Letzte Aktualisierung dieser Seite: 8.11.2013

Karenz nach der Diagnose oder als Suchdiät


Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten unterscheiden sich u.a. auch dadurch von den Nahrungsmittel-Allergien, dass erst Beschwerden entstehen, wenn eine bestimmte, individuelle Mengenschwelle überschritten wird. Kleinere Verzehrmengen von unverträglichen Stoffe werden immer toleriert, und die Ausprägung der Beschwerden ist abhängig von der Verzehrmenge: Je mehr vom unverträglichen Stoff gegessen wird, desto unangenehmer werden die Probleme. Diese Mengenschwelle ist zwar immer individuell und hängt u.a. auch von der noch vorhandenen Restproduktion der erforderlichen Enzyme oder Transportsysteme ab, jedoch sind es immer im Vergleich zu den Allegien verhältnismäßig größere Mengen, die ohne Probleme toleriert werden. Bei Allergien hingegen genügen bereits allerkeinste Spuren des Allergens, um u.U. schwerste bis sogar lebensbedrohliche Symptome zu erzeugen.

Somit ist es später bei der Dauerbehandlung von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten nicht erforderlich, den oder die Auslöser komplett zu meiden. Es genügt, weitestgehend auf die unverträglichen Stoffe zu verzichten, um beschwerdefrei zu bleiben. Spuren dieser Stoffe machen dann keine Probleme.

Nach der Diagnose
Wenn vom Arzt die Diagnose »Nahrungsmittel-Intoleranz« gestellt wurde, nun also bekannt ist, ob man z.B. eine Laktose-oder Fruktose-Intoleranz oder eine Histamin-Intoleranz hat, ist es wichtig, nun zuerst alle eventuellen Auslöser von Beschwerden zu meiden. Dies ist leichter gesagt als getan, zumal sehr viele Ärzte einen mit nur sehr wenigen hilfreichen Ratschlägen alleine lassen.

Nach der Diagnose – wenn also meist ein längerer Leidensweg voller Beschwerden hinter einem liegt – müssen in Zukunft dauerhaft alle möglichen Beschwerdeauslöser weitestgehend gemieden werden. Nur dann kann sich auf Dauer der Darm regenerieren und eine Beschwerdefreiheit einsetzen.

Bevor jedoch mit der dauerhaften auslöserarmen Ernährung begonnen werden kann, muss zuerst eine Zeitspanne mit einer konsequent und weitestgehend auslöserfreien Ernährung eingehalten werden, bevor nach und nach ausgetestet werden kann, welche Lebensmittel die tatsächlichen Verursacher der Beschwerden sind. Diese gesamte Zeit nennt man Karenz.

Was bedeutet »Karenz«?
Der Begriff »Karenz« bedeutet »Wartezeit« oder auch »Sperrfrist«. Bei der Behandlung von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten gibt es eine Phase der absoluten Karenz, also eine Zeit des konsequenten Verzichts aller möglichen Verursacher. Dann folgt anschließend eine Aufbauphase, in der weiterhin möglichst viele Verursacher gemieden werden, jedoch durch das sukzessive Hinzufügen einiger zusätzlicher Lebensmittel ausgetestet wird, welche verträglich sind und welche in Zukunft besser dauerhaft weggelassen werden sollten.

Es gibt bei jeder Unverträglichkeit nicht nur »DAS« Lebensmittel, welches Beschwerden auslöst – es werden immer mehrere sein, und manche erzeugen mehr, manche weniger, manche hingegen sogar überhaupt keine Beschwerden.

Die absolute Karenz, in der keinerlei dieser sicheren oder eventuellen Beschwerdeauslöser verzehrt werden, gibt dem Verdauungssystem Gelegenheit, sich zu beruhigen und zu erholen. Jeder halbherzige Versuch, mit einem (durch in der Vergangenheit verzehrten unverträglichen Nahrungsmitteln) gereizten Darm nun durch Weglassen einiger Verdächtiger eine dauerhafte Besserung erzielen zu wollen, ist mit großer Sicherheit zum Scheitern verurteilt. Hinzu kommt, dass ohne eine detektivische Suche nach allen möglichen Verursachern auch gar keine grundsätzliche Beschwerdefreiheit erreichbar ist.

Somit muss zuerst die absolute Karenz dem Verdauungssystem Gelegenheit geben, wieder normal zu funktionieren. Erst dann kann bei nachfolgenden Versuchen, bei denen bestimmte Lebensmittel wieder sukzessive in den Speiseplan eingebaut werden, erkannt werden, ob diese tatsächlich unverträglich oder doch verträglich sind.

Fasten als Vorbereitung der Karenz
Die sicherste Methode, eine wirklich absolute Karenz zu halten, ist das Fasten (lesen Sie hierzu den Beitrag »Fasten als Vorbereitung der Karenz«). Beim Fasten wird neben Getränken (Wasser, Kräuter- oder Früchtetee) keinerlei Nahrung aufgenommen. Durch das Fasten kann sich das Verdauungssystem zum einen optimal erholen, und zum anderen besteht keine Gefahr, unbeabsichtigt Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die vielleicht doch nicht so gut vertragen werden.

Allerdings ist es nicht immer möglich zu fasten, denn fasten bedeutet auch Anstrengung und Diziplin, die – zumal in stressigen Zeitspannen – oftmals nicht möglich sind. Aber auch ältere oder kranke Menschen und vor allem Schwangere dürfen nicht fasten, und somit bleibt hier nur die Möglichkeit, nach bestem Wissen und Gewissen alle eventuellen Beschwerdeauslöser zu meiden und eine Kost zusammenzustellen, die möglichst frei von unverträglichen Nahrungsmitteln ist.

Information ist wichtig!
Bevor begonnen wird, diese in der Karenzeit weniger abwechslungsreiche Kost zusammenzustellen, ist es wichtig, dass man sich genau informiert, in welchen Lebensmitteln die unverträglichen Stoffe enthalten sein könnten. Somit ist das Einholen von umfangreichen Informationen über die persönliche(n) Nahrungsmittel-Unverträglichkeit(en) ein unbedingtes Muss, damit man nicht auf Nahrungsmittel verzichtet, die ganz bestimmt nichts mit der eigenen Unverträglichkeit zu tun haben können. Ansonsten würde der ohnehin schon stark eingeschränkte Speiseplan noch weiter zusammenschrumpfen – das ist nicht nötig. Und auf der anderen Seite dürfen natürlich auch keine Nahrungsmittel auf dem Plan stehen, die unverträgliche Stoffe enthalten.

Karenz
Sobald ermittelt wurde, welche Nahrungsmittel die unverträglichen Stoffe enthalten, ist ein Plan für ca. 2 Wochen aufzustellen, in dem keinerlei unverträgliche Nahrungsmittel verzehrt werden. In dieser Zeit der absoluten Karenz werden sich das Verdauungssystem beruhigen und die Beschwerden nachlassen. Sollte dies nicht der Fall sein, ist die Auswahl der Nahrungsmittel noch einmal einer kritischen Prüfung zu unterziehen und ggf. abzuändern.

Wenn über mehrere Tage keinerlei Beschwerden mehr aufgetreten sind, kann man nun dem Speiseplan ein weiteres Nahrungsmittel hinzufügen, das aller Voraussicht nach keine unverträglichen Bestandteile enthält. Treten weiterhin keine Beschwerden auf, kann man im Abstand von jeweils 2 Tagen den Speisezettel um ein »neues« Nahrungsmittel erweitern. Sobald Probleme auftreten, ist das zuletzt hinzugefügte Nahrungsmittel sofort wegzulassen, bis wieder die Beschwerdefreiheit eingetreten ist. In diesem Fall ist immer im Anschluss eine zweitägige Erholungsphase einzuhalten, bevor neue Nahrungsmittel hinzugefügt werden. Am besten lässt man danach das betreffende Nahrungsmittel über einen längeren Zeitraum weg. Ggf. kann man es zu einem späteren Zeitpunkt erneut testen, denn leider ist es oftmals auch tagesformabhängig, ob Nahrungsmittel vertragen werden oder nicht. Und natürlich ist es auch immer die Summe, die zu Beschwerden führt. Wird ein Lebenmittel, das eine geringe Menge des unverträglichen Stoffes enthält, alleine verzehrt, passiert gar nichts. Verzehrt man jedoch mehrere solcher Lebensmittel, kommt in der Summe eine ganze Menge zusammen, die dann Beschwerden erzeugt.

Auch kann das Auftreten von Beschwerden mit dem Verzehrzeitpunkt zusammenhängen: ein und dasselbe Lebensmittel kann zum Mittag- oder Abendessen durchaus verträglich sein, wohingegen es beim Verzehr zum Frühstück auf nüchternen Magen Probleme macht.

Somit wird es sicherlich eine Weile dauern, bis man herausgefunden hat, was man in Zukunft vertragen wird und was eher nicht. Trotzdem lohnt es sich, diese Zeit der Karenz möglichst konsequent durchzuhalten, um später die Mahlzeiten mit einem abwechslungsreichen Speiseplan beschwerdefrei und mit einer hohen Lebenqualität genießen zu können.

Suchdiät
Die Karenz eignet sich ebenfalls zur so genannten Suchdiät, wenn mit verschiedenen Tests beim Arzt keine eindeutigen Ergebnisse erzielt werden konnten oder wenn man selber herausfinden möchte, welche Nahrungsmittel ggf. unverträglich sind. Die Vorgehensweise ist identisch wie oben beschrieben.

Enzym-Präparate während der Karenz oder Suchdiät?
Später, wenn man die Beschwerdeverursacher ermittelt hat, ist es in Notfällen möglich, die Bekömmlichkeit der entsprechenden Lebensmittel mit der gleichzeitigen Einnahme von Enzym-Präparaten zu steigern und einen beschwerdearmen oder sogar beschwerdefreien Verzehr zu ermöglichen.

In der Zeit der Karenz oder Suchdiät ist es jedoch nicht ratsam, Enzym-Präparate einznehmen, weil damit die Suche nach Beschwerdeverursachern verwässert würde. Somit muss diese Zeitspanne, die ja eine begrenzte und vorübergehende ist, zur Erzielung des optimalen Erfolgs ohne Ergänzungspräparate, jedoch mit Konsequenz durchgehalten werden.


Empfehlung:
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Mehr zu den Behandlungsmöglichkeiten der einzelnen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten lesen Sie bitte hier:
»Behandlung« der Laktose-Intoleranz
»Behandlung« der Fruktose-Intoleranz
»Behandlung« der Histamin-Intoleranz

Lesen Sie auch folgende Beiträge:
Behandlungsgrundsätze bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten
Fasten als Vorbereitung der Karenz