Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.5.2015

Gluten-Sensitivität – was ist das?


Zum besseren Verständnis sollten Sie zuvor folgenden Beitrag gelesen haben:
Zöliakie und Gluten-Sensitivität


Früher, als die Nahrung der Menschen neben etwas erjagtem Fleisch vor allem aus gesammelter pflanzlicher Nahrung bestand, wurden einzelne Getreidekörner verzehrt. Die Getreidesorten trugen damals auch nur einzelne Körner (daher der Name der Weizen-Urform »Einkorn«). Die dicken, schweren Ähren wurden erst in der Neuzeit gezüchtet, als mit der Sesshaftigkeit verstärkt Ackerbau betrieben wurde. Durch die nun leichtere Ernte enthielt die Nahrung vermehrt Getreide, insbesondere Weizen, und damit mehr und mehr Gluten.

Da auch das Verdauungssystem von Menschen ohne eine Zöliakievorbelastung nicht auf solche Glutenmengen eingerichtet ist – insbesondere aber auch auf die drastisch gestiegenen Mengen durch die Neuzüchtungen des Weizens in den letzten 50 Jahren – gibt es immer mehr Menschen, die Probleme damit haben: sie leiden an einer Gluten-Sensitivität (Gluten-Unverträglichkeit) mit allen auch von anderen Intoleranzen bekannten Problemen. Diese sind neben anderen Symptomen vor allem Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfällen und/oder Verstopfung. Die Beschwerden sind, wie bei allen anderen Unverträglichkeiten auch, mengenabhängig, d.h. je mehr Gluten verzehrt wird, desto heftiger sind die Folgen. Sie verschwinden relativ schnell mit dem Einschränken oder gänzlichen Meiden von glutenhaltigen Getreideprodukten, ohne dauerhafte, körperliche Schäden zu hinterlassen.

Auch oder gerade weil die Symptome sehr unangenehem sein können, wird die Gluten-Sensitivität oftmals mit einer Zöliakie verwechselt. Es bestehen jedoch sehr wichtige Unterschiede zwischen diesen beiden Erkrankungen:

Bei einer Gluten-Sensitivität wie auch bei einer Zöliakie ist der Verzehr von Gluten der Auslöser von (Verdauungs)beschwerden. Bei der Zöliakie jedoch wird aufgrund einer autoimmunen Reaktion des Körpers unter Glutenverzehr die Dünndarmschleimhaut geschädigt. Dies ist bei einer Gluten-Sensitivität nicht der Fall.

Auch unter Glutenverzehr bleibt bei einer Gluten-Sensitivität die Schleimhaut des Dünndarms mit ihren Darmzotten und der in die so genannten Mikrovilli weiter aufgefalteten Oberfläche im Großen und Ganzen gesund.



Lediglich bei lang anhaltendem und exzessivem Glutenverzehr kann sich – wie bei allen Intoleranzen, bei denen man die adäquate Ernährung missachtet – die Darmflora durch die enstehenden Abfallprodukte (Gase und Säuren) nachteilig verändern, was eine Reizung der Darmschleimhaut nach sich ziehen kann. Eine Abflachung der Darmzotten und Mikrovilli gibt es aber nicht.

Wenn Sie also trotz Vorliegens einer Gluten-Sensitivität in geringen Maßen Weizen-, Roggen-, Gersten- oder andere Gluten-haltige Nahrungsmittel zu sich nehmen, wird Ihnen außer mehr oder weniger unangenehmen Verdauungsproblemen nicht viel passieren. Bei einer Zöliakie hingegen erleiden die Patienten nachhaltige Schädigungen, deren Regeneration je nach Ausprägung Wochen bis Monate in Anspruch nimmt.

Somit ist festzuhalten: Eine Gluten-Sensitivität ist – genauso wie andere Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten – unangenehm und bedeutet Einschränkungen in der Nahrungsauswahl. Jedoch kann der Patient mit Gluten-Sensitivität bei entsprechender Diät vollkommen beschwerdefrei werden und bleiben.




Bitte lesen Sie weiterhin folgende Beiträge:
Diagnose der Gluten-Sensitivität
Behandlung der Zöliakie und der Gluten-Sensitivität
Zöliakie – was ist das?
Diagnose der Zöliakie
Weizenallergie

Empfehlenswerte Literatur:
Zöliakie und Gluten-Sensitivität


Empfehlung:
Eine zusätzliche Hilfe bei der Ermittlung geeigneter Lebensmittel stellt die
»DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank« dar. Informieren Sie sich hier.