Mit einer Laktose-Intoleranz ist es gerade auf Reisen nicht immer leicht, eine
möglichst milchzuckerfreie Ernährung zu sich zu nehmen. Seien es
Sprachschwierigkeiten oder aber Probleme, laktosefreie Nahrungsmittel zu
erwerben – nicht immer ist es in fremden Ländern einfach, sich so zu
ernähren, dass die Verdauung nicht durcheinander gerät und die
schönsten Tage des Jahres nicht belastet werden.
Grundsätzlich versuche ich, auch auf Reisen eine möglichst laktosefreie
Kost zu mir zu nehmen, denn mir persönlich bekommen die Laktase-Präparate
nur sehr begrenzt. Da schon nach wenigen Tabletten oder Kapseln gerade durch die Präparate
Probleme auftreten, stellen sie für mich nur im absoluten Notfall eine
Alternative dar.
An meinen Erfahrungen, auch auf Reisen eine konsequent laktosefreie Kost zu
verzehren, möchte ich Sie an dieser Stelle teilhaben lassen. Sicherlich
sind die einzelnen Wahrnehmungen lediglich subjektiv, deshalb würde ich
mich freuen, wenn Sie auch Ihre Beobachtungen für die Leser dieser Website
bereitstellen könnten. Bitte senden Sie mir eine
eMail.
Für Ihre Mühe bedanke ich mich schon heute ganz herzlich.
Ihre Doris Paas
P.S. Und noch ein kleiner Hinweis für Reisen in fremdsprachige Länder:
»
DAS LAKTOSE-INTOLERANZ BUCH«
hält Übersetzungen in 13 Sprachen u.a. für die
Speisenauswahl in Restaurants bereit.
Die Berichte sind alphabetisch nach Ländern geordnet.
Ägypten
(2008) Die meisten Reisen in dieses überwältigende Land werden sicherlich
als Pauschalreise angeboten, bei denen eine Besichtigungstour an die andere gereiht
wird. So war auch unsere Reise eine der beliebten Kreuzfahrten auf dem Nil, bei
der wir die vielen Tempel zwischen Luxor und Assuan bestaunen konnten.
Auf den Schiffen ist man selbstverständlich vollkommen auf die Bordküche
angewiesen. Dies stellte aber keinerlei Problem dar, denn zum einen enthält
die landestypische Küche einen wesentlich geringeren Anteil an milchzuckerhaltigen
Speisen als unsere deutsche Küche, weil der Anteil der laktoseintoleranten
Menschen bei den Ägyptern wesentlich höher ist als bei uns.
Zum anderen ist das Personal, dessen Nationalitäten sehr bunt gemischt waren,
sehr aufgeschlossen und immer bereit gewesen, mir verlässlich Auskunft über
die Zutaten zu geben. Die Mitarbeiter bekommen dort offensichtlich nur sehr kleine
Löhne, und sie sind gerne bereit, sich durch Freundlichkeit hervorzutun, um
so auf ein gutes Trinkgeld hoffen zu können.
Auch der anschließende Bade- und Tauchurlaub in einem Hotel stellte keine
Schwierigkeit in Bezug auf eine laktosefreie Kost dar: Sämtliche Mahlzeiten
wurden in Büffet-Form angeboten, bei deren überwältigender Reichhaltigkeit
selbst dann nicht alles gekostet werden konnte, wenn sich das eine oder andere
Gericht als nicht geeignet herausstellte. Unter den Hotelangestellten war immer
einer, der Englisch sprach und den ich fragen konnte, ob Milchprodukte verarbeitet
worden waren.
Zu keinem Zeitpunkt hatte ich deshalb mit der Ernährung Probleme, und ich
konnte meinen Notvorrat an Laktase-Präparaten unbenutzt wieder mit nach
Hause bringen.
(2010) Da unsere Nilkreuzfahrt sich nur auf den oberen Teil Ägyptens beschränkte,
haben wir 2010 eine Studienfahrt nach Kairo gemacht. Diese Stadt mit ihren 20
Millionen Einwohnern und 4 Millionen Autos ist in jeder Beziehung einfach überwältigend:
überfüllt, lärmend, glitzernd, schmutzig, hektisch,
voll. Aber auch beeindruckend: die Pyramiden, der Sphinx, die Moscheen, Kirchen und
Synagogen, der Nil, die Wüste, die Menschen, die Düfte. Auch der Abstecher
nach Alexandria mit der wunderbaren Bibliothek war phantastisch.
Die Mahlzeiten waren absolut unproblematisch, es gab bis auf eine Ausnahme, bei der
ich in einem Gebäck Butter vermutete, nichts, was ich nicht hätte
essen können. In den Supermärkten werden erstaunlicherweise Milchprodukte
angeboten, allerdings schienen Menge und Auswahl nicht so reichlich zu sein wie bei
uns üblich. Möglicherweise sind die dort hergestellten Sauermilchprodukte
sorgfältiger gereift und damit laktoseärmer als bei uns, damit die in
höherem Maße laktoseintoleranten Ägypter sie vertragen können
– ich jedenfalls habe sie nicht probiert. Es gab aber genügend andere Produkte,
die dort liebevoll und ansprechend dargeboten wurden.
Natürlich hatten wir den Vorteil, einen Reiseführer bei uns zu haben,
der bei Sprachschwierigkeiten übersetzen konnte. Ich bin jedoch überzeugt,
dass man durchaus auch ohne Dolmetscher gefahrlos essen kann, was die landestypische Küche
bietet – natürlich immer mit der Vorsicht, sich nicht durch unhygienisch
zubereitete Lebensmittel »Montezumas Rache« einzuhandeln.
Finnland
(2010) Obwohl bei den Finnen ein mindestens ebenso hoher, wenn nicht sogar ein
noch höherer Anteil an Laktose-Toleranz vorhanden ist als bei uns, scheinen
sie mir wesentlich aufgeklärter in Bezug auf die Laktose-Intoleranz zu sein
als die Deutschen.
Bei meinem Besuch in Finnland, genauer in Lappland und Karelien, hatte ich zu
keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten, den Menschen in Hotels oder Einkaufszentren
meine Probleme klarzumachen. Jeder war informiert über die Problematik und
wusste mit den Begriffen »Laktose-Intoleranz« und »laktosefrei« sofort etwas
anzufangen – und zwar in einem sehr viel höheren Maße als ich
es hier aus Deutschland kenne.
Zu meinem großen Erstaunen waren viele Speisen in den Hotels laktosefrei,
von denen ich es gar nicht erwartet oder erhofft hatte. Viele Suppen oder Desserts,
die ich für milchhaltig gehalten hatte, wurden mir als laktosefrei angeboten.
Anfangs war ich skeptisch, doch es stellte sich schnell heraus, dass dort jeder,
aber auch wirklich jeder, Bescheid wusste und ich den Empfehlungen vertrauen konnte.
Die Ernährungsgewohnheiten sind etwas anders als in Deutschland, insbesondere
in den langen, kalten Wintern, wo frisches Obst und Gemüse sehr teuer sind,
weil diese Lebensmittel importiert werden müssen. Deshalb werden viel Fleisch
und vor allem Fisch verzehrt, die aber meist ohne milchige, gebundene Soßen
serviert werden. Der köstliche Lachs, auf den die Finnen zu Recht stolz sind,
wird zwar häufig in Butter gedünstet, es ist aber immer ohne Probleme
möglich, auch eine Portion ohne Butter zu erbitten.
Auch in den Geschäften gibt es viele als laktosefrei gekennzeichnete Produkte
(laktosefrei auf finnisch = laktoositon), so dass auch die Selbstversorgung
keine Probleme macht.
Die finnische Sprache stellt mit Sicherheit für die meisten Besucher eine
schier unüberwindliche Hürde dar, aber der Großteil der Finnen
spricht Englisch, wodurch die Verständigung sehr einfach wird.
Wegen der in Finnland fehlenden Rohstoffe ist der Fremdenverkehr eine der größten
Einnahmequellen des Landes, und die freundlichen Einheimischen machen es einem
sehr leicht, dieses wunderbare Land lieben zu lernen – nicht nur durch ihr
fabelhaftes Essen.
Folgendes E-Mail erhielt ich im Oktober 2010 von einer Leserin dieses Beitrages:
Ich lebe seit 5 Jahren in Finnland und muss sagen, dass Sie die Situation in Finnland
sehr gut beschrieben haben! Wie froh ich bin, dass ich hier meine Intoleranz entdeckt habe :-)
Ich bin fast gar nicht eingeschränkt. In jedem Restaurant gibt es etwas
zu Essen, sogar laktosefreie Eiscreme etc.
Da ich Vegetarierin bin (gar kein
Fleisch und Meerestier), ist es in anderen Ländern oft sehr schwer, etwas
Essbares zu bekommen! Wir reisen viel, und ich kann Ihnen sagen, dass Frankreich
z.B. sehr schwierig ist! Asien (Malaysien z.B.) geht, da es dort viele milchfreien
Speisen mit Reis gibt. Marokko war auch ok. Allerdings können in vielen
Ländern kaum Menschen was mit dem Begriff Laktoseintoleranz anfangen. Und
wenn man versucht, es zu erklären, ist es oft so , dass man nur ungenügende
Antworten erhält, so dass ich dann in 3 Wochen Urlaub nur Salat und Früchte esse!
Frankreich
(2018) Im Frühsommer fuhren wir mit einer Reisegruppe
eine Woche lang an der Loire entlang und besichtigten Schlösser
und Kathedralen.
Allein schon wegen der Jahreszeit gab es Blumen und Blüten
im Überfluss – so viele Mohnblüten auf einen Haufen
habe ich noch nie gesehen. Ganze Felder waren in tiefes Rot
getaucht und in Verbindung mit dem reifenden Getreide war
dies ein unvergessliches Erlebnis.
Die Schlösser ließen ahnen, in welchem Pomp die Könige
damals gelebt hatten: wunderschöne Gebäude mit liebevollen
Stuckarbeiten, kostbare Möbel, hunderte von Gemälden und
feinste Wand- und Bodenverzierungen – eine Woche war
definitiv viel zu wenig Zeit für all die Herrlichkeiten.
Auch die Kathedralen in dem schlankem, hohen gotischen oder
dem eher gedrungenen, schweren romanischen Baustil waren
mehr als eindrucksvoll.
Und dann natürlich die Natur! Die Loire, die sich nach und
nach ihren ursprünglichen Lauf und ihre Eigentümlichkeit
wieder zurück erobert, seichte, bewachsene Stellen und
kleine Inselchen bildet und so eine zerstörerische Schifffahrt
verhindert – das ist einfach Sehgenuss pur.
Gewohnt hat unsere Reisegruppe in guten Hotels, allerdings
waren diese eher auf größere Gruppen eingerichtet als auf
Individualreisende. So erinnerten dann die Mahlzeiten auch
eher an Massenabfütterungen, und Sonderwünsche wie u.a.
laktosefreies Essen wurden durch Weglassen der verdächtigen
Zutaten erfüllt: es gab die Gerichte für mich dann meist
ohne Sauce und gänzlich ohne Milchprodukte (für eine
ausgemachte Käseliebhaberin ist das schon etwas bitter!). Dass es auch
laktosefreie Milchprodukte gibt, gehörte zumindest in diesen
Hotels nicht zum allgemeinen Wissensstandard. Bei meinen Streifzügen
durch Supermärkte habe ich jedoch gesehen, dass es so etwas
durchaus auch in Frankreich gibt. Und dass meine Desserts
auf solchen Gruppenreisen eine Woche lang jeden Abend aus
Obstsalat bestehen, bin ich ja mittlerweile gewöhnt.
Ich habe – undabhängig von Frankreich – in den
letzten Jahren immer wieder die Erfahrung gemacht, dass
auch in guten Mittelklassehotels sowohl das Personal in
der Küche als auch die Bedienungen offensichtlich mehr und
mehr unausgebildetet Kräfte sind, die zwar für den Betreiber
billiger sind, aber nicht mehr über das ausreichende Wissen
in ihrem Arbeitsbereich verfügen. Es mag sein, dass dies
in Spitzenklassehotels und -restaurants anders ist, aber
bei den von uns gebuchten Gruppenreisen (obwohl wir meist
mit Studiosus reisen) scheinen individuelle Wünsche nicht
mehr wirklich zufriedenstellend beachtet werden zu können.
Es wird (trotz des mageren Essens) bestimmt nicht meine letzte
Reise nach Frankreich gewesen sein, und insbesondere die
Region um die Loire kann ich jedem Frankreichbesucher nur
ans Herz legen.
Irland – der Süden
(2016) Eine Woche bei schönstem Wetter durch Irland! Das muss doch geflunktert sein,
denken jetzt bestimmt die eingefleischten Irland-Kenner. Aber es ist wahr: Mit dem Wetter
hatten wir wirklich unheimliches Glück, wobei das »schönste« Wetter
durchaus nicht nur strahlender Sonnenschein war, sondern teilweise auch
mal ein kurzer, warmer, weicher Nieselregen oder auch wabernder
Nebel, der die Bergspitzen geheimnisvoll verhüllte, um nach kurzer Zeit den
Blick wieder freizugeben. So konnten wir auf unserer einwöchigen Tour durch
den Süden der Irischen Republik nachvollziehen, wie die zahlreichen Legenden
um die vielen guten und bösen Feen und Geister entstanden sind.
Angekommen in Dublin führte uns unser Weg über »Ireland′s Ancient East«
an der Südküste entlang bis in den Westen. Dort umfuhren wir den Ring of Kerry,
besichtigten die Cliffs of Moher und die felsige Landschaft des Burren,
bevor wir quer durch die Insel wieder zurück nach Dublin gelangten. Es ist
mehr als beeindruckend, welch abwechslungsreiche Landschaften dieses Land zu
bieten hat. Auch die Tier- und Pflanzenwelt ist faszinierend. Darüber hinaus
aber sind es die Iren selbst, die einen sofort überzeugen, wie sehr
man als Tourist willkommen ist.
Die typisch-irische Landesküche war zumindest für mich gewöhnungsbedürftig.
Ähnlich wie in England und Schottland gibt es zum Frühstück deftig-kräftige
Kost bestehend aus fetttriefendem, gebratenem Speck, Würstchen, Eiern, Pilzen, Tomaten
und gebackenen Bohnen. Dazu werden Weißbrot und Butter gereicht. Es ist sicherlich
Geschmackssache, ob man dies gut findet oder nicht. Ich zumindest habe »anständige«
Brötchen oder Brot und vor allem Käse sehr vermisst.
Da in unserem Reiseprogramm
nur Frühstück und Abendessen inkludiert waren, konnten wir – sofern
nach diesem reichhaltigen Frühstück irgendwann wieder Hungergefühle aufkamen –
diese unterwegs mit einem Mittagssnack wie z.B. die allgegenwärtigen Fish and
Chips stillen. Aber auch die offensichtlich mittlerweile weltumspanndenden
Hamburger- und Baquette-Ketten waren hier allgegenwärtig. Abends gab es dann
jeweils ein dreigängiges Menü im Hotel.
Meiner Bitte nach laktosefreien Speisen wurde befremdlicherweise fast immer mit der Frage begegnet,
ob Laktose dasselbe wie Gluten sei. Das hat mich sehr verwundert. Auch
an den Frühstücksbüffets fiel mir auf, dass es zwar in vielen Fällen eine Ecke mit
glutenfreien Produkten gab, nicht jedoch ein einziges Mal laktosefreie Milchprodukte.
Offensichtlich setzt sich die wesentlich höhere Brisanz der Notwenigkeit, sich
in bestimmten Fällen zuverlässig glutenfrei ernähren zu müssen, rasch durch.
Dass aber für manche Menschen auch laktosefreie Milchprodukte ganz nett wären,
scheint – falls es denn in Irland jemals angekommen war – in
Vergessenheit geraten zu sein.
In einigen (wenigen) Supermärkten habe ich jeweils eine einzige Sorte laktosefreie Milch
gefunden, jedoch keinerlei Joghurt- oder sonstige Milchprodukte. Auch käsemäßig scheint
Irland eher zu den Entwicklungsländern zu gehören: Es gibt den (in meinen Augen
eher geschmacklosen) Cheddar, der zwar laktosemäßig ok ist, aber mehr auch nicht.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass man mit der irisch-typischen Küche
als Zöliakie-Betroffener offensichtlich besser dran ist als wenn man »nur«
eine Laktose-Intoleranz hat.
In Bezug auf Fruktose-Intoleranz hat man hier wahrscheinlich weniger Probleme: Obst und Gemüse
spielen in der Landesküche eine sehr untergeodnete Rolle, so dass man aufgrund der
großen Fleisch- und Fettportionen wenig Fruktose zu sich nehmen wird. Ob die
Zusammenstellung der Nährstoffe allerdings gesund ist, steht auf einem anderen Blatt. Die
große Anzahl der Menschen mit sehr starkem Übergewicht jedenfalls war auffällig.
Nichtsdestotrotz ist dieses Land unbedingt eine Reise wert! Die traumhaften
Landschaften, der weite Himmel, die Möglichkeit, im Meer zu baden, die mitreißende
Musik, die interessante Geschichte, die faszinierende Architektur und –
vor allem – die netten, offenen Menschen auf der »Grünen Insel« sollten Sie
unbedingt besuchen.
Irland – der Norden
(2017) Auch auf unserer Reise durch Irlands Norden war das Wetter durchweg
toll. Ohne einen einzigen Regentag konnten wir auch die nördlichen Provinzen
in ihrer ganzen Schönheit genießen. Während auf unserer letztjährigen Reise
im September die orangen Montbretien die Wege säumten, war es in diesem Mai
der tiefgelbe Stechginster – ein genauso überwältigender Anblick!
Und auch diesmal beeindruckten uns nicht nur die traumhaften Landschaften,
sondern auch die überaus freundlichen Menschen. Sobald wir irgendwo mit einem
Stadtplan in der Hand stehen blieben, um uns zu orientieren, wurden wir von
einem hilfsbereiten Passanten angesprochen, ob er uns helfen könne. Ich denke,
dass wir Deutschen uns bestimmt etwas davon abschauen könnten.
Zum Essen gibt es meinem vorigen Bericht eigentlich nichts hinzuzufügen. Wer
Probleme mit Gluten hat, ist gut aufgehoben. Warum sich auch bis heute so wenig
Wissen über Laktose durchgesetzt hat, ist mir unerklärlich. So blieb in den
Restaurants nur das »Weglassen« – Ersatzprodukte wie etwa
laktosefreie Milch- oder Sojaprodukte scheinen in Irland noch nicht (ausreichend)
Fuß gefasst zu haben.
Nichtsdestotrotz ist auch der Norden dieses Landes auf jeden Fall eine Reise
wert. Es mag sein, dass nicht jeder so viel Glück mit dem Wetter haben wird,
aber da »schlechtes« Wetter vom stetigen Wind meist schnell weggepustet
wird und somit vorübergehend ist, braucht man eigentlich nur die richtige
Kleidung, um Land, Leute, Natur und Kultur so richtig genießen zu können.
Marokko
(2015) Unsere geführte Rundreise führte uns durch die Königsstädte Rabat, Fès,
Meknès und Marrakesch. Ein wunderbares Land, sehenswerte Städte und tolerante
Menschen. Die bei unserem Besuch im Herbst meist karge Landschaft soll im
Frühjahr wesentlich grüner sein, aber auch so hatte das Land durchaus seine
Reize. Allein die Suks waren mit ihrer Enge, überbordenden
Fülle und dem unvergleichlichen Lärmpegel ein Erlebnis! Dabei relativ wenig
»arabisches« Geschäftsgebaren, d.h. man konnte tatsächlich
auch ab und an schauen und stöbern. Natürlich wird man angesprochen – das ist
halt in diesem Kulturkreis üblich – wurde aber wenigstens nicht am Arm
festgehalten, so wie ich es in anderen arabischen Ländern kennengelernt habe.
Unsere Mahlzeiten waren überwiegend organisiert. Trotz vorheriger Anmeldung
einer laktosefreien Kost beim Reiseleiter gab es durchgehend Probleme – man konnte mit
dem Begriff nichts anfangen. Bei den herzhaften Speisen – übrigens alles
sehr lecker, mit vielen tollen Gewürzen – schien es mir unkritisch und
mein Eindruck, dass hier keine Milchprodukte verarbeitet wurden, schien korrekt,
denn ich hatte keine diesbezüglichen Verdauungsbeschwerden. In jedem Hotel
gab es zum Frühstück neben Brot, Eierspeisen, Feisch und Wurst auch eine
reichhaltige Auswahl an Joghurtzubereitungen –
alles natürlich laktosehaltig. Laktosefreien Joghurt habe ich nicht bekommen
(auch nicht in den Supermärkten gesehen), aber es gab Obst in reichhaltigster
Auswahl und ließ mich nichts vermissen. Vorsichtig war ich bei den reichlich
angebotenen Süßspeisen und dem Gebäck, hier habe ich deshalb lieber Laktase
eingenommen.
Bekannt hingegen scheint den Marokkanern der Begriff glutenfrei zu sein –
allerdings halt nur bekannt: Glutenfreies Brot gab es auf unserer Tour nirgendwo.
Wer mit Zöliakie oder Gluten-Sensitivität auf glutenfreie Backwaren angewiesen
ist, sollte sich einen Vorrat mitbringen. Vorsicht ist auch beim allgegenwärtigen
Couscous geboten. Manchmal gab es Hirsecouscous, aber meist ist er aus Weizen
oder Gerste – und die Kochgeschirre mit Sicherheit nicht glutenfrei.
Touristisch ist Marokko ein interessantes und empfehlenswertes Land. In Bezug
auf die Ernährung bei Unverträglichkeiten sollte man dieses Land allerdings
nur bei diesbezüglich großer Erfahrung bereisen. Es ist kaum möglich, verlässliche
Informationen über die verwendeten Zutaten zu bekommen, auch wenn man –
zur Vermeidung eines Reisedurchfalls – nichts von fliegenden Händlern
auf den Straßen annimmt.
Niederlande
(2015) Mit meiner Tochter habe ich im Jahr 2015 eine Reise nach Holland unternommen.
Holland ist ein tolles Land, und die Niederländer sind aufgeschlossene, freundliche
Menschen. Wir sind stundenlang am Strand spazieren gewesen und haben lange
Radtouren unternommen. Gerade für nicht mehr ganz junge Menschen wie mich ist
die ebene Landschaft zum Radfahren bestens geeignet – keine Steigungen,
die mich aus der Puste gebracht haben.
Auch das Essen im gewählten Hotel war völlig unkompliziert – offensichtlich sind die Niederländer
über die Erfordernisse bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten sehr gut informiert.
Meine Tochter hat eine Zöliakie und ich eine Laktose-Intoleranz, und besonders
in Sachen glutenfreier Kost war es deshalb ratsam, Vorbereitungen zu treffen. Wir haben
vor der Buchung (über das Internet) im angedachten Hotel angerufen und gefragt,
ob gluten- und laktosefreies Frühstück möglich sei. Sie versicherten uns, dass
das keine Probleme machen würde.
Meine Tochter hat sich zwar trotzdem vorsichtshalber glutenfreie Brötchen
mitgebracht, die hätte sie aber eigentlich nicht gebraucht. Da ihr allerdings
das (etwas labberige) Weißbrot nicht so wirklich geschmeckt hat, hat sie sich dann doch
ihre Brötchen in den Toasttaschen, die sie immer bei sich führt, aufgebacken.
Ansonsten kamen wir beide sowohl in Sachen Gluten als auch in Sachen Laktose
am reichhaltigen Frühstücksbuffet auf unsere Kosten.
Tagsüber sind wir ganz normal in auf unserer Reisestrecke liegenden Lokalen
eingekehrt und haben uns immer gleich zu Anfang bei der Bedienung über unsere Möglichkeiten
erkundigt. Es gab nirgendwo Probleme – und mitgedacht haben die Leute
dort auch. Sie entschuldigten sich sogar, dass unsere Bestellung etwas länger
dauern würde, weil sie für die Pommes frites extra frisches Fett in die Friteuse
füllen würden. Natürlich haben wir gerne gewartet, denn so haben wir uns wirklich
sicher gefühlt.
Die Niederlande kann ich nach meinen Erfahrungen also sowohl in Sachen Landschaft
und Gastfreundschaft als auch in Sachen problemloser Ernährung sehr empfehlen.
(2024) Im Jahr 2024 hatte ich mit meinem Mann eine Rad- und Schiffstour unternommen.
Unser »Hotel« war ein Schiff mit 96 Passagieren, das uns in Nordholland von
Station zu Station brachte. Nach dem Frühstück verließen wir das Schiff und fuhren mit den
Rädern weite Strecken, um dann abends am nächsten Zielort wieder auf das Schiff zurüchzukehren.
In der Regel waren die Strecken sehr gut ausgewiesen, und von den überall und auf wirklich jeder
Straße angelegten Fahrradwegen können wir Deutschen nur träumen – solange man nicht in größeren Städten
fahren muss. Für die an die Verkehrsverhältnisse gewohnten Holländern ist es auch dort kein Problem,
uns Deutschen jedoch scheint es hier an dem erforderlichen Selbstbewusstsein sowohl gegenüber den recht
forschen Autofahrern als auch den ebenso flotten Fahrradfahrern zu mangeln.
Somit war das Fahren auf dem freien Land und auch in kleineren Städten ein absolutes Vergnügen,
in Großstädten wie z.B. Amsterdamm doch eher etwas stressig (aber es mag auch sein, dass dies nur
meine individuelle Sicht als »Oma« ist).
Mit dem Essen hatten wir leider Pech: Wir hatten zwar – wie immer – bereits bei der Buchung
und dann noch einmal eine Woche vor Reisebeginn das laktosefreie Essen angemeldet – und sollten dann
auch einen stolzen Aufpreis dafür bezahlen! Trotzem hatte man es offensichtlich versäumt, meinen Wunsch
weiterzuleiten, obwohl ich beim Einchecken auf der Namensliste den Eintrag »dairyfree« hinter
meinem Namen lesen konnte (ich weiß: dairyfree ist nicht dasselbe wie lactosefree, aber über solche
Kleinigkeiten kann man ggf. genauso hinwegsehen, wie über den täglichen, einfallslosen Obstsalat als Dessert).
Es wusste dann aber weder das Personal noch der Koch etwas über meine
Laktose-Intoleranz und die entsprechenden Erfordernisse Bescheid. Somit war das Essen recht schwierig, und
erst ab Tag 4 wurden mir dann zwei verschiedene glutenfreie (!) und glücklicherweise eingepackte Plätzchen
angeboten. Da ich die Firma Schär kenne, habe ich erst einmal über das Internet kontrolliert, wie es denn
mit der Laktose steht – glücklicherweise war wenigstens eine der beiden Sorten für mich essbar.
Auch bei den Hauptmahlzeiten musste ich höllisch aufpassen, hier nicht irgendetwas als »laktosefrei«
untergejubelt zu bekommen – das schien mir nämlich zumindest optisch nicht wirklich gewährleistet zu sein.
Ich denke, das alles war einfach nur Pech, und ich will dieses Missgeschick nicht den Niederländern anlasten,
sondern eher der mangelhaften Organisation durch das Reiseunternehmen. Auf anderen, ähnlichen Schiffs- und
Radtouren hatten wir keinerlei Probleme. Deshalb möchte ich empfehlen, lieber im Vorfeld noch einmal mehr
nachzufragen und im Ernstfalle lieber die Finger von unkalkulierbaren Lebensmitteln zu lassen.
Norwegen
(2007) Unsere Norwegenreise war eine Kreuzfahrt von Bergen bis zum Nordkap –
kann also eigentlich nicht unbedingt einen repräsentativen Eindruck der
Ernährungsgewohnheiten der Norweger widerspiegeln. Da sich jedoch gerade
in Norwegen ein großer Anteil des Tourismus in dieser Form abspielt –
teils mit der bekanntesten Linie Hurtigrouten, teils mit anderen, ebenso empfehlenswerten
Kreuzfahrtlinien – möchte ich doch hier über meine Erfahrungen berichten.
Bei einer Kreuzfahrt ist man in ganz besonderer Form in Bezug auf seine Ernährung
dem Reiseunternehmen ausgeliefert. Es ist nicht möglich, mal eben zwischendurch
woanders zu essen, wenn einem die angebotenen Speisen nicht zusagen. Die Norweger
sind in mindestens ebenso geringem Maße von Laktose-Intoleranz betroffen wie wir
Deutschen, deshalb hatte ich einige Bedenken, als wir diese Reise planten.
Ich hatte jedoch zu keinem Zeitpunkt Probleme, mich laktosefrei zu verköstigen.
Bereits bei der Buchung der Reise hatte ich auf die Laktose-Intoleranz hingewiesen
und beim Einchecken noch einmal erinnert. Obwohl sich dabei keiner an die Buchung
erinnerte, meinte man, man hätte »mit Diabetikern viel Erfahrung, es
sei also kein Problem«. Das ließ mich Schlimmes befürchten, aber
diese Sorge stellte sich schnell als unbegründet heraus.
Gleich zu Anfang sprach ich mit dem Schiffskoch, der offensichtlich Ahnung von
seinem Fach hatte. Er stellte mir »meinen ganz persönlichen« Steward
zur Seite, der die kurze Leitung zwischen Küche und Restaurant herstellte.
Vor jeder Mahlzeit besprachen wir, welche Gerichte geeignet oder nicht geeignet waren,
und es gab zu keiner Zeit Probleme. So hatten wir viel Spaß vor dem und beim Essen.
Norwegen an sich ist aus der Wasser-Perspektive ein absolutes Erlebnis, und eine
solche Kreuzfahrt sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen – schon
gar nicht, weil man Bedenken in Bezug auf eine laktosefreie Kost hat.
Auch wenn die Besatzung sich aus allen Nationen der Erde zusammengesetzt hat
(nur Norweger waren nicht dabei), so gab es auf dem Schiff keinen einzigen Tag,
an dem mir irgendetwas nicht bekommen wäre.
Die Landgänge, die wir unternahmen und bei denen Mahlzeiten angeboten wurden,
waren ebenfalls problemlos, denn die Norweger sind sehr aufgeschlossene Menschen,
denen das Problem der Laktose-Intoleranz bekannt ist, und die den Touristen und
deren Bedürfnissen sehr hilfsbereit entgegen kommen.
Polen
(2009 und 2015) Grundsätzlich ist Polen ein wunderschönes Land. Alles ist
auffällig sauber, nirgendwo liegt weggeworfener Abfall. Auf dem Land sind alle
Felder bestellt und bewirtschaftet, nichts liegt brach wie bei uns. Die Menschen
sind sehr freundlich, viele sprechen Deutsch, fast alle Englisch, so dass man
keine Probleme hat, sich zu verständigen. Die Speisekarten sind durchgehend
zweisprachig (polnisch und englisch), so dass man trotz der (für deutsche Augen und Ohren)
schwierigen Landessprache auch beim Bestellen im Restaurant nicht an
Sprachschwierigkeiten scheitert.
Bei unserem ersten Urlaub 2009 durch Polen führte uns unsere Reise mit dem
Auto bis nach Masuren – es gibt kaum eine schönere Landschaft. Die
vielen Seen und die grandiose Weite, aber auch die teils malerischen (teils
leider aber auch noch renovierungsbedürftigen) Städtchen sind einfach nur sehenswert.
Die zweite Reise 2015 war eine Städtetour, und wir schauten uns Warschau und
Krakau an. Wer schöne Architektur sehen möchte und/oder auf geschichtlichen
Pfaden insbesondere in Sachen Judentum wandeln will, dem seien diese beiden
Städte besonders ans Herz gelegt.
In Bezug auf Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten hat sich zwischen unserer
ersten und zweiten Reise viel getan. Damals war dieses Thema noch völlig unbekannt.
2015 jedoch wusste man in den Restaurants sowohl über die Laktose-Intoleranz
als auch über Zöliakie/Gluten-Sensitivität gut Bescheid, und wir hatten keine
Probleme, verträgliche Menüs zu bekommen. In den Hotels empfiehlt es sich,
rechtzeitig die erforderlichen Grundnahrungsmittel zu bestellen, denn nicht
überall können kurzfristig z.B. laktosefreier Joghurt oder glutenfreies Brot
beschafft werden.
Insgesamt waren wir von Polen begeistert – ich kann Ihnen eine Reise in
dieses sehenswerte Land und zu diesen freundlichen Menschen nur empfehlen.
Schottland
(2014) Schottland ist ein wunderschönes Land. Von bergig-rau über sanft-hügelig
bis hin zu weitläufig-bäuerlich stellt sich die Landschaft dar, immer wieder
unterbrochen von einem in der Sonne glitzernden Loch, also einem der zahlreichen
Seen dieses Landes. Und auch die Firths, die weit ins Landesinnere reichenden
Meeresarme, prägen die Landschaft mit. Mit dem Wetter hatten wir auch Glück:
Nicht das eher übliche neblig-feuchte Wetter, sondern mehr als eine Woche
strahlenden Sonnenschein, während in Deutschland der Sommer völlig verregnet war!
Unsere Reise, die von einem Reiseunternehmen für eine Gruppe von ebenso Neugierigen,
wie wir es waren, organisiert worden war, führte uns über die Landeshauptstadt
Edinburgh, dann weiter nach Glasgow, Inverness und zurück nach Edinburgh, und
auch kleinere Städtchen mit vielen Sehenswürdigkeiten konnten wir besichtigen.
Unser Fortbewegungsmittel war neben einigen Bustouren die Eisenbahn, teils die
»ganz normale« West Highland Line, als Highlight jedoch auch der
Jacobite Steam Train auf der Strecke zwischen Fort Williams und Mallaig.
Neben der verzaubernden Landschaft konnten wir so die ganz unterschiedlichen
Gesichter der Städte erkunden.
Wir erlebten die schottische Dudelsack-»Musik« und die Kleidergewohnheiten:
Der Kilt für die Männer und die Schottenkaros auf allen möglichen
Kleidungstücken für die Damen wurden überall getragen, zumal unsere Reise eine
Woche vor der Abstimmung über die Selbstständigkeit stattfand. Hier musste
natürlich der Nationalstolz demonstriert werden – offensichtlich nicht nur
von den Yes-Befürwortern, die ebenso wie die No-Fürsprecher an allen Ecken
ihre Meinung demonstrierten. Unter den zahlreichen blauen für ein »Yes«
und roten Fähnchen für das »No«, Flyern und Stickern gingen die
Westhighland Games, die für einen Nichtschotten so unbekannte Disziplinen wie
Baumstammwerfen oder Tauziehen und vieles mehr beinhalteten, fast unter.
Und natürlich lernten wir auf unserer Reise auch das schottische Essen kennen,
was – gelinde ausgedrückt – für einen Deutschen doch schon sehr
gewöhnungsbedürftig ist. Die Fleischesser in unserer Gruppe waren so richtig
in ihrem Element: Zum Frühstück gab es gebratenen Speck, Schinken, Würstchen,
Blackpudding (eine Art gebratene Blutwurst), Rühr- und Spiegeleier, gebratene
Pilze und Tomaten – alles in reichlich
Fett zubereitet. Zusätzlich wurde die Nationalspeise angeboten, der Haggis.
Dies sind in einen Schafsmagen gestopfte Schafsinnereien, mit etwas Hafergrütze
gestreckt und gekocht. Am besten sind am Haggis sicherlich die zahlreichen
Legenden, die sich um diese Spezialität ranken. Weiterhin gibt es den auch
in England bekannten Porrigde, einen festen Brei, der aus Haferflocken und
Wasser, manchmal auch unter Zugabe von Salz zubereitet wird und dann als
Grundlage für einen Brei mit Obst leider ausscheidet. Und natürlich Toast –
mehr oder weniger verbranntes Weißbrot, das mich bei der Speisenauswahl neben
dem Porrigde noch am ehesten an ein »Frühstück« erinnerte.
Es gab auch so etwas Ähnliches wie Brötchen, die aber lediglich aufgrund ihrer Form
für den Touristen aus dem »Land der tausend Brötchensorten« als
solche erkennbar waren – die Konsistenz war weich und unknusprig.
Butter, Milch, Joghurt und Obst waren ebenfalls Bestandteil des Frühstücksbuffets
in allen Hotels, wobei ich nicht glaube, dass ein echter Schotte so etwas als
Frühstück zu sich nehmen würde.
Auch alle anderen Mahlzeiten waren sehr fleischlastig. Gemüse, Reis oder Kartoffeln
scheinen nicht unbedingt die Nahrungsmittel zu sein, die der Schotte als
Hauptkomponenten eines guten Essens bevorzugt.
Um es kurz zu machen: Nicht nur diejenigen, deren erste Wahl nicht das Fleisch
ist, sondern auch Menschen mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten werden in
Schottland Probleme haben. Obwohl es rechtzeitig in allen Hotels angemeldet war,
gelang es in den 7 Tagen nur ein einziges Mal, etwas laktosefreie Milch für
den Tee zu bekommen. Alle anderen Versuche, (vernünftiges) laktosefreies Essen
zu bekommen, scheiterten. Zwar hatten die Verantwortlichen – zumindest
in den größeren Städten – schon einmal etwas von der Problematik der
Milchzucker-Unverträglichkeit gehört, konnten darauf aber lediglich mit dem
Weglassen von laktosehaltigen Bestandteilen reagieren – auf Dauer ist
die natürlich etwas unbefriedigend. Laktosefreie Milchprodukte scheinen in
Schottland so gut wie unbekannt zu sein, ebenso wie die Zubereitung von leckerem
Essen auch ohne Milchprodukte. Auch meine Versuche, einen laktosefreien Joghurt
in einem Supermarkt zu bekommen, waren leider nicht von Erfolg gekrönt.
Schon eher bekannt ist das Problem mit Gluten – hier gab es in den
Supermärkten vereinzelt Produkte, die für Menschen mit Zöliakie geeignet waren.
Diese Lebensmittel wurden mir auch teilweise in den Hotels als Alternative
zu laktosehaltigen Nahrungsmitteln angeboten, was natürlich nicht wirklich
hilfreich für mich war.
Alles in allem scheint mir Schottland in Bezug auf die Ernährung bei
Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten um viele Jahre zurück zu liegen. Somit ist
derzeit meine Empfehlung, sich nur mit ausreichenden, geeigneten Nahrungsmitteln
und/oder Enzympräparaten auf die Reise in dieses ansonsten absolut sehenswerte
Land zu begeben.
USA
(2005 und 2008) Das Essen in den USA war für mich sehr gewöhnungsbedürftig –
vor allem aber auch die Esskultur. Auf ein in Deutschland bereits für relativ
kleines Geld in Lokalen zu habendes Ambiente scheint hier wenig Wert gelegt zu werden,
wichtiger sind hier offensichtlich die Größe der Portionen und die Geschwindigkeit,
wann das Bestellte auf dem Tisch ist. Summa summarum: In den meisten Lokalen wird
sich selbst bedient oder Fast Food serviert, bei dem nicht auf einzelne Zutaten
oder auf Sonderwünsche der Gäste geachtet werden kann.
Zwar ist auch in den USA das Thema Laktose-Intoleranz sehr viel bekannter als
bei uns in Deutschland (bei etwa gleichem Anteil an Laktoseintoleranten), jedoch
scheinen die Amerikaner ihre Nahrungsmittel-Unverträglichkeit eher mit einer
»Pille« zu handhaben, als dass sie auf eine laktosefreie oder gar
gesunde Ernährung achten. Die Angebotspalette an Laktase-Präparaten
ist demzufolge sehr gut und viel preiswerter als in Deutschland (lesen Sie auch den
Beitrag »
Laktase-Präparate in den USA – ein Erfahrungsbericht«).
Wenn man jedoch Wert auf laktosefreies Essen legt, ist es sehr viel schwieriger,
sich wirklich laktosefrei zu ernähren. Zumindest in dem Umfeld, in dem ich
mich auf meinen beiden Reisen durch die USA bewegt habe, hatte ich einige Probleme,
laktosefreies Essen zusammenzustellen. In Amerika scheinen sehr viel weniger
Menschen ihre Mahlzeiten selbst zu kochen, sie gehen rasch in ein Fast Food-Lokal
und essen dort etwas. Die Auswahl ist riesig und die Zeit, die man für das
Essen benötigt oder sich nimmt, ist minimal.
Allerdings lernen auch die Amerikaner dazu: Bei meinem ersten Besuch noch war
das Frühstück (auf Hawaii) eine Graus für mich – weil unser
Hotel kein Frühstück anbot, bekamen wir Touristen lediglich einen
Gutschein für eine auch in Deutschland ansässige Kaffeekette –
es gab einfach nichts, was ich hätte essen oder trinken können, und
ich wurde wahrlich nicht zu einem Freund dieser Kette. Die gleiche Kette bot
bei unserem zweiten Besuch allerdings nicht nur koffeinfreien Kaffee an, sondern
für den Cappuccino konnte ich nun wählen zwischen laktosefreier Milch
und sogar Sojamilch – nun gönne ich auch in Deutschland ab und an bei
dieser Kette einen laktosefreien Cappuccino, der sogar aus fair gehandeltem Kaffee
hergestellt wird.
Aber zurück zu den Vereinigten Staaten: Das Land ist riesig, die Erlebnisse
ebenso, die Menschen sind in Bezug auf die Laktose-Intoleranz aufgeklärt –
aber sich dort gesund und laktosefrei zu ernähren, ist schon eine echte
Herausforderung. Sogar ich bin letztendlich dazu übergegangen, die Unverträglichkeit
mit Enzym-Präparaten zu kompensieren, brauchte allerdings nach meiner Rückkehr
einige Wochen, um meine Verdauung wieder in Ordnung zu bringen.
Nach einem Mailwechsel zu den Möglichkeiten, laktosefreie Milch auf
Hawaii zu erhalten, sandte mir eine Leserin im Februar 2011 freundlicherweise
folgenden Bericht:
Bin zurück aus meinen Ferien auf Hawaii (genauer Oahu und Maui). In größeren
Supermärkten (keine ABC Stores) gibt es laktosefreie Milch (in allen denkbaren
Größen, auf der Pakung steht groß »Lactose free«, zu
finden im Kühlregal bei der normalen Milch), die ist meiner Meinung nach
süß im Geschmack. In den Starbucksfilialen auf beiden Inseln gibt
es praktisch alle Kaffees und auch andere Getränke z.B warme/kalte Schokolade
auf Wunsch mit Soyamilch. Laktosefreie Milch kennen die Coffeeshops leider nicht,
aber mit Soyamilch schmeckt der Kaffee auch bei Starbucks. Bei Peets Kaffeeständen
ist Kaffee mit Soyamilch nicht empfehlenswert, ich weiß nicht genau warum,
aber dieser Kaffee schmeckte sehr stark nach Soyamilch.
Ansonsten habe ich versucht auf Milch und Käse zu verzichten, die Restaurants
sind sehr kulant, man kann ohne Probleme ein Gericht bestellen und sagen, was
sie alles weglassen sollen, ansonsten ist man wirklich auf Laktasepräparate
angewiesen. Beim Frühstücksbuffet in unserem Hotel war es auch kein
Problem, dass ich meine eigene Milch in einer PET-Flasche dabei hatte. Soyamilch
fand ich im Hotel leider keine. Dafür waren glutenfreie Menüs erhältlich
(Marriott Resort & Spa auf Maui).
Laktosefreie Milch ist aber recht teuer, die teuerste Pakung (ca. 3 Liter) war über 8 Dollar.
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