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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 23.3.2012

ZÖLIAKIE UND GLUTEN-UNVERTRÄGLICHKEIT

Zöliakie und Gluten-Unverträglichkeit sind beides Formen einer Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideeiweiß Gluten (sprich Glutehn, mit Betonung auf der zweiten Silbe).

Gluten ist in den Getreidesorten Weizen, Roggen und Gerste und deren Abkömmlingen Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn und Kamut enthalten. Hafer enthält eigentlich kein Gluten, durch Verunreinigungen mit anderen Körnern sind jedoch auch in Haferprodukten geringe Mengen an Gluten enthalten, und somit ist auch Hafer (zumindest aus deutscher Produktion) für Zöliakie-Betroffene nicht geeignet. Gluten ist auch unter dem Beinamen »Klebereiweiß« bekannt, weil es beim Backen klebende Eigenschaften hat und u.a. Brotteig zusammenhält. Gebäck aus Getreidearten, die frei von Gluten sind, ist eher bröckelig und schwerer zu verbacken.

Da vor allem Weizen, aber auch Roggen und Gerste aufgrund dieser günstigen Eigenschaften als Brot- und Backgetreide, und darüber hinaus auch für Nudeln und andere Teigwaren vermehrt eingesetzt werden, ist unsere Nahrung sehr stark glutenhaltig.

Aufgrund der Bindefreudigkeit wird Gluten von der Nahrungsmittelindustrie auch als technischer Hilfsstoff in allen möglichen Nahrungsmitteln wie Wurst- und Fleischwaren, Milchprodukten und Käse, aber auch in Gewürzen und Tee und sogar in Medikamenten verwendet – es gibt keine industriell bearbeitete Nahrungsmittelgruppe, die garantiert frei von Gluten ist.

Gluten-Unverträglichkeit
Früher, als die Nahrung der Menschen neben etwas erjagtem Fleisch vor allem aus gesammelter pflanzlicher Nahrung bestand, wurden einzelne Getreidekörner verzehrt. Die Getreidesorten trugen damals auch nur einzelne Körner (daher der Name der Weizen-Urform »Einkorn«). Die dicken, schweren Ähren wurden erst in der Neuzeit gezüchtet, als mit der Sesshaftigkeit verstärkt Ackerbau betrieben wurde. Durch die nun leichtere Ernte enthielt die Nahrung vermehrt Getreide, insbesondere Weizen, und damit mehr und mehr Gluten.

Da auch das Verdauungssystem von Menschen ohne eine Zöliakievorbelastung nicht auf solche Glutenmengen eingerichtet ist, gibt es immer mehr Menschen, die Probleme damit haben – sie leiden an einer Gluten-Unverträglichkeit mit allen auch von anderen Intoleranzen bekannten Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfällen und anderen Beschwerden. Diese sind – wie bei allen anderen Unverträglichkeiten auch, mengenabhängig und verschwinden relativ schnell mit dem Einschränken oder gänzlichen Meiden von glutenhaltigen Getreideprodukten, ohne dauerhafte, körperliche Schäden zu hinterlassen.

Zöliakie
Die Zöliakie ist eine Form von Gluten-Unverträglichkeit, bei der jedoch noch autoimmune Reaktionen des Körpers hinzukommen. Neben den Unverträglichkeitsreaktionen, die oben beschrieben wurden, treten hier noch zusätzliche selbstzerstörerische Reaktionen auf, d.h. das Immunsystem erkennt unter der Einwirkung von Gluten die Dünndarmschleimhaut als Fremdkörper und bekämpft deren Zellen. Somit führt eine unbehandelte Zöliakie nach und nach zur Abflachung und letztendlich zur Auflösung der Schleimhautzotten im Dünndarm, die eigentlich erforderlich sind, um die Oberfläche des Darmes so weit zu vergrößern, dass sämtliche Bestandteile aus dem Nahrungsbrei verdaut und ins Blut aufgenommen werden können. Ist die Schleimhaut dermaßen geschädigt, treten logischerweise Defizite bei der Ernährung auf, der Patient nimmt stark an Gewicht ab, und auch die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist mangelhaft. Hieraus resultieren diverse Symptome und teilweise auch schwere Folgeerkrankungen.

Da Gluten, wie oben beschrieben, in so gut wie allen Nahrungsmittelgruppen enthalten sein kann, ist der Zusammenhang von Beschwerden mit einem bestimmten Verursacher oftmals schwer herzustellen, und die Betroffenen haben meistens einen recht langen Leidensweg hinter sich, bevor die Diagnose »Zöliakie« gestellt wird.

Fachausdrücke für Zöliakie sind auch »Glutensensitive Enteropathie« oder »Einheimische Sprue«, wobei der Ausdruck »Sprue« (sprich Spruh) früher nur für Erwachsene benutzt wurde. Heute wird jedoch die Bezeichnung Zöliakie sowohl für Kinder als auch für erwachsene Erkrankte einheitlich benutzt. Neben dem Auslöser Gluten ist die Ursache der Erkrankung genetisch bedingt und kann bis heute noch nicht ursächlich behandelt, d.h. geheilt werden. Die Anzahl der Betroffenen kann nur sehr schwer benannt werden, denn es gibt aufgrund der verzögerten Diagnosestellung und dem oftmals besonders bei Erwachsenen schleichenden Beginn der Erkrankung eine sehr große Dunkelziffer – geschätzt wird, dass in Europa etwa einer von 100-500 Bürgern von Zöliakie betroffen ist.

Diagnose
Die Diagnose wird unter einer glutenhaltigen Kost mithilfe der Bestimmung von Antikörpern gegen das Enzym Tissue-Transglutaminase (tTg) im Blut gestellt. Weiterhin muss eine Dünndarmbiopsie durchgeführt werden, bei der im Zuge einer Magenspiegelung vom oberen Teil des Dünndarms, dem Zwölffingerdarm, Proben entnommen und histologisch begutachtet werden. Je abgeflachter die Darmzotten sind, desto wahrscheinlicher ist eine Zöliakie. Im Zusammenhang mit dem Wert der tTg kann dann eine sichere Diagnose gestellt werden.

Hinweis: Eine vorsorglich vor der Diagnostik eingehaltene glutenfreie Kost würde die Diagnose erschweren, weil die Antikörperaktivität unter der glutenfreien Kost abnimmt und sich die Darmschleimhaut schon wieder regenerieren kann. Somit ist die Diagnostik immer nach einer längeren Zeit mit glutenhaltiger Normalkost vorzunehmen.

Erst, wenn aufgrund des Schleimhautbefunds und der tTg-Werte eine Zöliakie ausgeschlossen ist, kann mithilfe einer weitestgehend glutenfreien Kost (Karenz) ausgetestet werden, ob eine Gluten-Unverträglichkeit ohne Zöliakie vorliegt. Zuvor sollte jedoch auch unbedingt getestet werden, ob andere Unverträglichkeiten wie eine Laktose- und/oder Fruktose-Unverträglichkeit vorliegen, um diese Verursacher von Beschwerden auszuschließen oder zu diagnostizieren.

Im Gegensatz zur Zöliakie ist bei der Gluten-Unverträglichkeit weder eine abgeflachte Darmschleimhaut noch eine Erhöhung der tTg-Antikörper festzustellen. Und wie bei jeder anderen Unverträglichkeit auch werden Spuren oder sogar kleinere Mengen des unverträglichen Stoffs, in diesem Falle von Gluten, die in vielen Nahrungsmitteln enthalten sind, problemlos toleriert, so dass ein absolutes Meiden nicht erforderlich ist.

Behandlung
Die Behandlung der Gluten-Unverträglichkeit und der Zöliakie besteht im Meiden von Gluten – jedoch in unterschiedlichen Ausprägungen.

Bei der Gluten-Unverträglichkeit reicht es, den Verzehr von Gluten weitestgehend zu meiden. Kleinere Mengen – vor allem aber Spuren – von Gluten werden in den allermeisten Fällen toleriert, ohne dass Beschwerden auftreten. Somit reicht es, die Hinweise auf den Lebensmittelverpackungen zu studieren, denn die Deklaration von Gluten ist auf verpackten Nahrungsmitteln gesetzlich vorgeschrieben, sofern nicht ein Glutengehalt durch die aufgeführten Inhaltsstoffe Weizen, Roggen und/oder Gerste auf der Hand liegt. Bei unverpackten Produkten (beim Bäcker, Metzger oder an Imbissbuden und in Restaurants und Kantinen) müssen Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit immer fragen, ob die Nahrungsmittel Gluten enthalten. Im Zweifelsfalle ist es besser, sich für eine Alternative zu entscheiden.

Bei der Zöliakie heißt die wichtigste Behandlungsform ebenfalls Meiden von Gluten – jedoch ist hier ein absolutes, striktes Meiden erforderlich. Selbst kleinste Spuren von Gluten führen nicht nur unweigerlich wieder zu Beschwerden, zusätzlich wird auch die Darmschleimhaut weiter oder wieder geschädigt, weil der autoimmune Zerstörungsprozess sofort wieder einsetzt. Sobald die Nahrung keinerlei Gluten mehr enthält, kann sich die geschädigte Darmschleimhaut wieder regenerieren, was je nach Vorschädigung allerdings Monate bis sogar Jahre dauert. In besonders schweren Fällen, in denen eine jahrzehntelange Schädigung durch eine unentdeckte Zöliakie vorliegt, wird sich die Darmschleimhaut eventuell nicht wieder bis zu ihrer vollen Stärke, sondern nur zum Teil regenerieren können.

Zusätzlich zur absoluten Glutenkarenz sind bei einer Zöliakie oftmals auch begleitende, vorübergehende Nahrungsergänzungen mit Vitaminen und/oder Mineralstoffen erforderlich, solange die geschädigte Darmschleimhaut noch nicht in der Lage ist, die Nahrung korrekt und gänzlich zu verdauen. Hier ist immer eine genaue Diagnostik durch den behandelnden Arzt erforderlich, um dann die fehlenden Vitalstoffe zu identifizieren und gezielt zuzuführen. Von einer Eigenbehandlung »nach dem Gießkannenprinzip« ist dringend abzuraten, vor allem auch, weil hier unbedingt streng glutenfreie Präparate erforderlich sind.

Im Zuge einer unbehandelten Zöliakie treten sehr häufig auch andere Unverträglichkeiten wie Laktose- und/oder Fruktose- und Sorbit-Intoleranzen auf, weil die geschädigten Darmschleimhautzellen die für die Verdauung dieser Kohlenhydrate erforderlichen Enzyme oder Transportproteine nicht mehr oder nicht mehr ausreichend herstellen können. Hier liegt dann jeweils die sekundäre Erkrankungsform vor, die jedoch häufig reversibel ist, sobald sich die Darmschleimhautzellen regeneriert haben.

Spezielle Nahrungsmittel
Mittlerweile hat auch die Nahrungsmittelindustrie die Zöliakie-Betroffenen als potenzielle Käufergruppe erkannt und bietet eine immer größer werdende Menge an glutenfreien Produkten an. Diese sind gekennzeichnet durch ein Symbol mit der durchgestrichenen Ähre. Diese Produkte eigenen sich selbstverständlich auch für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit.

Zusätzlich haben sich diverse Unternehmen auf den Versand von glutenfreien Produkten spezialisiert – teilweise als Teilbereich von Versandhäusern für Menschen mit allen möglichen Allergien. Hier sind dann mit dem Filter »Gluten« die benötigten Produkte auswählbar. Und natürlich können auch Mehrfachfilter gesetzt werden, wenn neben der Zöliakie oder Gluten-Unverträglichkeit noch weitere Intoleranzen vorliegen. Sehr empfehlenswert ist u.a. der Querfood-Versand, der im Internet unter www.querfood.de zu finden ist.

Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.
Sich wirklich völlig glutenfrei zu ernähren, ist insbesondere am Anfang gleich nach der Diagnose gar nicht so einfach. Auch wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist, auf verpackten Nahrungsmitteln einen Glutengehalt zu deklarieren, können doch Kontaminationen auftreten, die (unbeabsichtigt) nicht ersichtlich sind.

Aus diesem Grund ist es ratsam, als Betroffener Mitglied bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. zu werden (www.dzg-online.de). Diese Vereinigung gibt jedes Jahr eine Liste mit all jenen Produkten heraus, die kein Gluten enthalten und unbedenklich verzehrt werden können (Positiv-Liste). Für diese Liste gibt es quartalsweise kleinere Updates, so dass man immer sicher sein kann, wirklich auf dem aktuellen Stand zu sein.

Auch bei einer Gluten-Unverträglichkeit empfiehlt sich – zumindest für eine erste Zeit – die Mitgliedschaft bei der DZG, damit man in die glutenfreie Kost hineinfindet und Fallen vermeiden kann.

Weiterhin gibt die DZG auch unersetzliche Tipps – vor allem für die erste Zeit nach der Diagnose, aber auch für das Zusammenleben (und Zusammenessen) mit Nichtbetroffenen. Darüber hinaus kann man sich in einem Forum mit anderen Betroffenen austauschen. Gerade, wenn die nicht ganz einfache Diagnose erst einmal »verdaut« werden muss, können Tipps von »alten Hasen« sehr gut weiterhelfen.

Falls es eine Gruppe in Ihrer Nähe gibt, kann ich Ihnen auch den Besuch einer Selbsthilfegruppe für Zöliakie-Betroffene empfehlen, um sich hier mit erfahrenen »Zölis« austauschen zu können. Bei der »Nationalen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS)« können Sie sich unter www.nakos.de über die verschiedenen Selbsthifegruppen in Ihrer Nähe informieren.