Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.7.2015


Umgang mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten auf Reisen



Zu Hause haben Sie Ihre Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten im Griff – Sie wissen, welche Lebensmittel Sie vertragen und welche Sie besser meiden sollten. Sie haben Ihre Einkaufsquellen, wo Sie die Produkte bekommen, die Ihnen gut bekommen. Auch wenn Sie zur Arbeit gehen, haben Sie einen Weg gefunden, sich mit verträglichen Speisen zu versorgen, und selbst der eine oder andere Restaurantbesuch bereitet Ihnen keine Probleme. So weit so gut!

Was aber, wenn Sie verreisen wollen? Für viele Menschen beginnen hier die Probleme. Habe ich hier die Möglichkeit, mich so zu ernähren, dass ich keine Verdauungsprobleme bekomme und mir einen Teil der wertvollen Urlaubstage verderbe?
 

Urlaubsgestaltung
Es gibt verschiedene Arten der Urlaubsgestaltung: Am einfachsten ist es, wenn Sie in Länder verreisen, in denen Sie die Sprache beherrschen und sich auch weitestgehend selbst versorgen können – beispielsweise in einem Ferienhaus oder einer Ferienwohnung mit Kochgelegenheit. Verschiedene Lebensmittel können Sie mitbringen, oder Sie schauen im Internet, ob Erfahrungen von anderen Betroffenen vorliegen, welche Möglichkeiten zum Einkauf geeigneter Lebensmittel es in der Gegend gibt. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Reiseberichte«.

Ebenfalls relativ einfach ist ein Urlaub in einem Hotel – hier kann man im Vorfeld Kontakt aufnehmen und anfragen, ob und wie weit man dort auf Ihre Bedürfnisse eingerichtet ist oder sich einrichten kann.

Auch ein Urlaub mit einer all-inclusive-Versorgung ist meist unproblematisch, weil hier die Verköstigung in der Regel in Büffetform angeboten wird. Als erfahrener Betroffener haben Sie sicherlich einen Blick dafür, welche Speisen »unverdächtig« sind und welche Sie besser meiden sollten. Bei Schwierigkeiten steht aber auch hier so gut wie immer Personal zur Verfügung, und man kann im Zweifelsfalle nachfragen.

Hinweis:
Auch wenn es zumindest in Deutschland seit 2014 vorgeschrieben ist, auch bei offenen, sprich unverpackten Lebensmitteln die Allergene inkl. Laktose zu deklarieren, ist dies in anderen Ländern und erst recht nicht in Urlaubshochburgen an der Tagesordnung. Im Zweifelsfalle sollten Sie lieber auf die eine oder andere Speise verzichten, die Auswahl ist jedoch nach meinen Erfahrungen immer so gigantisch, dass man auch so keinen Mangel leiden müsste.

Ein wenig komplizierter wird es, wenn man einen Urlaub mit Rundumverpflegung gebucht hat – beispielsweise auf einer Kreuzfahrt – und keine Ausweichmöglichkeiten hat. Aber auch hier kann man sich mit den Köchen und Küchenchefs gleich am Anfang der Reise kurzschließen und besprechen, welche Regeln eingehalten werden müssen. Je freundlicher Sie diesen Menschen begegnen, desto mehr Ehrgeiz legen sie an den Tag, um auch Ihnen die Mahlzeiten so bekömmlich und auch so lecker wie möglich zuzubereiten. Und zum Abschluss der Reise freuen sie sich dann ganz besonders über ein verdientes Trinkgeld.

Auf meiner Grönland-Kreuzfahrt im Jahr 2011 hatte man die Möglichkeit, am ersten Reistag an einem »Allergie-Treffen« teilzunehmen, an dem alle Betroffenen ihre Wünsche äußerten, die dann in den Folgetagen grundsätzlich bei den Mahlzeiten berücksichtigt wurden. Ich fand, das war ein toller Service.

Auf jeden Fall ist es immer gut, wenn Sie bereits im Vorfeld bei der Buchung Ihrer Reise nachfragen, ob man auf besondere Wünsche eingehen kann. Besonders wichtig ist dies natürlich bei Allergien und/oder einer Zölikakie, bei der auch gelegentliche »Sünden« absolut tabu sind.
 

Vorbereitung von An- und Abreise
Auch die An- und Abreise müssen Sie gut vorbereiten: Denken Sie bereits bei der Buchung von Langstreckenflügen daran, geeignete Verpflegung mitzubuchen. Erst am Flughafen Bescheid zu sagen, reicht nicht, denn die Speisen werden von langer Hand von den Catering-Unternehmen zusammengestellt und sind bereits Stunden vor Ihrem Einchecken vorbereitet. Trotzdem kann natürlich immer etwas schief gehen. Denken Sie deshalb daran, am besten ein paar verträgliche Snacks mitzuführen. Vergessen Sie dabei aber nicht die Sicherheitsvorschriften, damit Sie nicht etwa Ihre mitgebrachten Lebensmittel wegwerfen müssen, bevor Sie in den Flieger einsteigen dürfen.
 

Zeitplanung für den Stuhlgang
Ein weiterer Punkt zum Gelingen Ihrer Reise ist die Zeitplanung für Ihren Stuhlgang: Fast jeder, der von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder -Allergien betroffen ist, hat »einen empfindlichen Darm« oder sogar ein Reizdarm-Syndrom. Dies geht meistens damit einher, dass man dazu neigt, sich immer darüber Gedanken zu machen, ob eine Toilette erreichbar ist.

Bei längeren Tagestouren in einer Reisegruppe werden zwar in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen »Pinkelpausen« eingelegt, deren Abstand einem Betroffenen aber schon mal den Schweiß auf die Stirn treiben können.

Hilfreich ist es hier, sich am Morgen möglichst viel Zeit zu lassen. Stehen Sie ggf. eine Stunde früher auf nehmen Sie Ihr Frühstück in Ruhe ein. Wenn Sie danach noch ein wenig Zeit bis zum allgemeinen Aufbruch haben oder sogar eine Runde spazieren gehen, bewirkt der sogenannte »gastrokolische Reflex«, dass sich Ihr Darm bereits vor dem Ausflug entleert, und Sie der Stuhlgang nicht unterwegs drängt (siehe auch FAQ und Gesunde Verdauung).
 

Genussmittel im Urlaub
Im Urlaub wollen Sie es sich so richtig gut gehen lassen – und dazu gehören für die meisten auch Genussmittel. Tagsüber ist besonders in den warmen Ländern der Besuch der Eisdiele obligatorisch, am Straßenrand locken diverse Verkäufer mit Süßigkeiten und abends lässt man sich vielleicht gerne ein Glas Wein oder Bier schmecken – jeder hat so seine ganz persönlichen Vorlieben. Das ist völlig in Ordnung. Aber denken Sie bitte daran, dass alle Genussmittel auch einen Einfluss auf die Verdauung haben – leider meist negative. Manche Genussmittel führen zu weicherem, dünneren Stuhl, andere stopfen. Informieren Sie sich über diese Wirkungen. Es ist klug, möglichst nicht über die Stränge zu schlagen, um sich den Urlaub nicht durch unerwünschte Verdauungsstörungen zu verderben. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Genussmittel bei Darmempfindlichkeit«.
 

Reiseapotheke
... und noch ein Hinweis für die Reiseapotheke: Bedenken Sie bitte, dass Sie (neben den für Sie erforderlichen und für alle üblichen Notfallmedikamenten) zwar für wirkliche Notfälle durchaus ein Mittel mit dem Wirkstoff Loperamid (z.B. Imodium) in Ihrer Reiseapotheke dabei haben können, dass diese Mittel aber den Darm hemmen und keine Dauermedikation darstellen sollten. Besser ist es, auch auf der Reise darauf zu achten, neben ausschließlich verträglichen Lebensmitteln auch genügend Ballaststoffe zu sich zu nehmen und vor allem auch ausreichend zu trinken. Weiterhin sorgt Bewegung für regelmäßigen Stuhlgang. Bei vielen Touren mit Bussen oder anderen Transportmitteln kommt die Bewegung oft zu kurz. Der Darm aber braucht diese Anregung von außen, um normal funktionieren zu können. Nutzen Sie deshalb jede Pause zu einem genüsslichen Recken und Strecken, zu tiefem Durchatmen und kleinen gymnastischen Übungen – neben der Durchblutung Ihrer Beine wird es Ihnen auch Ihre Verdauung danken, und einen beschwerdefreien Urlaub steht nichts mehr im Wege.



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