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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.2.2013

INFORMATIONEN ZU LAKTASE-PRÄPARATEN

Abschnitte dieser Seite:
Was ist ein Laktase-Präparat?
Darreichungsformen
Herstellung von künstlicher Laktase
Zusatzstoffe
Wirkstoffgehalte vergleichen
Saure und neutrale Laktase
Was kosten Laktase-Präparate?
Kostenerstattung durch Krankenkassen?
Bezugsquellen
Einnahmehäufigkeit
Wie einnehmen?
Dosierung
Rechtliches
Präparate-Beispiele

HINWEIS: An dieser Stelle finden Sie allgemeine Hinweise zu Laktase-Präparaten. Die Bewertungen beruhen teils auf eigener Erfahrung, teils auf Berichten, die ich von anderen Betroffenen (beispielsweise aus Selbsthilfegruppen) und von Lesern dieser Website zusammengetragen habe.

Ganz unten finden Sie Hinweise zu bestimmten Präparaten, die ich ausgewählt habe, weil ich sie wegen spezifischer Eigenschaften für erwähnenswert halte.

Um noch präzisere und repräsentativere Bewertungen zu erhalten, habe ich von Oktober 2010 bis Januar 2011 eine Studie zum Thema »Wirksamkeit von Laktase-Präparaten« durchgeführt. Die Auswertung können Sie hier lesen.

 

Was ist ein Laktase-Präparat?
Laktase-Präparate enthalten das Laktase-Enzym, das bei laktoseintoleranten Menschen nicht mehr oder nicht mehr in ausreichender Menge im Dünndarm produziert wird. Sie können bei Bedarf zu einer laktosehaltigen Mahlzeit verzehrt werden. Diese Präparate enthalten künstlich hergestellte Laktase, die bei gleichzeitigem Verzehr mit milchzuckerhaltigen Speisen die Laktose aufspalten kann. Hierbei muss die Wirkmenge der eingenommenen Enzyme (mindestens) der Menge des verzehrten Milchzuckers entsprechen.
 

Darreichungsformen
Es gibt verschiedene Darreichungsformen für Laktase-Präparate: Tabletten, Kautabletten, Kapseln oder Pulver, letzteres teils auch in praktischen »Sticks«, um das Pulver unterwegs dosieren zu können.
 

Herstellung von künstlicher Laktase
Es gibt verschiedene Produktionswege, um Laktase herzustellen: zum einen mit dem Schimmelpilz Aspergillus oryzae und zum anderen mit Kluyveromyces fragilis oder auch Kluyveromyces lactis, zwei verwandten Hefepilzarten. Diese werden in der Retorte zur Laktase-Bildung angeregt. Die neutrale Laktase wird mithilfe der Hefe Kluyveromyces lactis gewonnen, die saure so gut wie immer mit Aspergillus oryzae.
Nach der Herstellung verbleiben nur verschwindend geringe Mengen von Pilzproteinen im Laktase-Präparat zurück, trotzdem sollten Schimmelpilz-Allergiker – insbesondere solche, die bereits anaphylaktische Reaktionen hatten, ggf. zu Präparaten mit neutraler Laktase greifen (z.B. Lactosolv, siehe unten).
Die Herstellerfirma eines Mittels, das mit der Eigenschaft »Laktase in Arzneimittelqualität« wirbt, bezeichnet die enthaltene Laktase als »natürliche Laktase«. Das in diesem Präparat enthaltene Enzym ist allerdings genauso natürlich oder unnatürlich wie das in jedem anderen Präparat enthaltene Enzym auch. Es wird mit den Pilzen Aspergillus oryzae hergestellt.
 

Zusatzstoffe
Laktase-Präparate enthalten grundsätzlich nicht nur das Enzym, sondern auch noch verschiedene Hilfs- oder Zusatzstoffe. Hierbei kann es sich um Hilfsstoffe handeln, die das Verklumpen des Wirkstoffes verhindern, um sich somit gut mit der Nahrung zu vermischen. Weiterhin muss erreicht werden, dass das Enzym nicht im sauren Milieu des Magensaftes zerstört wird. Auch Überzugsstoffe bei Tabletten können sinnvoll sein, beispielsweise um sie gleitfähig und somit besser einnehmbar zu machen.
Aber es gibt noch weitere Zusatzstoffe, die in meinen Augen eher entbehrlich sind: Hier sind die Farbstoffe (Titandioxyd) und vor allem Süßstoffe zu nennen, deren Sinn mir sich nun überhaupt nicht erschließt. Süßstoffe wie Sorbit oder Xylit können gerade Menschen mit verschiedenen Intoleranzen Probleme machen, was bedeutet, dass sie sich mit den Laktase-Präparaten zusätzliche Probleme einhandeln, die sie doch gerade vermeiden wollten.
Leider sind gerade in billigeren Präparaten sehr häufig viele Zusatzstoffe enthalten, was zu einem sehr aufmerksamen Studium der Zutatenlisten (Waschzettel) veranlassen sollte. Präparate, die Süßstoffe enthalten, sollten Sie meiden.
 

Wie kann man den Wirkstoffgehalt in den Präparaten vergleichen?
Die Menge des Laktase-Wirkstoffes wird auf den meisten Präparaten in der Einheit »FCC-Units« angegeben. FCC steht für Food Chemical Codex, einer Messgröße, die als Standard festgelegt wurde und als FCC-Unit oder FCC-Einheit für die Mengenangabe des Laktase-Wirkstoffs benutzt wird. Nach älteren (und falschen) Angaben sind 1.000 FCC-Untits erforderlich, um 5g Milchzucker aufzuspalten. Heute jedoch geht man richtiger davon aus, dass man mindestens die 3- bis 5-fache Menge – also 3.000 bis 5.000 FCC-Units pro 5g Milchzucker – einnehmen sollte*. Wenn Sie also ein Glas mit 200ml Milch trinken, so werden 6.000 – 10.000 FCC-Units benötigt.

* Im Journal of Applied Biochemistry erschien im Jahr 2006 zu diesem Thema ein Beitrag von S. O'Connell und G. Walsh mit dem Titel »Physicochemical characteristics of commercial lactases relevant to their application in the alleviation of lactose intolerance«. Hier wird beschrieben, dass von den untersuchten kommerziellen Laktasetabletten bzw. -kapseln nur das beste Präparat unter simulierten Magenbedingungen – also außerhalb der Laborbedingungen im Reagenzglas – maximal ein Drittel seiner Aktivität behielt, alle anderen weniger. Somit sind in den allermeisten Fällen nicht nur wesentlich mehr als 1000 FCC-Einheiten, sondern sogar auch mehr als 3000 FCC-Einheiten zur Spaltung von 5g Milchzucker erforderlich.
 

Saure und neutrale Laktase
Die »herkömmliche« Laktase wird auch als »saure« Laktase bezeichnet, weil sie ihr Wirkoptimum im sauren Milieu des Magens hat. Dabei ist die saure Laktase ist so aufbereitet, dass der dort vorherrschende ph-Wert von 2-3 dem Enzym nicht schadet.
Seit Januar 2011 gibt es neben der herkömmlichen Laktase auch von einem österreichischen Hersteller Laktase, die als »neutral« bezeichnet wird. Diese ist nach Angaben der Herstellerfirma in säurefesten Pellets verpackt und kann ihr optimales Wirkspektrum bei etwa ph 6,5 im Dünndarm entfalten. Als Begründung für die angeblich bessere Wirkung der neutralen Laktase wird angeführt, dass die Verweildauer der Nahrung im Magen sehr viel kürzer ist, als im Dünndarm. Dies ist korrekt, jedoch arbeitet die saure Laktase zwar optimal im sauren Magenmilieu, die Wirkung setzt sich aber (auf einem niedrigeren Niveau) durchaus auch noch im Dünndarm fort.
Die Kapseln mit der neutralen Laktase lösen sich im Magen auf, wodurch die Pellets gut mit der Nahrung vermischt werden und die Verarbeitung der Laktase dann im Dünndarm im gesamten Speisebrei stattfinden kann. Ob dadurch aber – wie angegeben – die neutrale Laktase besser wirken kann als die saure, kann ich nicht beurteilen.
Der Wirkstoffgehalt der neutralen Laktase wird in LAU-Units (LActase-Units) statt in FCC-Units angegeben, wobei 3500 LAU-Units etwa 4600 FCC-Units entsprechen sollen, was sich aus der längeren Verweildauer der Laktase bei der Nahrung begründen würde.
Ich bin derzeit dabei zu recherchieren, ob es sich bei der sauren und der neutralen Laktase tatsächlich um zwei vollkommen unterschiedliche Substanzen handelt. Bereits von früher sind zwei Messverfahren für die Aktivität von Laktase bekannt, einmal ein Messverfahren im sauren (pH = 4,5) und eines im neutralen Milieu (pH = 6,5). Das führte zu den beiden unterschiedlichen FCC-Aktivitätskennzahlen: »Acid Lactase Unit (FCC-ALU)« und »Neutral Lactase Unit (FCC-NLU)«, ohne dass an dem untersuchten Laktase-Präparat ein chemischer oder physikalischer Unterschied wäre. Die Begriffe FCC-ALU bzw. FCC-NLU sind jedoch in den Beipackzetteln der verschiedenen Präparate nicht gebräuchlich – wir kennen nur die Bezeichnung FCC-Unit (für Food chemical codex) für die Menge des Laktase-Wirkstoffes.
Weil mir bisher nur ein einziges Präparat auf Basis von neutraler Laktase bekannt ist (Lactosolv), verfüge ich derzeit nur über sehr wenig Erfahrungswerte mit neutraler Laktase – meine eigenen Erfahrungen mit diesem Präparat sind jedoch sehr gut.
 

Was kosten Laktase-Präparate?
Es reicht nicht aus, die Preise von einzelnen Präparaten zu vergleichen. Um eine wirklich vergleichbare Größe zu erhalten, müssen Sie den Wirkstoffgehalt beachten.
Kosten beispielsweise 100 Tabletten des Mittels A mit je 2.000 FCC-Units 20 Euro und 100 Kapseln des Mittels B mit je 1.000 FCC-Units 16 Euro, so ist zumindest vom Preis her dem Mittel A der Vorzug zu geben, denn hier ist der Preis je 1.000 FCC-Units mit 10 Cent niedriger als für Mittel B mit 16 Cent. Ist kein FCC-Wert angegeben, so sollten Sie vom Kauf dieser Präparate Abstand nehmen, wenn Sie sich nicht bei der Herstellerfirma über den Wirkstoffgehalt informieren wollen. Bei manchen Präparaten ist nach meinen Recherchen aus rechtlichen Gründen von einer Angabe abgesehen worden, weil es hier Unklarheiten zwischen den Begrifflichkeiten »Medikament« bzw. »Nahrungsergänzungsmittel« oder auch »diätetisches Lebensmittel« gibt. Unseriöse Firmen könnten aber durchaus einen niedrigen Wirkstoffgehalt zu verbergen suchen.
 

Werden die Kosten für Laktase-Präparate von den Krankenkassen erstattet?
Nein, die Kosten für Laktase-Präparate werden als Nahrungs-Ergänzungsmittel nicht von den Krankenkassen erstattet.
Seit einiger Zeit versuchen Pharmafirmen, ihren Produkten einen wissenschaftlichen Touch zu geben, indem sie die Enzympräparate beispielsweise als »Arzneimittel« bewerben. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken: ein Nahrungs-Ergänzungsmittel bleibt ein Nahrungs-Ergänzungsmittel, auch wenn es als »Arzneimittel« angepriesen wird. Auch für die sogenannten »Arzneimittel« erstatten die Krankenkassen genauso wenig die Kosten wie für die »normalen« Präparate.
 

Wo erhalte ich Laktase-Präparate?
Laktase-Präparate sind Nahrungs-Ergänzungsmittel und damit rezeptfrei in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich.
Auch über das Internet können Sie Laktase-Präparate bestellen – es kann auch eine gute Möglichkeit sein, ausländische Präparate zu erwerben. Achten Sie bei diesem Vertriebsweg aber ganz besonders auf Seriosität und vergleichen Sie den Wirkstoffgehalt, die Inhaltsstoffe, die Preise und die Bezugsquelle. Bei Bezug aus dem Ausland müssen Sie auch die Lieferbedingungn (u.a. Zölle) beachten.
 

Wie häufig sollten Laktase-Präparate eingenommen werden?
Grundsätzlich stellen Laktase-Präparate eine gute Möglichkeit dar, laktosehaltige Nahrungsmittel auch bei Laktose-Intoleranz verträglich zu machen. Allerdings sind sie kein vollständiger Ersatz für die bei laktosetoleranten Menschen im Vergleich zum hohen Laktosegehalt unserer Nahrung ausreichende Laktase-Produktion im Dünndarm.
Laktase-Präparate können ein gutes Mittel für den Notfall darstellen, wenn es sich nicht vermeiden lässt, laktosehaltige Nahrungsmittel zu verzehren – beispielsweise auf Reisen oder beim Besuch der älteren Tante, die liebevoll einen Kuchen gebacken hat. Ansonsten sollte immer der Vermeidung von laktosehaltigen Nahrungsmitteln der Vorzug gegeben werden, um beschwerdefrei zu bleiben.
Als Dauerlösung zur Abfederung einer laktose-unkontrollierten Ernährung sind Laktase-Präparate nicht geeignet! Auch das beste Präparat verarbeitet den in der Nahrung enthaltenen Milchzucker nicht vollständig – es bleiben immer unaufgespaltene Laktosereste im Darm, die die bei laktoseintoleranten Menschen besonders empfindlichen Schleimhäute reizen und so auf Dauer zu Schäden führen können.
 

Wann und wie müssen Laktase-Präparate eingenommen werden?
Laktase wirkt nur, wenn Sie mit der Laktose in Berührung kommt. Es nützt also überhaupt nichts, morgens vorbeugend eine Laktase-Tablette einzunehmen, wenn man befürchtet, eine laktosehaltige Mittagsmahlzeit zu verzehren. Laktase-Präparate sind grundsätzlich immer gleichzeitig mit der laktosehaltigen Mahlzeit einzunehmen, am besten vor dem ersten Bissen. Zieht sich die Mahlzeit über einen längeren Zeitraum hin, so darf auch zwischendurch noch eine weitere Dosis eingenommen werden.
Tabletten sind dabei unzerkaut zu schlucken, Kautabletten zu kauen, Kapseln können eingenommen werden oder geöffnet und der Inhalt über die Speisen verteilt werden. Pulver wird ebenfalls am besten über die Speisen verteilt. Zu beachten ist dabei, dass Laktase hitzeempfindlich ist und die Speisen nicht heißer als 40°C sein dürfen! Anderenfalls leidet die Wirksamkeit des Enzyms.
Nach der Mahlzeit – vielleicht sogar lange nach der Mahlzeit – nützen die Präparate genauso wenig, wie wenn sie längere Zeit vorher eingenommen werden. Lesen Sie hierzu auch die Antwort auf die Frage »Ist es sinnvoll, wenn ich zum Essen eingeladen bin und nicht weiß, was es geben wird, vorbeugend ein Laktase-Präparat einzunehmen?  

Dosierung
Früher wurde angegeben, dass 1.000 FCC-Units erforderlich seien, um 5g Milchzucker aufspalten zu können – dies entspricht einem kleinen Glas Milch mit 100ml. Diese Dosierungsempfehlung ergab sich aus Laborversuchen, bei denen für die FCC-Messverfahren wässrige Lösungen benutzt wurden. Hierbei haben die Moleküle der Laktose und Laktase große Bewegungsfreiheit, so dass sie sich leicht finden können und die Laktosespaltung vollständig stattfinden kann.
Die Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass diese empfohlene Menge in der Realität bei Weitem nicht ausreicht, um beschwerdefrei Laktose verdauen zu können. Dies wird mit Sicherheit daran liegen, dass im Magen und erst recht im Darm der Speisebrei sehr viel dickflüssiger ist als in der Petrischale, so dass sich eben nicht alle Moleküle finden können und mehr Laktase eingenommen werden muss, als eigentlich zur Aufspaltung der verzehrten Laktose benötigt würde.
Es wäre natürlich optimal, den genauen Laktosegehalt einer Mahlzeit zu kennen – dies wird aber in den seltensten Fällen gegeben sein. Auch wären die Dosierungen abhängig von der Konsistenz der verzehrten Nahrungsmittel – dünnflüssige erfordern weniger Laktase als dickflüssige – wobei natürlich zu berücksichtigen ist, wie sich die Nahrungsmittel im Magen verhalten. Milch beispielsweise flockt unter Einwirkung der Magensäure aus und wird fest. Somit wäre eine wirklich »korrekte« Dosierung schon eine Wissenschaft für sich.
Deshalb ist es ratsam, eher zuviel als zuwenig Laktase zu einer laktosehaltigen Mahlzeit einzunehmen. Waren früher aus den oben beschriebenen Gründen Präparate mit 1.000 FCC-Units gängig, so sind es heute eher diejenigen, die 4.500 oder sogar 12.000 FCC-Einheiten enthalten. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass diese Präparate so wenig Zusatzstoffe wie möglich enthalten.
Ich empfehle Ihnen, sich für unterwegs ein gutes Präparat mit 4.500 und eines mit 12.000 FCC-Einheiten zu besorgen. Wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, laktosehaltige Nahrungsmittel zu verzehren, sollten Sie zu Beginn der Mahlzeit eine Dosis mit 12.000 FCC-Einheiten einnehmen. Wenn sich die Mahlzeit länger ausdehnt, ergänzen Sie nach etwa einer Stunde eine Dosis mit 4.500 Einheiten – bei einen hochgeschätzen Laktosegehalt statt dessen eine 12.000-FCC-Dosis. Für zu Hause eigent sich auch ein Pulver-Präpatat mit 25.000 FCC-Units (siehe unten).
Als Orientierung für die Dosierung gilt also eher ein Zuviel als ein Zuwenig als sinnvoll. Unter der Voraussetzung, dass die Mittel keine beschwerdeverursachenden Zusatzstoffe (insbesondere Süßstoffe) enthalten, ist eine »Überdosierung« von Laktase nicht schädlich. Das Enzym selbst verursacht auch bei Überdosierung keine Beschwerden. Wurde jedoch zuwenig Enzym eingenommen, so folgen mit Sicherheit Beschwerden – und ein »Aufstocken« der Dosis, also eine zusätzliche, ergänzende Einnahme nach der Mahlzeit, ggf. sogar erst, wenn die Beschwerden bereits eingetreten sind, ist absolut wirkungslos. Lesen Sie hierzu auch die Antwort auf die Frage Können Laktase-Präparate Verstopfung erzeugen?«
 

Rechtliches
Nicht nur bei den Laktase-Präparaten gibt es rechtliche Unklarheiten, die es auf der einen Seite den Herstellern erlauben, sich Schlupflöcher zu suchen und so dem Verbraucher zu suggerieren könnten, welch tolle, wirksame Produkte er kauft und es dadurch auf der anderen Seite dem Verbraucher so schwer macht, zu entscheiden, ob er ein für seine Befürfnisse wirksames Präparat erworben hat oder eher auf die Werbung hereingefallen ist. So sehr, wie sich der Gesetzgeber auch bemühen mag, diese Unklarheiten zu bereinigen (wenn ich denn mal voraussetze, dass der sich Gesetzgeber tatsächlich ausschließlich am Verbraucherwohl orientiert und sich nicht etwa auch durch die Belange wer Wirtschaftsunternehmen leiten lässt), so viele Möglichkeiten werden gefunden, sie zu umgehen.
Die Folge davon ist das schier undurschaubare Wirrwarr von Begrifflichkeiten wie »Nahrungsergänzungsmittel«, »diätetisches Lebensmittel«, »... zur besonderen Ernährung bei ...«, »Lebensmittelzusatz« oder sogar »apothekenpflichtiges Arzneimittel«. Solange es Präparat Laktase enthält zur Kompensierung eines Laktase-Defizits, sehe ich persönlich keine Unterschiede – außer natürlich in der Dosierung und eventuellen Zusatzsstoffen.

Fazit
Es ist gut, dass es für den Notfall Laktase-Präparate gibt. Grundsätzlich sollten Sie jedoch versuchen, sich laktosefrei zu ernähren – das ist die beste Garantie für Beschwerdefreiheit. Wenn Sie jedoch meinen, ein Laktase-Präparat zu benötigen, so nehmen Sie ein gutes, hochdosiertes Präparat gleichzeitig mit der Mahlzeit. Auf Reisen sollten Sie immer Laktase-Präparate bei sich haben, auch wenn Sie immer versuchen sollten, den Koch vor einer Bestellung über Ihre Probleme zu informieren. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass ich wirklich nur in sehr seltenen Fällen ein Laktase-Präparat einnehmen muss. Über längere Zeit angewendet, führen auch die besten Präparate zumindest bei mir zu Beschwerden.


 

Bewertung einiger verbreiteter Präparate

Das am weitesten verbreitete Laktase-Präparat ist »Lactrase« der Firma Pro Natura. Dieses Präparat gibt es als Kapseln mit 1.500, 3.300, 4.500 und 12.000 FCC-Units. Es enthält lt. Herstellerangabe weder Süßstoffe noch Zuckeraustauschstoffe, jedoch den Füllstoff Dicalciumphosphat und den Farbstoff Titanoxid (E 171). Die Kapselhülle besteht aus tierischer Gelatine. Für Veganer steht hier die Alternative »Lactrase vegetarisch« mit Cellulose-Kaseln in einer Dosierung von 3.300 FCC-Units zur Verfügung.
Über »Lactrase« gibt es ganz überweigend gute Bewertungen, ich würde hier jedoch die Mittel mit den höheren Dosierungen (4.500 und 12.000 FCC-Units) empfehlen.
Der Preis für 60 Lactrase Kapseln mit je 4.500 FCC beträgt rund 8 Euro, das entspricht etwa 13 Cent je Kapsel bzw. 3 Cent pro 1.000 FCC-Units.
60 Lactrase Kapseln mit je 12.000 FCC-Units kosten etwa 17,50 Euro, das entspricht 20 Cent je Kapsel bzw. 2,4 Cent je 1.000 FCC-Units.
Website des Herstellers: http://www.lactrase.de/


Das bereits oben im Abschnitt »Herstellung von künstlicher Laktase« erwähnte Präparat, das mit dem Slogan »Das erste Arzneimittel bei Milchzucker-Unverträglichkeit« wirbt, ist das Präparat »TilactaMed« von der Firma Strathmann. Es ist seit 2009 im Handel erhältlich. Die Darreichungsform ist eine Kautablette mit je 2000 FCC-Units Wirkstoff. Wie ich den Begriff »Arzneimittelqualität« beurteile, konnten Sie bereits oben lesen. Die Dosierung von nur 2.000 FCC-Units ist in meinen Augen nicht mehr zeitgemäß und viel zu niedrig. Vorteil dieses Präparates stellt lediglich die Tatsache dar, dass es lt. Herstellerangabe weder Sorbit, Xylit noch Gluten enthält – ein erwähnenswerter Vorteil gegenüber vielen anderen Mitteln.
Der Preis für 100 Kautabletten TilactaMed mit je 2.000 FCC-Units beträgt etwa 12 Euro, das entspricht 12 Cent je Kautablette bzw. 6 Cent pro 1.000 FCC-Units.
Website des Herstellers: http://www.tilactamed.de/

 
Aus zwei Gründen möchte ich Ihnen hier ein Präparat in Pulverform vorstellen: das Laktase-Pulver der Firma »Laktasekampagne«. Besonders daran sind zum einen die Reinheit: Außer Maltodextrin enthält das Laktase-Pulver wirklich nur Laktase – und sonst nichts. Damit setzt es sich deutlich von den anderen Produkten ab, in denen teilweise relativ viele Zusatzstoffe enthalten sind. Und weiterhin ist es der unschlagbare Preis, der absolut überzeugt: Das Präparat wird in 50g-Dosen zu je 50,00 Euro (inkl. Versand) verkauft, ein Vorrat, der bei »normalem« Verbrauch etwa ein Jahr reicht. Zum Vergleich: 1.000 FCC-Einheiten des Laktase-Pulvers kosten genau 1 Cent.
Das Pulver wird mit einem kleinen mitgelieferten Messlöffel dosiert, der 5.000 FCC-Einheiten fasst. Es kann so sehr individuell dosiert werden.
Zur besseren Verteilung der Laktase im Essen wird bei Kapsel-Präparaten empfohlen, diese zu öffnen und den Inhalt über die Speisen zu streuen. Diese umständliche Prozedur entfällt bei dem Pulver der Laktasekampagne.
Website des Herstellers: http://www.laktasekampagne.de/


Derzeit nur in Österreich erhältlich sind die Milimed Lactase-Sticks von ECA-Aponova. Ich führe dieses Präparat hier auf, weil diese Darreichungsform die Vorteile eines Pulvers mit der leichten Benutzung außer Haus durch die Verpackung in praktischen Sticks vereint. Jeder Stick enthält 9.000 FCC-Units Laktase. Es wird ein Stick pro laktosehaltiger Mahlzeit empfohlen, wobei das Pulver einfach direkt auf die (nicht zu heiße) Speisen gestreut wird. Der Hersteller empfiehlt auch, das Pulver direkt auf die Zunge geben zu können. Hierzu möchte darauf hinweisen, dass hierbei leicht Pulverstaub eingeatmet werden kann, was u.U. zu allergischen Reaktionen führen kann (Laktase ist ein Protein, und Proteine können – wenn sie unverdaut in den Körper gelangen – Allergien auslösen.) Von einer direkten Einnahme würde ich deshalb abraten.
Der Hersteller führt aus, dass eine Dosis »etwa 30–50 g Milchzucker (entspricht ca. 1 l Milch bzw. dem durchschnittlichen Tagesbedarf bei vollwertiger Ernährung) spalten« könne. Die Dosierung sei »individuell sehr unterschiedlich und richte sich nach der körpereigenen Laktaseproduktion/-aktivität und dem Milchzuckergehalt des Lebensmittels«. Ich persönlich würde allerdings empfehlen, die Dosierung beim tatsächlichen Verzehr von einem Liter Milch mindestens zu verdoppeln bzw. den Verzehr einer solchen Milchmenge bei Laktose-Intoleranz eher zu vermeiden. Für unkalkulierbare Mahlzeiten, die Laktose enthalten können, ist eine Dosis von 9.000 FCC-Units angebracht (siehe oben).
Neben der sauren Laktase (Herstellung mit Aspergillus oryzae) enthält das Präparat folgende weitere Stoffe: Inulin, Maltodextrin, Glucose, Zitronensäure, Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat und als Trennmittel Magnesiumstearat und Siliciumdioxid. Die Hersteller teilten mit, dass in den Chargen ab Dezember 2010 kein Inulin mehr enthalten sein wird.
Lt. Hersteller sollten Milimed Lactase-Sticks ab Mitte 2011 auch in Deutschland in Apotheken zur Verfügung stehen – was aber bisher (Stand September 2011) noch nicht der Fall ist.
Österreichische Verwender berichten, dass sie mit diesem Präparat laktosefreie Milch selber herstellen, wenn z.B. laktosefreie Milch im Supermarkt ausverkauft ist. Dazu wird der Inhalt des Sticks einfach in die Milch geschüttet, kräftig geschüttelt und im Kühlschrank aufbewahrt. Laut Berichten funktioniere das tadellos. Ich selber habe damit noch keine Erfahrungen gesammelt und weiß auch nicht, für welche Dauer die Milch im Kühlschrank verweilen muss, bis die Laktose weitestgehend aufgespalten ist.
Der Verkaufspreis beträgt derzeit in Österreich für 30 Lactase-Sticks 14,95 Euro – das entspricht 0,50 Euro pro Stick mit je 9.000 FCC-Units bzw. 5,5 Cent je 1.000 FCC-Units.
Es gibt derzeit noch keine Website mit allen Informationen zu Milimed Lactase-Sticks des Herstellers, der eigentlich versichert hatte, dass eine solche in Arbeit sei und voraussichtlich bis spätestens Anfang 2011 online gehen sollte (was aber ebenfalls noch nicht geschehen ist). Derzeit können Sie unter www.milimed.at einige (sehr wenige) Informationen aufrufen (den Link »Produkte« aufrufen und dann »ECA Med« anklicken).
Hier können Sie den Beipackzettel für Milimed Lactase-Sticks anschauen.
Interessenten, die in Deutschland Laktase-Sticks verwenden möchten, erhalten diese Darreichungsform u.a. in Form des Präparates »Lactase Direkt« im Reformhaus – allerdings enthält hier jeder Stick nur 6.000 FCC-Einheiten.
Website des Herstellers: http://www.naturawerk.de/


Als letztes Präparat möchte ich »Lactosolv« der Firma SCIOTEC Diagnostic Technologies GmbH anführen, das in Deutschland und Österreich in Apotheken erhältlich ist. Obwohl mir bisher noch keine umfangreichen Erfahrungsberichte über dieses Präparat vorliegen, halte ich den Ansatz für interessant.
Ich selber hatte Gelegenheit, Lactosolv zu testen – und es ist mir wirklich sehr gut bekommen. Damit habe ich selbstverständlich keine repräsentativen Ergebnisse, berichte jedoch gerne über diese Erfahrung.
Das Präparat enthält weder Süßstoffe noch Zuckeraustauschstoffe. Die Inhaltsstoffe werden wie folgt angegeben: mikrokristalline Zellulose, Hypromellose, Maltose, Schellack, Hydroxypropylcellulose, Enzym, Glycerol, Polyvinylpyrrolidon, Talkum, Acetylierte Stärke, Carboxymethylcellulose, Titandioxid (in der Kapselhülle), Natriumcarbonat, Magnesiumchlorid. Bei den Kapseln handelt es sich um vegetarische Kapseln (veggie caps), sie enthalten also keine tierische Gelatine. Lactosolv-Kapseln enthalten je 3.500 LAU (entspricht 4.600 FCC-Units).
Wenn man GAU in FCC umrechnen möchte, ergeben sich ungefähr folgende Umrechnungsfaktoren:
GAU --> FCC: ca. 1,3
FCC --> GAU: ca. 0,8

Der Verkaufspreis in Deutschland beträgt für 30 (60) Kapseln 9,90 (17,90) Euro – das entspricht 0,33 (0,30) Euro pro Kapsel mit je 3.500 LAU-Units. Umgerechnet auf die Wirkungsdifferenz zu FCC-Units würde dies 0,12 (0,11) Euro je 1.000 FCC-Units entsprechen.
Website des Herstellers: www.lactosolv.at
Ich würde mich über Erfahrungsberichte über Lactosolv sehr freuen, die Sie mir gerne über das Kontaktformular zusenden können.



Zur Auswertung der Studie zur Ermittlung der Wirksamkeit von Laktase-Präparaten