Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.4.2016

Ursachen des Reizdarm-Syndroms


Was sind die Ursachen für ein Reizdarm-Syndrom?
Die Ursachen für das Auftreten eines Reizdarm-Syndroms sind heute noch immer nicht ganz geklärt. Vermutet wird u.a. eine Beteiligung des Botenstoffes Serotonin, der bei der Nervenreizleitung für die Steuerung der Darmfunktion und der Schmerzwahrnehmung mit verantwortlich ist.

Weiterhin ermittelte Prof. Dr. Paul Enck, Forschungsleiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübigen, dass mit größter Wahrscheinlichkeit bei der Entwicklung oder Art und Ausprägung der Symptome auch in der Vergangenheit durchgemachte schwere infektiöse Entzündungen des Darmes eine Rolle spielen könnten, beispielsweise Infektionen mit Salmonellen oder auch dem Bakterium Camphylobacter, die nicht schnell und komplett mit geeigneten Mitteln (Antibiotika) behandelt wurden.

Dr. Mark Pimentel, Assistant Professor of Medicine an der University of California, Los Angeles (UCLA) und Direktor des »Gastrointestinal Motility Program« im Cedars-Sinai Medical Center ermittelte in dem von ihm geleiteten Projekt, dass bei rund 80% der von Reizdarm-Syndrom Betroffenen der Dünndarm mit Dickdarmbakterien fehlbesiedelt ist. Der Großteil seiner in dem Programm entsprechend behandelten Patienten war danach beschwerdefrei. Je konsequenter sich die Patienten an die daran anschließenden Ernährungs- und Verhaltensvorschriften hielten, desto seltener traten Rückfälle auf (lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Dünndarmfehlbesiedelung als Ursache des Reizdarm-Syndroms«).

In einer anderen Arbeit haben Forscher der Technischen Universität München (Prof. Michael Schemann und sein Team) ermittelt, dass winzige, sogenannte Mikroentzündungen der Darmschleimhaut ebenfalls ein Reizdarm-Syndrom bzw. Symptome des Reizdarm-Syndroms bedingen können, denn durch diese Mikroentzündungen werden sogenannte Entzündungs-Mediatoren gebildet, die die Aktivität der Darmnerven beeinflussen können. Und – wie oben beschrieben – sind die Darmnerven (auch Bauchhirn genannt) mit dafür verantwortlich, ob und in welcher Intensität Darmbewegungen als normal oder als Schmerz empfunden werden. Diese Mikroentzündungen sind bei bildgebenden Untersuchungen (Röntgen, MRT) nicht erkennbar, und werden auch nur mit Glück oder durch Zufall bei sorgfältig durchgeführten Darmspiegelungen entdeckt.

Eine Studie von Professor John Hermon-Taylor und seinem Team vom St. George's Hospital Medical School hat mit einem Testverfahren »eventuell« den Beweis erbracht, dass Bakterien als Ursache für die Crohn'sche Krankheit (Morbus Crohn) infrage kommen, denn bei 92% von Betroffenen wurde in Darmschleimhautproben das Bakterium Mycobacterium avium paratuberculosis (MAP) festgestellt. In einer Kontrollgruppe wurde in 26% ein positives Ergebnis festgestellt. »Damit dürfte eine wesentliche Rolle des Mycobacterium avium paratuberculosis an der Entstehung des Morbus Crohn erwiesen sein«, so John Hermon-Taylor und sein Team.

Prof. Hermon-Taylor berichtete mit einem Verweis auf Forschungen in Schweden, dass der Erreger MAP gegebenenfalls auch am Reizdarm-Syndrom beteiligt ist (www.probios.ch).
Bis der definitive Beweis erbracht worden ist, dass das Bakterium MAP wirklich für das Reizdarm-Syndrom (mit)verantwortlich ist, wird es mit Sicherheit noch einige Jahre dauern. Somit kann die Frage, ob MAP (auch) eine Ursache des Reizdarm-Syndroms sein kann, noch nicht abschließend beantwortet werden.

Ist eine Vorbeugung möglich?
Es gibt keine speziellen Vorbeugemaßnahmen, um ein Reizdarm-Syndrom zu verhindern. Jedoch ist es immer sinnvoll, durch eine gesunde, vollwertige Ernährung und eine insgesamt gesunde Lebensweise ohne Tabak und Alkohol, mit ausreichender Bewegung und einer guten Balance zwischen Anregung und Entspannung für eine stabile Gesundheit und insbesondere für eine gesunde Verdauung zu sorgen. Zwar ist eine solche Lebensweise kein Garant dafür, nicht an einem Reizdarm-Syndrom zu erkranken, jedoch erhöht es die Chancen auf eine dauerhafte Darmgesundheit.

Bei Vorliegen von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und/oder -Allergien ist es besonders wichtig, die unverträglichen Stoffe konsequent zu meiden, um Reizungen des Darmes und somit einen eventuellen Ausbruch eines Reizdarm-Syndroms zu verhindern.



Lesen Sie auch folgende Beträge:
Reizdarm-Syndrom – was ist das?
Diagnose des Reizdarm-Syndroms
Behandlung des Reizdarm-Syndroms
Dünndarmfehlbesiedelung als Ursache des Reizdarm-Syndroms



Empfehlenswerte Literatur:

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