Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.5.2015

Funktionsstörungen des Magens


Sie fragen Sie sich, was ein gesunder Magen mit einer gesunden Verdauung zu tun hat? Oder anders herum: Wie können Störungen des Magens zu Verdauungsproblemen führen, die wir ja eigentlich immer im Darm angesiedelt sehen?

Magenfunktionsstörungen können sogar sehr häufig zu Verdauungsproblemen führen, denn wenn die Nahrung, die in den Darm gelangt, nicht richtig vom Magen vorbereitet wurde, kann sie auch im Darm nicht mehr richtig oder zumindest nicht ohne Probleme verdaut werden – Verdauungsbeschwerden sind eine natürliche Folge, die wahren Zusammenhänge werden aber häufig übersehen.

Aber eigentlich können Verdauungsprobleme noch viel früher anfangen – nämlich im Mund. Wenn Nahrung nicht genügend gekaut und eingespeichelt wird, kann auch ein normalerweise gut funktionierender Magen diese nur unter erschwerten Bedingungen verarbeiten.

Der Magen hat verschiedene, wichtige Aufgaben: zum einen muss er die Nahrung möglichst keimfrei machen, um zu verhindern, dass schädliche Mikroorganismen weiter in den Körper eindringen können. Dazu schüttet er Magensaft aus, der durch den hohen Gehalt an Salzsäure (PH-Wert 1,5 – 2) einen Großteil der verschluckten Keime abtötet. Um die Magenwände vor diesem ätzenden Magensaft zu schützen, sind sie mit einer Schleimschicht überzogen, damit sich der Magen nicht selbst verdaut. Sobald der Nahrungsbrei schlückchenweise nach einer der Zusammensetzung der Nahrung angepassten Verweildauer durch den Magenpförtner in den Zwölffingerdarm abgegeben wird, wird die Säurekonzentration durch an dieser Stelle hinzugegebene Verdauungssäfte neutralisiert, wodurch die Darmwände vor Schäden geschützt werden.

Ist zu wenig Magenschleim vorhanden, werden die Schleimhäute von der Magensäure angegriffen, was zu Magenschleimhautentzündungen oder sogar zu Magengeschwüren führen kann. Das Mittel der Wahl sind hier nicht immer die fast schon gießkannenmäßig verabreichten Säureblocker, sondern eher schleimfördernde Maßnahmen wie das Trinken von Schleimbildnern (spezielle Leinsamenzubereitungen) – am besten als Rollkur angewandt.

Der Magensaft enthält verschiedene Enzyme, die bestimmte Nahrungsbestandteile vorverdauen und aufspalten können. Am bekanntesten ist das Pepsin, das Eiweiße aus der Nahrung aufspaltet hilft. Und weiterhin ist im Magensaft der so genannte Intrinsic-Faktor enthalten, der erforderlich ist, das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin B12 später im Darm verwerten zu können.

Der Magen ist ein starker Muskel, der die verschluckte Nahrung kräftig durchknetet und mit den Magensäften durchmischt. Wird die Nahrung vor dem Herunterschlucken nicht genügend gekaut, sind die Brocken zu groß, und die Durchmischung ist wesentlich schlechter, die Vorverdauung damit um ein Vielfaches uneffektiver. Außerdem wird die Nahrung beim Kauen gründlich mit Speichel vermengt, der ebenfalls wichtige Enzyme zur Aufspaltung der Nährstoffe enthält, was dem Magen die Arbeit erleichtert.

Oftmals wird gesagt, dass man es vermeiden sollte, zum Essen zu trinken, um die Magensäfte nicht unnötig zu verdünnen. Dieser Rat gilt jedoch nur für Menschen, deren Magensaftproduktion ohnehin schwach ist. Normalerweise ist es günstig, nicht nur generell viel zu trinken, sondern auch ein Glas Wasser zum Essen zu trinken, um den Nahrungsbrei geschmeidig zu machen. Eine schwache Magensaftproduktion kann man durch das Verzehren von Bitterstoffen (z.B. Wermut-Tee oder Artischocken-Presssaft) anregen.

Für einen gesunden Magen (und damit für eine gesunde Verdauung) ist es also wichtig, langsam zu essen und die Nahrung gründlich zu kauen. Dadurch wird der Magen entlastet und kann seine Aufgabe optimal ausführen. Man sollte sich deshalb zum Essen Zeit und Ruhe gönnen und nicht »zwischen Tür und Angel« essen. Dies führt meistens zu zu hastigem Essen mit der Folge von vermehrtem Verschlucken von Luft, die dann zum Teil durch unangenehmes Aufstoßen wieder entweicht. Ein anderer Teil gelangt in den Darm und bedingt hier unangenehme bis sogar schmerzhafte Blähungen.

Und wir alle wissen ja auch: Das Auge isst mit. Somit sollten wir beim genüsslichen Essen auch schauen, was wir essen – beim Essen auf der Hand oder gar beim Autofahren ist dies schlecht möglich.

Da die Magenperistaltik (die Bewegungen des Magens) und die Sekretion der Magensäfte durch Nerven gesteuert werden, sollten wir schon durch den optischen Reiz, aber auch durch ausgiebiges Riechen und Hinschmecken unsere Verdauung ankurbeln. Schon beim Anblick oder Geruch von Speisen kann uns das sprichörtliche »Wasser im Munde zusammenlaufen« – und nicht nur im Munde, sondern auch im Magen werden dadurch bereits die erforderlichen Sekrete vorbereitet, damit die Nahrung beststens verdaut werden kann.

Weiterhin ist es für eine reibungslose Verdauung erforderlich, die Nahrungsmengen zu beachten. Der Magen ist zwar ein sehr dehnungsfähiges Hohlorgan, jedoch sind auch hier die Kapazitäten begrenzt. Hat man zu viel gegessen, ist der Magen im wahrsten Sinne des Wortes überlastet – mit Folgen, die sicherlich jeder von uns schon einmal verspürt hat: Völlegefühl (das Wort »Völle« leitet sich von »voll« her) oder sogar Übelkeit.

Auch Sodbrennen kann als Folge von zu üppigen Mahrzeiten auftreten: Dabei fließt oder drückt Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre zurück. Die Ursache kann hier ein »einfaches Zuviel« sein, manchmal jedoch auch eine Schwäche des oberen Speiseröhrenschließmuskels (Ösophagus-Sphinkter) sein (des Muskels, der normalerweise eben dieses Zurückfließen verhindert und uns befähigt, auch im Kopfstand schlucken zu können). Meistens jedoch ist es ein Zuviel und oftmals auch ein zu spätes Essen, denn wenn der Magen noch voll ist, wenn wir zu Bett gehen und uns hinlegen, wird die Kraft des Speiseröhrenschließmuskels schlichtweg überfordert.

Der sogenannte »Reizmagen« ist meist eine Folge der Missachtung aller oder einzelner der beschriebenen Faktoren, die zu einer optimalen Funktion des Magens erforderlich sind. Insbesondere aber sind es häufig auch zu schnelles und zu hastiges Essen unter stressigen Bedingungen, weshalb ein Überdenken gerade dieser Faktoren besonders wichtig ist, um einen Reizmagen mit all seinen unangenehmen Folgen zu heilen.

Alle Verdauungsproszesse – angefangen im Mund bis hin zum Dickdarm – sind optimal aufeinander abgestimmt. Ist in dieser Kette irgendein »Haken« oder gehen wir zu sorglos mit unseren Körperfunktionen um, treten Verdauungsprobleme auf, die teils an völlig anderen Stellen wahrgenommen werden und damit oftmals nicht mit dem eigentlichen Ursprung in Verbindung gebracht werden.