Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.12.2016

Superfood – super gut?




 
Noni, Goji- und Aronia-Beeren, Chlorella- und Spirulina-Algen, Baobab, Acerola-Kirschen, Gerstengras und Chia-Samen … – diese Liste ließe sich noch sehr viel weiter ergänzen mit all den Lebensmitteln, die als so genanntes »Superfood« beworben werden und uns wahre Wunderwirkungen in Bezug auf unsere Gesundheit versprechen.
 

Hintergründe
Was ist dran an diesen Produkten und wo sollte man aufmerken? Es soll gar nicht angezweifelt werden, dass viele dieser als Superfood gehandelten Pflanzen, Früchte und Gemüse gesunde Inhaltsstoffe haben. Den meisten gemein ist, dass sie von weit her zu uns kommen und zuerst einmal exotisch und damit auch verlockend klingen. Da muss doch was dran sein, wenn die Ureinwohner vieler Länder damit ihre Krankheiten kurieren bzw. diesen Erkrankungen vorbeugen. Tatsächlich leiden die wenigsten der Aborigines in Australien oder auch die Buschleute in Botswana in Afrika, die wirklich noch ursprünglich leben und sich ernähren, an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder dem metabolischen Syndrom – um nur einige unserer »Zivilisationskrankheiten« zu nennen. Da ist viel zu schnell und viel zu unüberlegt ein Zusammenhang mit den angeblichen Geheimmitteln hergestellt, die vorgeblich die Menschen in diesen Regionen vor unseren Krankheiten schützen.

Viele Menschen auch in unseren Landstrichen waren früher – also ohne unsere so genannte Zivilisation – sehr viel gesünder, als wir es großteilig heute sind, ohne die Segnungen der fremden Superfoods zu kennen. Die durchschnittlich geringere Lebenserwartung ergab sich aus einer wesentlich höheren Säuglingssterblichkeit, einem größeren Verletzungsrisiko und dem Fehlen von Medikamenten und Operationstechniken, die heute im Ernstfalle Leben retten können.

Selbst wenn tatsächlich einige der oben aufgeführten Produkte als Frischware auch bei uns als »gesund« eingestuft würden, ist aber grundsätzlich die Betrachtung einzelner, isolierter Stoffe in einem Lebensmittel wenig sinnvoll – übrigens genauso wenig, wie auch bei unseren einheimischen Lebensmitteln. Eine gesunde Ernährung ergibt sich zwar auch (!) aus der Auswahl der einzelnen Lebensmittel, insgesamt muss aber immer die Kombination von allen verzehrten Lebensmitteln betrachtet werden. Ein Lebensmittel mag wertvolle Stoffe enthalten, wird es jedoch im Übermaß verzehrt und dabei nicht auch auf alle anderen Nahrungsmittel geachtet, ist der angebliche »Supereffekt« schnell dahin.

Aufgrund langer Transportwege und -zeiten mindert sich zudem natürlich auch die Frische der Lebensmittel! Ein ach so hochgelobter Vitamingehalt kann dann sicherlich um einen nicht unbeträchtlichen Anteil schrumpfen – und schon hat das angebliche Superfood in dieser Beziehung kaum noch etwas zu bieten. Weiterhin kann der Verderb, der nach der Ernte auch bei bester Kühlung bei jedem Lebensmittel rasch einsetzt, insbesondere Menschen mit einer Histamin-Intoleranz (Histaminose) zu schaffen machen: aufgrund unkalkulierbarer Lagerzeiten und -bedingungen kann der Histamingehalt drastisch ansteigen und ein an sich verträgliches Lebensmittel größere Probleme auslösen. In der »DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank« gibt es aus diesen Gründen bei solchen Lebensmitteln immer einen entsprechenden Hinweis in der Beschreibung, und auch die Kennzeichnung ist dahingehend angepasst.
 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker
Hinzu kommt, dass einige dieser »fremden« Lebensmittel für den uninformierten Laien durchaus größere Risiken darstellen können. Wussten Sie zum Beispiel, dass Chia-Samen ebenso effektiv wirken können wie ein blutverdünnendes Medikament? Hier reicht schon der regelmäßige Verzehr von etwa zwei Teelöffeln pro Tag – und diese Menge mischen sich viele Gesundheitsbewusste täglich in ihr Müsli.

Unter »normalen« Umständen ist das selten ein Problem, aber bei Menschen, die aus verschiedenen Gründen blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, kann der zusätzliche Verzehr der Chia-Samen die Wirkung dieser Arzneien mit der Folge von schweren Nebenwirkungen vervielfachen. Und falls z.B. eine Operation ansteht, bei der zwar auf die Notwenigkeit des rechtzeitigen Absetzens entsprechender Medikamente hingewiesen wird, können die Chia-Samen zu unkalkulierbaren Nebenwirkungen führen.

Solche Warnungen ließen sich fortsetzen, das eine Beispiel soll aber genügen, für mögliche Problematiken sensibilisieren. Der einheimische Konsument weiß aus jahrhundertelanger Tradition, welche Lebensmittel in welchen Mengen guttun und ggf. auch, welche Heilwirkungen aber auch Nebenwirkungen sie haben können. Wir kennen »unsere« pflanzlichen Heilmittel auch und wissen (hoffentlich) um mögliche Nebenwirkungen. Bei exotischen Lebensmitteln muss diese kritische Betrachtungsweise jedoch noch erlernt werden, weder Ärzte noch Apotheker wissen hier in der Regel Bescheid – und verschreiben oder verkaufen Ihnen diese Lebensmittel ja auch nicht.
 

Unkalkulierbarer Schadstoffgehalt
Oft auch unkalkulierbar ist gerade bei Produkten aus ärmeren Ländern der Schadstoffgehalt. Hier gibt es (noch) weniger Garantien für eine schadstoffarme Produktion. Die Gesetze in diesen Ländern sind kaum nachzuvollziehen und noch viel weniger deren Einhaltung. Somit kann aus einem eigentlich recht gesunden Lebensmittel rasch eine Schadstoffbombe werden, mit der man seiner Gesundheit mehr schadet als nützt.

Gerade bei diesen Lebensmitteln, die häufig auch als Extrake in Nahrungsergänzungsmitteln angeboten werden, ist der Bezug über das Internet und hier zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus mehr oder weniger dubiosen Quellen sehr verbreitet. So lässt sich scheinbar eine Menge Geld sparen, denn wer prüft und vergleicht schon die enthaltenen Mengen oder gar Herkunft und Produktionsbedingungen des Inhalts in den Kapseln und Pülverchen – zumal in diesen Produkten meist unübersichtlich und verwirrend viele Inhaltsstoffe verpanscht sind, oft nach dem Motto »viel hilft viel«.
 

Wirkungen auf die Umwelt
Darüber hinaus ist es für die Umwelt und in der Folge dadurch auch für uns Menschen ganz bestimmt nicht zuträglich, wenn Lebensmittel über viele Tausend Kilometer per Flugzeug, Schiff, Bahn und LKW transportiert werden. Dabei wird unnötig viel Energie verbraucht und unmäßig viele Schadstoffe werden ausgestoßen, die Luft, Wasser und Erdreich verpesten. Das kann nicht der Sinn von als Superfood angepriesenen Lebensmitteln sein.
 

Förderung von Einkommensmöglichkeiten von Menschen in ärmeren Ländern
Es gibt aber natürlich auch eine andere Seite der Medaille: Der Anbau und die Produktion einiger dieser Lebensmittel kann Menschen in ärmeren Regionen dieser Welt ein Einkommen ermöglichen. Voraussetzung ist dabei selbstverständlich ein fairer Handel! Werden die Arbeiterinnen und Arbeiter, die diese Produkte erzeugen, ausgebeutet, wäre dies ein weiterer Hinderungsgrund, solche Lebensmittel bei uns zu kaufen und damit die Profitmacher zu unterstützen. Darüber hinaus gilt es natürlich auch, darauf zu achten, dass die Lebensbedingungen der Einheimischen nicht durch das Abschöpfen von Nahrungsmitteln und Recourcen verschlechtert werden.
 

Faustregeln für Superfood
Was macht also ein Lebensmittel zu einem Superfood? Zum einen sind es die Inhaltsstoffe. Das gilt aber natürlich nicht nur für Exoten, sondern genauso gut auch für viele unserer einheimischen Lebensmittel. Weiterhin gibt es einige einfache Faustregeln:

1. Je frischer ein Lebensmittel ist, desto mehr Vitamine enthält es.
2. Je schonender es zubereitet wird, desto höher sind Vitamin- und Mineralstoffgehalte.
3. Je reichhaltiger Ihre Lebensmittel-Palette ist, desto gesünder ist die Ernährung.
4. Bevorzugen Sie biologisch erzeugtes Gemüse, Obst und Fleisch, um den Schadstoffgehalt zu minimieren.
5. Je regionaler Sie einkaufen, desto kürzer werden die Transportwege.
6. Je mehr Sie Lebensmittel nach Jahreszeit und Anbauzyklus auswählen, desto weniger Energie muss für die Lagerung aufgewendet werden.
 

Klug entscheiden
Wenn Sie neben einheimischen Lebensmitteln, die Sie möglichst abwechslungsreich und ggf. abgestimmt auf eventuelle Unverträglichkeiten auswählen sollten, auch ab und an (!) das eine oder andere exotische Lebensmittel hinzufügen, bei dem Sie so weit wie möglich auf einen schadstoffarmen Anbau und fairen Handel achten, können Sie bei allen Bedenken vielleicht doch den Spagat hinbekommen: Eine gesunde Ernährung für Sie selbst, die Erweiterung Ihres Speisezettels, einen größtmöglichen Schutz der Umwelt und die Unterstützung von Menschen aus ärmeren Ländern.

Zu einem Superfood gehört also vor allem Köpfchen! Guten Appetit.
 


 

Empfehlung:
Eine zusätzliche Hilfe bei der Ermittlung geeigneter Lebensmittel ist die
»DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank«
Informieren Sie sich hier.