Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.5.2015

Behandlung der Zöliakie und der Gluten-Sensitivität


Zum besseren Verständnis sollten Sie zuvor folgende Beiträg gelesen haben:
Zöliakie und Gluten-Sensitivität
Zöliakie – was ist das?
Diagnose der Zöliakie
Gluten-Sensitivität – was ist das?
Diagnose der Gluten-Sensitivität


Die Behandlung der Zöliakie und der Gluten-Sensitivität (Gluten-Unverträglichkeit) besteht im Meiden von Gluten – jedoch in unterschiedlichen Ausprägungen.

Behandlung der Gluten-Sensitivität
Bei der Gluten-Unverträglichkeit ist es erforderlich, den Verzehr von Gluten weitestgehend zu meiden. Spuren von Gluten werden immer und kleinere Mengen je nach Ausprägung der individuellen Toleranzschwelle in den allermeisten Fällen toleriert, ohne dass Beschwerden auftreten.

Analog zu den Ausführungen im Abschnitt »Behandlung der Zöliakie« (siehe unten) müssen Sie sich auch bei einer Gluten-Sensitivität immer informieren, ob in den vor Ihnen gekauften Nahrungsmitteln Gluten enthalten ist. Steht dort allerdings lediglich ein Hinweis, dass das Produkt »Spuren von Gluten enthalten kann«, so ist ein Verzehr dieses Nahrungsmittels bei Gluten-Sensitivität unbedenklich.

Verzehrt man versehentlich (oder wissentlich) Gluten, folgen die bekannten Probleme wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfälle und/oder Verstopfung, die jedoch nach kurzer Zeit verschwinden, sobald der Glutenverzehr unterbleibt. Gravierendere Probleme oder gar Folgeerkrankungen gibt es nicht.

Da bei einer Gluten-Sensitivität im Gegensatz zur Zöliakie keine Schädigung der Dünndarmschleimhaut vorliegt, sind behandlungsbedürftige Mangelerscheinungen nicht zu erwarten. Hier mit Nahrungsergänzungsmitteln zu arbeiten – erst recht in eigener Regie – ist in den allermeisten Fällen nicht erforderlich.

Behandlung der Zöliakie
Bei der Zöliakie besteht die wichtigste Behandlungsform ebenfalls im Meiden von Gluten – jedoch ist hier ein absolutes, striktes Meiden erforderlich. Selbst kleinste Spuren von Gluten führen nicht nur unweigerlich wieder zu Beschwerden, zusätzlich wird auch die Darmschleimhaut weiter oder wieder geschädigt, weil der autoimmune Zerstörungsprozess sofort wieder einsetzt. Sobald die Nahrung keinerlei Gluten mehr enthält, kann sich die geschädigte Darmschleimhaut wieder regenerieren, was je nach Vorschädigung allerdings Monate bis sogar Jahre dauert. In besonders schweren Fällen, in denen eine jahrzehntelange Schädigung durch eine unentdeckte Zöliakie vorliegt, wird sich die Darmschleimhaut eventuell nicht wieder bis zu ihrer vollen Stärke, sondern nur zum Teil regenerieren können. Auch die Werte der Zöliakie-Antikörper gehen unter konsequentem Glutenverzicht zurück.

Somit müssen Sie bei einer Zöliakie immer die Hinweise auf den Lebensmittelverpackungen studieren. Die Deklaration von Gluten ist auf Nahrungsmitteln gesetzlich vorgeschrieben, sofern nicht ein Glutengehalt durch die aufgeführten Inhaltsstoffe Weizen, Roggen und/oder Gerste auf der Hand liegt. Selbst wenn dort »nur« der Hinweis angebracht ist, dass das Produkt »Spuren von Gluten enthalten kann«, ist ein solches Nahrungsmittels bei Zöliakie nicht geeignet.

Bei unverpackten Produkten (beim Bäcker, Metzger oder an Imbissbuden und in Restaurants und Kantinen) müssen Menschen mit Zöliakie immer nach den ausliegenden oder -hängenden Listen fragen und schauen, ob die Nahrungsmittel Gluten enthalten. Seit Dezember 2014 ist im Verkauf offener Lebensmittel das Auslegen dieser Listen mit Inhaltsstoffen gesetzlich verpflichtend. Im Zweifelsfalle, wenn man nicht genau ermitteln kann, ob ein Glutengehalt möglich ist, ist es immer besser, sich für eine Alternative zu entscheiden.

Zusätzlich zur absoluten Glutenkarenz sind bei einer Zöliakie oftmals auch begleitende, vorübergehende Nahrungsergänzungen mit Vitaminen und/oder Mineralstoffen erforderlich, solange die geschädigte Darmschleimhaut noch nicht in der Lage ist, die Nahrung korrekt und gänzlich zu verdauen. Hier ist immer eine genaue Diagnostik durch den behandelnden Arzt erforderlich, um dann die fehlenden Vitalstoffe zu identifizieren und gezielt zu verordnen. Von einer Eigenbehandlung »nach dem Gießkannenprinzip« ist dringend abzuraten, vor allem auch, weil hier unbedingt streng glutenfreie Präparate erforderlich sind.

Wenn durch die vorangegangene Schädigung der Dünndarmschleimhaut weitere Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten wie z.B. eine Laktose- und/oder Fruktose-Malabsorption entstanden sind, ist diesen selbstverständlich – zumindest bis zu deren Abklingen – mit einer adäquaten Ernährung zu begegnen. Lesen Sie hierzu bitte die Beiträge »Behandlung« der Laktose-Intoleranz und »Behandlung« der Fruktose-Intoleranz (Fruktose-Malabsorption.
 

Spezielle Nahrungsmittel
Mittlerweile hat auch die Nahrungsmittelindustrie die Zöliakie-Betroffenen und Menschen mit Gluten-Sensitivität als potenzielle Käufergruppe erkannt und bietet eine immer größer werdende Menge an glutenfreien Produkten an. Diese sind gekennzeichnet durch ein Symbol mit der durchgestrichenen Ähre.

Neben einem erfreulicherweise immer größer werdenden, explizit als glutenfrei gekennzeichneten Lebensmittel-Angebot auch in den Supermärkten haben sich zusätzlich diverse Unternehmen auf den Versand von glutenfreien Produkten spezialisiert – teilweise als Teilbereich von Versandhäusern für Menschen mit allen möglichen Allergien. Hier sind dann mit dem Filter »Gluten« die benötigten Produkte auswählbar. Und natürlich können auch Mehrfachfilter gesetzt werden, wenn neben der Zöliakie oder Gluten-Unverträglichkeit noch weitere Intoleranzen vorliegen. Empfehlenswert sind u.a.
Foodoase: www.foodoase.de
Glutenfrei genießen: www.glutenfreigeniessen.de
Glutenfrei Supermarkt: www.glutenfrei-supermarkt.de
Hammermühle: www.hammermuehle-shop.de
Querfood-Versand: www.querfood.de


Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.


Sich weitestgehend oder sogar wirklich völlig glutenfrei zu ernähren, ist insbesondere am Anfang gleich nach der Diagnose gar nicht so einfach. Auch wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist, auf verpackten Nahrungsmitteln einen Glutengehalt zu deklarieren, können doch Kontaminationen auftreten, die (unbeabsichtigt) nicht ersichtlich sind. Und es passiert auch gar nicht so selten, dass man einen deklarierten Glutengehalt auf den meist sehr klein gedruckten Zutatenlisten schlichtweg übersieht.

Aus diesem Grund ist es zumindest für Zöliakie-Patienten ratsam, als Betroffener Mitglied bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. zu werden (www.dzg-online.de). Diese Vereinigung gibt jedes Jahr eine Liste mit all jenen Produkten in Buchform heraus, die kein Gluten enthalten und unbedenklich verzehrt werden können (Positiv-Liste). Für diese Liste gibt es quartalsweise kleinere Updates, so dass man immer sicher sein kann, wirklich auf dem aktuellen Stand zu sein.

Auch bei einer Gluten-Unverträglichkeit empfiehlt sich – zumindest für eine erste Zeit – die Mitgliedschaft bei der DZG, damit man in die glutenfreie Kost hinein findet und Fallen vermeiden kann.

Weiterhin gibt die DZG auch unersetzliche Tipps – vor allem für die erste Zeit nach der Diagnose, aber auch für das Zusammenleben (und Zusammenessen) mit Nichtbetroffenen. Darüber hinaus kann man sich in einem Forum mit anderen Betroffenen austauschen. Gerade, wenn die nicht ganz einfache Diagnose erst einmal »verdaut« werden muss, können Tipps von »alten Hasen« sehr gut weiterhelfen.

Falls es eine Gruppe in Ihrer Nähe gibt, kann ich Ihnen auch den Besuch einer Selbsthilfegruppe für Betroffene von Zöliakie und Gluten-Sensitivität empfehlen, um sich hier mit erfahrenen »Zölis« austauschen zu können. Bei der »Nationalen Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS)« können Sie sich unter www.nakos.de über die verschiedenen Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe informieren. Auch die DZG sendet Ihnen auf Anfrage Adressen von Gesprächsgruppen in Ihrer Nähe zu.




Lesen Sie bitte auch folgenden Beitrag:
Weizenallergie

Empfehlenswerte Literatur:
Zöliakie und Gluten-Sensitivität




Empfehlung:
Eine zusätzliche Hilfe bei der Ermittlung geeigneter Lebensmittel stellt die
»DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank« dar. Informieren Sie sich hier.