Letzte Aktualisierung: 14.4.2018

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Facebookeintrag vom 19.2.2013

Ich beziehe Stellung!

Mit Geld spielt man nicht ...

dieser Werbespruch einer großen Versicherungsgesellschaft hat sich eingeprägt.

Aber mit der Gesundheit ganzer Völker darf man offensichtlich spielen – oder zumindest wird den immer wieder erfolgreichen Versuchen geldgieriger Hersteller von Nahrungsmitteln (die diese Bezeichnung kaum verdienen) nicht der wirksame Riegel vorgeschoben.

So wundert es (zumindest mich) wenig, dass Pferdefleischskandale, Dioxinskandale, Gammelfleischskandale und diverse weitere Skandale nicht abreißen: Jeder Politiker, der meint, etwas dazu zu sagen zu haben (wie viel das immer auch sei) – allen voran die diversen Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz – legen hektischen Aktionismus an den Tag und verkünden, welche Maßnahmen sie ergreifen werden, damit solchen Machenschaften ein für alle Mal ein Riegel vorgeschoben wird.

Und was passiert? Ich will es mal vorsichtig ausdrücken und so formulieren: nicht genug, denn bisher zumindest folgte der jeweils nächste Skandal so sicher wie das Amen in der Kirche.

Aber die Verbraucher sind zuerst einmal ruhig gestellt – und schließlich sind die Skandale dann doch allesamt recht rasch wieder in Vergessenheit geraten – zumindest so rasch, dass das liebe Wählervolk dann doch wieder brav den gleichen Parteien die Legitimation zum immer wieder gleichen Spiel gab.

Und wir lassen uns Fertiggerichte, Eier und Gammelfleisch immer noch oder immer wieder richtig schmecken – denn wir sind ja nicht bereit, adäquate Summen dafür zu bezahlen: Geiz ist geil!

Und es brauchen ja noch nicht einmal Nahrungsmittel sein, die durch Ekel-Skandale in Verruf gekommen sind – nein, wir nehmen auch Fleisch von Tieren, die aufgrund von Subventionsausnutzung ganz legal quer durch die Lande gekarrt werden – z.B. Krabben, die in der appetitlich sauberen Nordsee gefangen, dann nach Was-weiß-ich-wo (z.B. Marokko) geschafft werden zu Pulen, um dann in Ich-weiß-auch-nicht-wo verpackt werden, um dann als frische Nordseekrabben in den deutschen Einkaufskorb zu gelangen. Der Nordseefischer bekommt für seine Arbeit fast nichts, die Pulerinnen bekommen fast nichts und alle anderen auch nur unangemessen wenig. Und umwelttechnisch haben sie riesige Mengen an Energie verschlungen, um von A über B nach C transportiert zu werden.

Der uninformierte Verbraucher denkt trotzdem, wie teuer diese Krabben sind. »Aber sie sind ja schließlich regional und aus deutschen Landen«.

Aus deutschen Landen, ja, ähnlich wie der Schwarzwälder Schinken, der zwar in Deuschland verpackt (und vielleicht auch noch ein wenig bearbeitet) wurde – aber die Schweine sind aus Belgien, den Niederlanden oder sonst wo her. Unser Deutsches Recht lässt es zu, dass Produzenten uns dermaßen an der Naser herumführen (dürfen).

Wie kann es überhaupt zu solchen Skandalen (und all denen, von denen wir gar nichts mitkriegen) überhaupt kommen?

Viel zu viele Menschen (ehrliche und unehrliche) sind an den Herstellungsprozessen von Nahrungsmitteln beteiligt. Und da bekanntlich viele Köchen den Brei verderben, kommt auch selten etwas Gutes bei solchen Gemengelagen heraus. Vor allem aber hat je niemand Klarheit über die gesamte Produktionskette – jeder Bearbeiter kennt gerade mal seinen Lieferanten. Woher der seine Ware bekommen hat, liegt bereits im Dunkeln. Selbst wenn wir voraussetzen, dass die meisten Glieder in dieser Kette bei der Herstellung eines Nahrungsmittels keine unlauteren Absichten haben (Geld verdienen wollen ist ja an sich nichts Unehrenhaftes), so ist vor allem der direkte Kontakt zwischen Erzeuger und Verbraucher nicht mehr gegeben. Und damit fehlt die wirkungsvolle Möglichkeit, dem Produzenten eine Rückmeldung und damit Ansporn zu geben, hochwertige Produkte herzustellen.

Dem Bauern, der mir seine eigenen Produkte ab Hof verkauft, kann ich sagen: »das schmeckt oder das schmeckt nicht, oder das hält mich gesund oder ich bin krank geworden«. Diese Rückmeldungen geben zum einen dem Hersteller die Möglichkeit, seine Produktionsmethoden ggf. zu überdenken (z.B. weil er mich sonst als Kunden verliert) und mir die Möglichkeit zu sehen (oder zu erfragen), was ich für Qualität kaufe und/oder zu entscheiden, ob ist so etwas kaufen will.

Bei den langen und anonymisierten Herstellungsverfahren hat man diese Möglichkeiten nicht – der Prodzent hat den Kontakt zum Verbraucher verloren – dieser ist ihm somit mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenso egal wie dann leider auch die Qualität der eigenen Produkte. Ausschlaggebend für seine Motivation ist lediglich der Gewinn – und dieser lässt sich mit diversen (appetitlichen und leider auch unappetitlichen) Methoden trefflich steigern.

Was können wir selber tun, damit sich edlich etwas bewegt? Natürlich können wir bei der nächsten Bundestagwahl die richtige Partei wählen – nur welche ist das? Selbstverständlich habe ich meine Favoriten, von denen ich mir eine bessere Verbraucherpolitik verspreche, aber eine Garantie habe ich nicht, dass diese Partei die gegebenen Versprechen auch einhält.

Somit bleibt nur die Abstrafung unlauterer Herstellermethoden durch Verweigerung: Jedes Produkt, das auch nur den Anschein erweckt, seine Herkunft oder seine Inhaltsstoffe verschleiern zu wollen, sollte nicht mehr in den Einkaufskorb gelegt werden. Das ist schwer, vielleicht sogar sehr schwer, aber wenn wir alle erst einmal mit einem ersten Schritt in diese Richtung gebinnen, werden die Hersteller hoffentlich anfangen, ihre Machenschaften zu überdenken.

Mir persönlich ist meine Gesundheit und die meiner Kinder und Enkel jedenfalls wichtig genug, als dass ich diese Gesundheit zum Spielball freigeben würde.

Ich werde in Zukunft nur noch das kaufen und essen, wovon ich weiß (oder zumindest doch sehr überzeugt bin), dass es meiner Gesundheit zumindest nicht schadet, ja hoffentlich eher nutzt.

Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Beitrag teilt.

Eure Doris Paas

P.S. hier ist ein Link zum sehr vergnüglichen Radiokabarett im WDR 2 mit Volker Pispers vom heutigen Tage mit dem Titel »Etikettenschwindel«

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