Letzte Aktualisierung: 29.10.2022

Behandlungsgrundsätze

bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten


Diagnose

Vor der Behandlung einer jeden Nahrungsmittel-Unverträglichkeit steht eine sorgfältige Diagnose. Hierfür stehen zahlreiche geeignete – aber auch einige eher ungeeignete – Mittel zur Verfügung. Dies sind zum einen das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs (Verzehrtagebuchs), ggf. eine gezielte Suchdiät, aber auch die verschiedenen Atem- und (bei der Laktose-Intoleranz) auch ein Bluttest. Den Atem- (und Blut-)tests sollte aber auch immer schon ein begründeter Verdacht vorausgehen, denn solche Tests auf »blauen Dunst« hin anzuberaumen – sei es in einer Arztpraxis oder aber auch als Sebsttest – wäre eine teure Angelegenheit. Denn man müsste ja u.U. mehrere Tests durchführen, von denen dann wahrscheinlich einige vollkommen überflüssig wären.

o Erste Einschätzung
Zunächst muss man für eine erste Einschätzung schauen, welche Nahrungsmittel verantwortlich sein könnten. Dies geschieht am besten erst einmal durch das aufmerksame Beobachten der Ernährung: was esse ich und wann habe ich Beschwerden? Bekomme ich Probleme, wenn ich Milchprodukte esse oder ist es eher Obst oder auch Brot und Gebäck? Sie können sich hierzu auch gerne den Fragebogen zur Selbstdiagnose von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, einem Reizdarm-Syndrom oder einer Dünndarmfehlbesiedelung aus dem Downloadbereich herunterladen und ausfüllen.

Übrigens: Bei einem Verdacht auf eine Intoleranz ist es nicht zielführend, gleich alle möglichen Lebensmittel wegzulassen, sondern eben zunächst zu schauen, welche Nahrungsmittel verantwortlich sein könnten. Mit größerer Wahrscheinlichkeit würden bei einer Unverträglichkeit die Beschwerden zurückgehen, wenn Sie alle möglichen Beschwerdeverursacher weglassen. Aber wirklich schlauer sind Sie dann auch nicht, denn es sind unter den nicht mehr verzehrten Lebensmitteln ja auch sehr viele, die gar keine Probleme gemacht hätten. Ziel einer jeden Behandlung und Diät sollte es nämlich sein, noch so viele Lebensmittel wie möglich zu verzehren, weil davon auch die Gesundheit und Diversität (Vielfältigkeit) der Mikrobiota (früher unter dem Namen »Darmflora« bekannt) abhängt.

Bevor man nun also voreilig beginnt, alle erdenklichen Bestandteile dauerhaft vom Speisezettel zu streichen, sollte man nach einer solchen Ersteinschätzung nun genauer ermitteln, welche Nahrungsbestandteile wirklich Probleme bereiten, denn nicht immer sind es alle möglichen Verdächtigen, die bei jedem Menschen zu Beschwerden führen müssen. Deshalb ist es immer erforderlich, die wirklichen Beschwerdeverursacher zu entlarven. Zudem führt eine dauerhaft stark eingeschränkte Speisenauswahl zu einer drastischen Senkung der Lebensqualität, was bei intelligenter Herangehensweise überhaupt nicht nötig ist.

o Genauere Ermittlung möglicher Beschwerdeverursacher
Hilfreich zur genaueren Ermittlung eventueller Beschwerdeverursacher ist das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs (Verzehrtagebuch). Hier tragen Sie über ein bis zwei Wochen alles ein, was Sie wann essen und trinken und wann Beschwerden auftreten. Wichtig bei der Beurteilung ist immer, dass Sie einen zeitlichen Versatz berücksichtigen, denn die Symptome treten in der Regel nicht sofort nach dem Verzehr eines unverträglichlichen Lebensmittels auf, sondern z.T. erst einige Stunden später (schauen Sie sich hierzu gerne das dreiteilige Tutorial zur Abgrenzung von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und -Allergien an). Es ist also ein wenig Spürsinn erforderlich. Sie können sich unter dem Menüpunkt »Downloads« einen kostenlosen Vordruck für ein solches Tagebuch herunterladen. Gerne helfe ich Ihnen auch im Rahmen einer Beratung bei der Auswertung Ihrer Aufzeichnungen.

o Provokation
Wenn man durch die vorangegangenen Einschätzungen glaubt, den (oder die) möglichen Beschwerdeverursacher identifiziert zu haben, kann man versuchen, diesen Verdacht zu erhärten. Dies kann relativ einfach durch ein vorübergehendes Weglassen und ein späteres, bewusstes, erneutes Verzehren der entsprechenden Nahrungsmittel geschehen.

In meinem ersten Schritt werden dazu für mindestens 4 Tage konsequent alle Lebensmittel weggelassen, die den entsprechenden Stoff enthalten (also z.B. Milchzucker oder auch Fruchtzucker). In dieser Zeit sollten die Beschwerden deutlich zurück gehen. In einem zweiten Schritt werden dann genau diese Lebensmittel wieder verzehrt – und zwar nicht zurückhaltend, sondern bewusst reichlich. Kehren die Beschwerden wieder zurück, ist dies ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass Ihr Verdacht richtig gewesen ist. Bleiben Sie beschwerdefrei, sind andere Ursachen für Ihre Beschwerden wahrscheinlicher.

o Atemtests
Sobald man den (oder die) möglichen Beschwerdeverursacher eingekreist hat, sollte man die Diagnose durch geeignete Tests verifizieren. Der »Goldstandard« sind Atemtests, bei denen nach dem Trinken geeigneter Testlösungen durch anschließendes Pusten in ein Testgerät oder in vakuumierte Teströhrchen der gehalt bestimmter Atemgase gemessen wird. Lesen Sie mehr darüber im Beitrag »Grundlagen von Atemtests zur Diagnose von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und Dünndarmfehlbesiedelung«. Für die Diagnose einer Laktose-Intoleranz (und nur für diese) gibt es zudem einen Bluttest. Genauer ist jedoch der Atemtest, der allerdings gerne in Hausartzpraxen zu Erhöhung der Aussagekraft auch mit dem Blusstest kombiniert wird.

Erst nach dieser umfassenden Diagnostik kann mit Sicherheit gesagt werden, ob eine Unverträglichkeit vorliegt oder auch nicht.

Die im vorigen beschriebenen Tests beziehen sich auf die Kohlenhydrat-Unverträglichkeiten Milchzucker-Unverträglichkeit und die Fruktosemalabsorption, aber auch eine Sorbit-Intoleranz kann so diagnostiziert werden. Einige andere Unverträglichkeiten, wie die Oligosaccharid-Unverträglichkeit oder auch die Histamin-Intoleranz, die Gluten-Unverträglichkeit (Gluten-Sensitivität) und erst recht die Zöliakie benötigen andere diagnostische Vorgehensweisen.


Allgemeine Behandlungsmaßnahmen

Für jede Nahrungsmittel-Unverträglichkeit gibt es natürlich ganz spezielle Behandlungsmöglichkeiten. Einige Grundsätze gelten jedoch bei allen Arten von Intoleranzen: die weitestgehende Meidung der unverträglichen Stoffe. Manchmal ist es dauerhaft erforderlich, diese Stoffe zu meiden. In vielen Fällen jedoch kann man nach einer vorübergehenden Zeitspanne diese Stoffe wieder verzehren – das ist abhängig davon, was die Ursache der Unverträglichkeit ist.

o Weglassen der unverträglichen Nahrungsmittel (Karenz)
Nachdem die Diagnose »Nahrungsmittel-Unverträglichkeit« gestellt wurde – beispielsweise Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktoseintoleranz), Fruchtzucker-Unverträglichkeit (Fruktosemalabsorption), Oligosaccharid-Unverträglichkeit oder andere – ist es erforderlich, die entsprechenden Beschwerdeverursacher zunächst weitestgehend zu meiden. Dies ist die Zeit der absoluten Karenz – also eine Zeit des völligen Weglassens aller ermittelten und/oder eventuellen Beschwerdeverursacher. Dies kann – wenn man möchte – sogar eine Zeit des Fastens sein, in der wirklich außer Getränken keinerlei Nahrung zu sich genommen wird. Aber auch eine Ernährung mit wenigen, unverdächtigen Lebensmitteln kann dazu führen, dass die Beschwerden, die einen bisher gequält haben, nachlassen und verschwinden.

Nach dieser Zeit der absoluten Karenz, in der man völlig beschwerdefrei geworden sein sollte, kann man langsam und angepasst an die individuelle(n) Unverträglichkeit(en) beginnen, vorsichtig das eine oder andere zusätzliche Lebensmittel wieder dem eingeschränkten Speiseplan hinzuzufügen und schauen, ob es vertragen wird oder vielleicht auch nicht. Hierbei ist es unabdingbar, die erforderliche Geduld aufzubringen. Beginnen Sie erstens nicht zu früh damit, bisher unverträgliche Nahrungsmittel wiedereinzuführen, und lassen Sie sich auch bei der Wiedereinführung genügend Zeit.

Es gibt Unverträglichkeiten, die aufgrund einer genetischen Disposition entstanden sind. Diese können sich nicht zurückbilden, d.h. Wiedereinführungsversuche werden erfolglos bleiben. Aber viele Unverträglichkeiten entstehen in der Folge einer lädierten Darmschleimhaut. Wenn durch eine Diät, bei der Beschwerdeverursacher gemieden werden, die in der Regel auch gleichzeitig die Verursacher der Schleimhautschädigung gewesen sind, dann kann die Karenz dazu beitragen, die Schleimhaut auszuheilen. Erst wenn dieser Heilungsprozess abgeschlossen ist, kann eine Aufweichung der Karenz erfolgreich sein. Ungeduld würde diesen Heilungsprozess unterbrechen – sie nützt also wenig.

Auch die Wiedereinführung der Lebensmittel sollte so behutsam wie möglich vonstatten gehen. Von einem Tag auf den anderen gleich wieder alle Lebensmittel und diese in jeder Menge zu essen, die lange Zeit vorher nicht bekömmlich waren, ist keine gute Idee. Ihr Verdauungssystem – allem voran Ihre Darmbakterien – müssen sich erst wieder an die neue Zusammensetzung der Nahrung gewöhnen und anpassen. Geben Sie sich also bitte genügend Zeit.


Empfehlung:
Eine zusätzliche Hilfe bei der Ermittlung geeigneter Lebensmittel stellt die
»DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank« dar. Informieren Sie sich hier.


 
Darmgymnastik – unverzichtbare Begleitmaßnahme bei jeder Behandlung

Darmgymnastik Bei der Behandung und zur Vorbeugung unangenehmer Symptome einer jeden Nahrungsmittel-Unverträglichkeit und bakteriellen Fehlbesiedelungen der verschiedenen Darmabschnitte ist neben allen oben beschriebenen Maßnahmen grundsätzlich die kontinuierliche Bewegung eine unverzichtbare Komponente. Hier und bei allen Verdauungsbeschwerden ist wichtig, dass der Transport des Speisebreis durch den Darm so gleichmäßig wie möglich abläuft. Dies wird am besten erreicht mit einer kontinuierlichen Anregung der Verdauungsdrüsen und des Darms. Dazu eignen sich weniger die wenigen sportlichen Aktivitäten am Abend oder am Wochenende, sondern in möglichst engmaschigen zeitlichen Abständen durchgeführte Atem- und Bewegungsübungen.

In dem Buch »Darmgymnastik & mehr gegen Verdauungsbeschwerden« finden Sie viele Anregungen dazu. Zusätzlich sind Akupressurpunkte aufgeführt, deren Stimulation bei allen Verdauungsbeschwerden wirksam sind. Weiterhin werden zusätzliche Hilfsmaßnahmen und Hilfsmittel vorgestellt, die die Behandlung von Verdauungsproblemen effektiv unterstützen können. Und last, but not least, gibt es ein Kapitel mit Fragen, die in meiner Praxis immer wieder zu diesem Themenkomplex gestellt werden.


Spezifische Behandlungsmaßnahmen

Die für jede Unverträglichkeit spezifischen Behandlungsmaßnahmen finden Sie in den entsprechenden Kapiteln und Beiträgen unter dem Menüpunkt »Wissensdatenbank/Unverträglichkeiten«.


 
Beratung

Gerne biete ich Ihnen eine individuelle Beratung an – auf Wunsch auch telefonisch oder per Zoom oder Skype.
Bitte informieren Sie sich unter dem Menüpunkt »Praxis«.




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