Letzte Aktualisierung dieser Seite: 5.1.2017

Sanierung der Darmflora


Bitte lesen Sie zuerst den Beitrag »Pflege der Darmflora«.

In manchen Fällen – beispielsweise bei schweren entzündlichen Darmerkrankungen oder einer Dünndarmfehlbesiedelung, nach wiederholten Antibiotikatherapien, oder nach Chemo- oder Bestrahlungstherapien kommt es häufig vor, dass die Darmflora (Mikrobiota) schwerst geschädigt ist. Dr. rer. nat. Kurt Zimmermann erläutert: »Erst kürzlich hat eine Studie gezeigt: Wird innerhalb weniger Wochen zweimal mit dem gleichen Antibiotikum behandelt, ist die Mikrobiota noch zwei Jahre nach der Therapie nachweislich verändert.« **

Hier helfen die allgemeinen Ratschläge zur Pflege der also Darmflora nicht weiter – sie muss gründlich saniert werden. Die Bakterienstämme der obligaten – also Ihrer ganz individuellen und eigentlich dauerhaften – Darmflora können sich nur regenerieren, wenn noch ein ausreichender Grundstock der vielen verschiedenen Bakterienarten vorhanden ist. Sind hier die Mengen massiv dezimiert oder aber teilweise sogar so gut wie ganz ausgerottet, kann sich die gesunde Gesamtbalance nicht wieder einstellen, ohne dass von außen die Keime in größerer Anzahl zugeführt werden, oder aber die bestehende Darmflora mit geeigneten Mitteln wie z.B. Vitalpilzen bei der Regeneration unterstützt wird.

Zu allererst sollte – in den oben erwähnten Fällen – oder wenn Sie sich dauerhaft schlapp fühlen, immer wieder krank werden oder aber auch starke Verdauungsbeschwerden haben, die nicht durch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder -Allergien begründet sind, eine Diagnostik der Stuhlflora durchgeführt werden. Diese veranlasst Ihr Arzt, ein Heilpraktiker oder ein qualifizierter Gesundheitsberater, der sich auf diesen Bereich spezialisiert hat.

Zur Diagnostik der Stuhlflora wird eine Stuhlprobe an ein Labor geschickt, in der die vorhandenen Mikroorganismen ausgezählt und im Zusammenhang mit der Lebensweise und Ernährungsform (z.B. Fleischesser oder Vegetarier) bewertet werden. Zusätzlich wird der Säuregrad (PH-Wert) des Stuhls ermittelt, denn für das Überleben der erwünschten Mikroorganismen ist ein optimaler Säuregrad erforderlich.

Neben der Untersuchung der Stuhlflora können im Zuge einer Stuhldiagnostik auch die Überprüfung auf Parasiten (u.a. Würmer oder Amöben) und einiger weiterer Parameter gehören. Vor der Entnahme der Stuhlprobe ist die gewohnte Lebens- und Ernährungsweise unbedingt beizubehalten, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Lediglich die Einnahme von lebenden Bakterienkulturen (»funktionelle« Lebensmittel, Probiotika) ist mindestens 3-4 Tage vorher zu unterlassen, um ein objektives Bild der Zustände zu erhalten.

Untersucht werden u.a. die Bakterienstämme Escherichia Coli, Enterococcus, Bifidobacterium und Lactobacillus und einige weitere, aber auch Pilze wie Candida albicans. Aus dem jeweiligen Status (Normbereich, Toleranzbereich, mäßig verringert oder erhöht, stark verringert oder erhöht) wird unter Einbeziehung des Säuregrades eine so genannte »Ökobilanz« ermittelt: Jeder abweichende Wert bekommt einen Punktwert, die zum Schluss addiert werden. Je höher diese Summe, desto ungesünder ist die Bilanz.

Eine auch für den Laien ganz hervorragend gestaltete und sehr informative Website stellt das Labor L+S AG (Enterosan) in Bad Bocklet zur Verfügung, deren Studium ich Ihnen bei Interesse sehr empfehle http://www.enterosan.de/ie/html/therapeuten/einsteiger/3_index.html.

Sollten Sie und Ihr Behandler zu dem Ergebnis kommen, dass Ihre Darmflora saniert werden muss, sollten Sie sich über die weiteren Maßnahmen qualifiziert beraten lassen. Es wird nun die Einnahme der geeigneten Bakterienkulturen in Form von probiotischen Präparaten – also Präparaten mit lebenden Bakterienkulturen – erforderlich sein, die genau auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sein müssen.

Wichtiger Hinweis: Von einem »Selbst-Herumdoktern« rate ich dringend ab, denn hier sind wirklich Spezialkenntnisse vonnöten: Nicht nur die Befunde müssen richtig interpretiert werden, auch Ihre Lebensweise und eventuell vorliegende Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder ein Reizdarm-Syndrom, sowie das eventuelle Vorliegen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), einer Zöliakie oder einer Dünndarmfehlbesiedelung müssen bei der Zusammenstellung der Therapie und der Auswahl des für Sie optimalen Präparates unbedingt mit einbezogen werden.

Es gibt die verschiedensten Präparate, die auch unterschiedliche Bakterienstämme enthalten. Folgende Bakterienarten sind in diesen Präparaten gebräuchlich (alphabetisch geordnet):
Bacterium coagulans
Bifidobacterium bifidum
Bifidobacterium breve
Bifidobacterium infantis
Bifidobacterium lactis
Bifidobacterium longum
Enterococcus faecalis/faecicum
Escherichia coli
Lactobacillus acidophilus
Lactobacillus bulgaricus
Lactobacillus casei
Lactobacillus coagulans
Lactobacillus delbrueckii
Lactobacillus fermentii/fermentum
Lactobacillus gasseri
Lactobacillus helveticus
Lactobacillus lactis
Lactobacillus paracasei
Lactobacillus paracasei
Lactobacillus plantarum
Lactobacillus reuteri
Lactobacillus rhamnosus
Lactobacillus salivarius
Lactobacillus sporogenes
Lactococcus lactis
Saccharomyces boulardii
Streptococculs thermophilus

Alle Bakterienarten und -stämme sind besonders in Bezug auf eine eventuell vorliegende Nahrungsmittel-Intoleranz zu betrachten, denn die unterschiedlichen Arten sind bei den verschiedenen Unverträglichkeiten mehr oder weniger gut geeignet. So ensteht z.B. im Stoffwechsel einiger Bakterienarten Histamin, was ihre Verwendung bei einer Histamin-Unverträglichkeit ausschließt. Auch wird derzeit heftig diskutiert, welche Bakterienstämme gerade bei einem Reizdarm-Syndrom förderlich oder aber abträglich sind. Und natürlich sind auch die in den meisten Präparaten enthaltenen Hilfs- und Begleitstoffe auf ihre Eignung hin zu überprüfen – der Laie dürfte hier in den allermeisten Fällen überfordert sein.

Somit gehört die Verordnung eines geeigneten Probiotikums immer in die Hand eines spezialisierten Therapeuten. Es ist jedoch immer gut, wenn Sie sich im Vorfeld gründlich informieren, um mit Ihrem Behandler auf Augenhöhe gemeinsam über die erforderlichen Schritte sprechen zu können. Um sich über die verschiedenen Präparate zu informieren, empfehle ich Ihnen einen Beitrag auf der Website www.libase.de, einem Forum für Laktose-Intoleranz, der eine Fülle von Präparaten zusammenfasst und diskutiert. Eigentlich werden hier die Präparate vor dem Hintergrund einer Histamin-Intoleranz bewertet, die Zusammenfassung eignet sich jedoch auch, um sich einen umfassenden Überblick über die Präparate und ihre Inhaltsstoffe zu verschaffen.

Eine Sanierung der Darmflora ist grundsätzlich äußerst behutsam durchzuführen und dauert mehrere Monate. Jedes Präparat ist immer einzuschleichen, denn ein Überschwemmen der vorhandenen Darmflora mit Bakterien, die nicht in das vorhandene Gleichgewicht passen, auch wenn dieses ungesund sein sollte, führt immer zu mehr oder weniger heftigen Irritationen. Nicht ohne Grund wird die menschliche Darmflora als eigenständiges Organ betrachtet – und jeder Eingriff an einem Organ führt verständlicherweise zu Reaktionen, die drastischer ausfallen, je unvorsichtiger der Eingriff ist.

Neben den Probiotika eigenen sich auch die so genannten Vitalpilze. Diese ergänzen die Darmflora nicht mit zugeführten »guten Bakterien«, sondern wirken adaptogen. Dies bedeutet, dass die Pärparate genau dort ihre Wirkung entfalten, wo »der Hase im Pfeffer liegt«, so dass sich die Darmflora mit dieser Unterstützung von selbst auf die ganz individuelle Balnce einpendeln kann. Auch bei den Vitalpilzen rate ich dringend von einer Selbstverordnung ab. Lassen Sie sich von ausgebildeteten Mykoberatern helfen, aus dem angebotenen Spektrum die für Sie und für Ihre Problemantik geeigneten Vitalpilze auszuwählen. Darüber hinaus können Sie dann gemeinsam schauen, welche Dosierung und welche Einschleichgeschwindigkeit für Sie geeignet ist.

Tipp:
Übrigens müssen Sie nicht warten, bis »das Kind in den Brunnen gefallen ist«, wenn Sie Antibiotika einnehmen müssen. Sie können bereits während der Antibiose mit der Einnahme von geeigneten Probiotika oder Vitalpilzen beginnen. So verhindern Sie, dass Ihre Darmflora durch die in Bezug auf Ihre Darmbakterien lebensfeindlichen Antibiotika einen allzugroßen Schaden nimmt. Achten Sie jedoch darauf, dass zwischen der Einnahme der antibiotischen Mittel und den Probiotika ein Zeitversatz von mindestens 2 Stunden eingehalten wird, damit die Antibiotika die guten Bakterienstämme nicht gleich im Magen zerstören. Bei geplanten Antibiosen, wie sie z.B. bei größeren Operationen vorgenommen werden, können Sie bereits 2 Wochen vor dem Termin mit der Einnhame von Probiotika oder sogar 4 Wochen vorher mit den Vitalpilzen beginnen, so dass Ihre Darmflora in einem bestmöglichen Zustand ist.

 
** UGB-Forum 2/2011, Seite 72 (Fachzeitschrift für Gesundheitsförderung der Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung Europa)






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