Letzte Aktualisierung dieser Seite: 9.1.2015

Oligosaccharid-Unverträglichkeit – was ist das?


Wie bei den bekannten Unverträglichkeiten von Laktose (Milchzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) gibt es auch eine Unverträglichkeit von bestimmten Mehrfachzuckern – den Oligosacchariden.

Oligosaccharide sind aus 3-9 Einfachzuckern (Monosacchariden) gleicher oder verschiedener Art zu Ketten zusammengesetzt. Wie alle Mehrfachzucker (Disaccharide, Oligosaccharide und Polysaccharide) sind für die Verdauung von Oligosacchariden Enzyme erforderlich, die dafür sorgen, dass diese Kohlenhydrate in die einzelnen Bausteine (Monosaccharide) aufgespalten werden, um durch die Zellzwischenräume der Dünndarmschleimhaut aufgenommen und ins Blut gelangen zu können.

Fehlen diese für jeden Mehrfachzucker spezifischen Enzyme oder sind sie nicht in einer der Verzehrmenge entsprechenden Menge vorhanden, gelangen die unaufgespaltenen Nahrungsbestandteile in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien vergoren werden. Dabei entstehen mehr oder weniger große Mengen von Gasen und Säuren als Abfallprodukte. Dies führt zu den für alle Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten typischen Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle. Manche Menschen haben mehr, andere weniger Probleme, was wahrscheinlich mit der Zusammensetzung der individuellen Darmflora zusammenhängt.

Insbesondere die Verdauung der Fruktane (Verbindungen aus einem Saccharose- und mehreren Fruktosemolekülen) und der Galaktane (Verbindungen aus mehreren Galaktose-Bausteinen) ist problematisch - ganz besonders bei der Raffinose, Stachyose und Verbascose, denn für diese kurzkettigen Oligosaccharide werden im menschlichen Verdauungssystem keine Enzyme gebildet. Diese Mehrfachzucker sind in allen Kohlsorten und den Hülsenfrüchten enthalten – und wer kennt nicht Sprüche wie »Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen« und ähnliche?


Bekanntheitsgrad der Oligosaccharid-Unverträglichkeit
Die Unverträglichkeiten von Laktose, aber auch von Fruktose und Sorbit sind glücklicherweise bereits gut im Bewusstsein der Ärzte angekommen. Damit werden auch schnellere Diagnosen bei den Betroffenen gestellt als noch vor einigen Jahren. Die Oligosaccharid- Unverträglichkeit ist jedoch in Europa leider noch so gut wie unbekannt.

In Australien gibt es Untersuchungen der Ärztin Dr. Sue Shepheard, die die Gruppe der Oligosaccharide und verschiedene, für Unverträglichkeiten häufig verantwortliche Mono- und Disaccharide, aber auch die Polysaccharide (Ballaststoffe) unter dem Oberbegriff FODMAPS™ zusammenfasst und eine entsprechende Diät empfiehlt, um Beschwerden vorzubeugen (http://shepherdworks.com.au/disease-information/low-fodmap-diet).

Da aber auch bei uns immer mehr Menschen Probleme mit diesen Kohlenhydraten haben, wird es Zeit, auch hier die Oligosaccharid-Unverträglichkeit ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, um den Patienten lange Leidenswege zu ersparen.  

In welchen Lebensmitteln sind Oligosaccharide enthalten?
Oligosaccharide sind in nennenswerten Mengen nur in Pflanzen enthalten. Tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Fisch enthalten diese Kohlenhydrate normalerweise nicht, lediglich Milch enthält geringe Mengen an Oligosacchariden. Achtung ist jedoch bei industriell bearbeiteten tierischen Nahrungsmitteln (Wurst, Fleisch- und Fischzubereitungen) und vor allem Fertiggerichten geboten, denn hier ist völlig offen, was die Hersteller in ihre Produkte mischen. Insbesondere können hier die diversen Lebensmittelzusatzstoffe wie Gelier-, Binde- und Verdickungsmittel zu einem nicht unbeträchtlichen Oligosaccharidgehalt beitragen.


U.a. folgende Lebensmittel (alphabetisch geordnet)
enthalten Oligosaccharide in nennenswerten Mengen:


Gemüse
Bärlauch, Bohnen (alle Sorten), Chicoree, Chili (als Frischware und als Gewürz und Gewürzzutat wie u.a. in Sambal Olek), Endivien, Erbsen (auch Zucker- und Kaiserschoten), Fenchel, Gurken, Kartoffeln, Karotten, Kichererbsen, Knoblauch, Kohl (alle Sorten: Blumen-, Rosen-, Weiß-, Rot- und Grünkohl, Kohlrabi, Brokkoli etc.), Kopfsalat, Lauch (Porree), Linsen (alle Sorten), Mais, Paprika, Pastinaken, Petersilie, Pilze, Radischen, Rhabarber, Rote Beete, Sauerkraut, Schwarzwurzeln, Sojabohnen (auch Sojamilch, Tofu usw.), Spargel, Spinat, Zwiebeln

Obst
Avocados, Bananen, Kiwis, Orangen

Nüsse und Nussähnliche
Erdnüsse und Erdnussbutter, Pistazien

Korn und Brot
Cerealien (Cornflakes, Müsli usw.), Gerste (Gersten(vollkorn)mehl, Gerstengraupen), Hafer (Hafermehl, Haferflocken, Haferkleie), Hirse (Hirsemehl, Hirseflocken), Leinsamen, Roggen (Roggen(vollkorn)mehl), Sonnenblumenkerne, Vollkornbrot, Weizen (Weizen(vollkorn)mehl, Weizenkleie, Seitan)

Getränke
Ersatzkaffee (Weizen-, Roggen-, Zichorien-, Malzkaffee wie u.a. Caro Kaffee, Kathreiners)

Lebensmittelzusatzstoffe
Agar-Agar (E406), Carrageen (E407), Guarkernmehl (E412), Johannisbrotkernmehl (E410)

Präbiotika
Inulin, Oligofruktose


Hinweis: In der DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank finden Sie noch sehr viel mehr Lebensmittel, die auf ihre Verträglichkeit u.a. in Bezug auf die Oligosaccharid-Unverträglichkeit getestet wurden.


Zusammenhang mit anderen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten
und dem Reizdarm-Syndrom

Sehr häufig tritt die Oligosaccharid-Unverträglichkeit in Zusammenhang mit einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit auf. Oftmals sind die Betroffenen, die hier bereits alle erforderlichen Ernährungsregeln einhalten ganz verzweifelt, weil sie trotz allem immer wieder quälende Beschwerden haben.

Weiterhin kann es schwierig sein, eine Abgrenzung und Unterscheidung zwischen einer Gluten-Sensitivität (Gluten-Unverträglichkeit ohne autoimmune Beteiligung wie bei der Zöliakie) oder auch einer Weizenallergie zu ziehen, denn sowohl bei diesen beiden Erkrankungen als auch bei der Oligosaccharid-Unverträglichkeit ist der Weizen bzw. weitere glutenhaltige Getreidearten der Auslöser von Beschwerden.

Eben aufgrund dieser Schwierigkeiten und – vor allem – aufgrund des noch fehlenden Bekanntheitsgrades der Oligosaccharid-Unverträglichkeit wird heute leider viel zu oft die Diagnose »Reizdarm-Syndrom« gestellt, dessen Behandlung überwiegend symptomatisch und nicht durch eine wirkliche Beseitigung der Ursachen erfolgt.

Somit ist es unbedingt erforderlich, dass sich das medizinische Fachpersonal (Ärzte, Heilpraktiker, Ernährungs- und Gesundheitsberater) über diese Nahrungsmittel-Unverträglichkeit informiert und zuerst abklärt, ob ggf. eine Oligosaccharid-Unverträglichkeit vorliegt, bevor die für den Patienten eher diffuse Reizdarm-Diagnose ausgesprochen wird.

Oftmals werden Verdauungsprobleme, die denen der Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten gleichen, auch von einer unzureichenden Gallenfunktion verursacht oder zumindest verstärkt. Lassen Sie ggf. von einem qualifizierten Arzt abklären, ob dieses Organ bei Ihnen ausreichend arbeitet oder ob Sie u.U. sogar Gallensteine haben, die mit der Gallenblase entfern werden müssten (lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Verdauungsbeschwerden durch Gallenfunktionsstörungen«.


Ist die Oligosaccharid-Unverträglichkeit heilbar?
Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten sind – sofern sie nicht durch eine entzündliche Darmerkrankung hervorgerufen wurden – nicht heilbar. Sie können lediglich versuchen, durch eine angepasste Ernährung, die Pflege von Darmschleimhaut und Darmflora und ggf. mit Unterstützung von Enzym-Präparaten oder auch geeigneten Naturheilmethoden die Ausprägung von Beschwerden so gering wie möglich zu halten.


Empfehlung:
Eine zusätzliche Hilfe bei der Ermittlung geeigneter Lebensmittel stellt die
»DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank« dar. Informieren Sie sich hier.











Lesen Sie hierzu auch folgende Beiträge:
Diagnose der Oligosaccharid-Unverträglichkeit
Behandlung der Oligosaccharid-Unverträglichkeit

Empfehlenswerte Literatur:
Kurz und klar: Oligosaccharid-Unverträglichkeit