapsel mit
je 3.500 LAU-Units. Umgerechnet auf die Wirkungsdifferenz zu FCC-Units würde dies
0,12 (0,11) Euro je 1.000 FCC-Units entsprechen.
Website des Herstellers: www.lactosolv.at
Ich würde mich über Erfahrungsberichte über Lactosolv sehr freuen, die Sie mir gerne
über das Kontaktformular zusenden können.